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Letzter GDL-Streiktag Castor-Gegner bekennen sich zu Bahn-Anschlägen im Norden

Von dpa

Neben dem Streik haben auch mehrere Brandanschläge den Zugverkehr behindert. Foto: dpaNeben dem Streik haben auch mehrere Brandanschläge den Zugverkehr behindert. Foto: dpa

Hannover/Bremen/Essen. Bahnreisende in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bremen mussten sich auch am vorerst letzten Streiktag der Lokführergewerkschaft GDL auf massive Beeinträchtigungen einstellen. Neben dem Streik haben auch mehrere Brandanschläge den Zugverkehr behindert. Inzwischen liegt ein Bekennerschreiben aus der autonomen Szene vor.

Neben dem Lokführer-Streik haben auch mehrere Brandanschläge den Zugverkehr am Samstag behindert. Zunächst unbekannte Täter hatten in Bremen, Niedersachsen und Brandenburg Feuer in mehreren Kabelschächten gelegt. Die Bundespolizei schließt einen Zusammenhang zwischen den Taten nicht aus - zumal sie zur etwa gleichen Zeit verübt worden sind. Bei der Bahn fielen mehrere Stellwerke aus. Reisende müssen sich deshalb bis Sonntagabend auf Zugausfälle und Verspätungen in Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein einstellen.

Autonome bekennen sich

Im Internet erklärten „Autonome Gruppen“, dass sie mit der Sabotage an den Tod eines Franzosen bei einem Castortransport aus dem französischen La Hague ins Atommüll-Zwischenlager Gorleben vor zehn Jahren erinnern wollten. In der Vergangenheit hatte es immer wieder Anschläge auf die Bahn gegeben, zuletzt im August in Berlin. Der Staatsschutz ermittelt jetzt in Bremen, Niedersachsen und Brandenburg. Beamte sicherten Spuren an den Tatorten.

Erhebliche Folgen

In Bremen entfernten die Täter am Samstagmorgen an zehn Stellen die etwa 15 Kilo schweren Betonplatten von den Kabelschächten. Danach legten sie Feuer. Im niedersächsischen Bad Bevensen setzten die Unbekannten zwei Kabelschächte auf die gleiche Weise in Brand. Auch in Karstädt bei Wittenberge in Brandenburg gab es Anschläge auf Kabelschächte.

„Die Auswirkungen sind erheblich“, sagte eine Bahnsprecherin. Neben den defekten Stellwerken ist auch der Funkverkehr zu den Zügen ausgefallen. Die Lokführer müssen zum Teil auf Sicht fahren.

Nur ein Drittel fährt

Im Regionalverkehr in Norddeutschland würden Züge wieder lediglich auf 30 Prozent der Verbindungen verkehren, sagte ein Bahnsprecher am Samstag. Bei den Fernzügen soll ebenfalls wie in den Tagen zuvor nur etwa ein Drittel fahren. Die Privatbahnen sind nach eigenen Angaben von den Ausfällen nicht betroffen. Gegen Abend hin sollte sich die Lage mit dem angekündigten Streikende um 18 Uhr nach und nach verbessern, sagte der Bahnsprecher. Informationen dazu, welche Züge fahren, gibt es auf den Seiten der Bahn.

Mehr Infos zum Streik bei der Bahn in unserem Themenspezial

Beeinträchtigungen auch am Sonntag

Bis der Fernverkehr wieder in gewohnten Bahnen verlaufe, könne es hingegen länger dauern, hieß es. „Am Sonntag ist auf jeden Fall noch mit Einschränkungen zu rechnen“, sagte ein Bahnsprecher. Im Nahverkehr werde sich der Bahnverkehr im Laufe des Sonntags dagegen schrittweise normalisieren. Die Sonderzüge für die Spiele der Fußball-Bundesliga fallen wieder aus. Die Fans müssen auf Busse oder das Auto umsteigen oder mit den noch verkehrenden regulären Zügen zum Ziel kommen.

Um 18.00 Uhr wollte die GDL den sechsten Ausstand im laufenden Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn vorzeitig beenden. Ursprünglich war der Streik bis Montagmorgen geplant. Das Landesarbeitsgericht Hessen hatte den Arbeitskampf zuvor in zweiter Instanz als rechtmäßig eingestuft.

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Mietwagenverleiher, Fernbusunternehmen und Mitfahrzentralen profitieren

Viele an Bahnhöfen Gestrandete entschieden sich für Mietwagen, um ihr Ziel noch zu erreichen. In Ballungszentren sei es schwierig geworden, noch ein Fahrzeug zu bekommen, hieß es etwa bei Europcar. Als weitere Alternative zur Bahn waren auch Fernbusse extrem begehrt. Der ADAC verzeichnete 50 Prozent mehr Buchungen und hatte 20 Prozent mehr Busse im Einsatz als sonst, sagte eine Sprecherin. Das Unternehmen MeinFernbus organisierte 150 zusätzliche Busse. Auch Mitfahrzentralen spürten die Auswirkungen des Bahnstreiks: Die Internet-Plattform mitfahrgelegenheit.de habe rund doppelt so viele Fahrten vermittelt wie üblich, sagte ein Sprecher.