Anklage vor dem Landgericht Lüneburg Richter soll Prüfungsinhalte an Referendare verkauft haben

Vor dem Landgericht Lüneburg muss sich ein ehemaliger Richter verantworten. Symbolfoto: dpaVor dem Landgericht Lüneburg muss sich ein ehemaliger Richter verantworten. Symbolfoto: dpa

Celle/Verden. Die Staatsanwaltschaft Verden hat Anklage gegen einen ehemaligen Mitarbeiter des Niedersächsischen Landesjustizprüfungsamts erhoben. Dem 48-Jährigen wird unter anderem Bestechlichkeit und versuchte Nötigung zur Last gelegt. Er soll Rechtsreferendaren Prüfungsinhalte verkauft haben.

Der aus dem Wendland stammende Angeschuldigte war in Niedersachsen als Richter tätig und seit 2011 Mitarbeiter des Landesjustizprüfungsamts in Celle, teilte die Staatsanwaltschaft Verden mit. Bis März 2014 soll er sechs Referendaren die Inhalte von Prüfungsklausuren oder Vorträgen mit Lösungshinweisen gegen teilweise fünfstellige Geldbeträge angeboten haben.

In fünf weiteren Fällen bestehe der Verdacht, dass der Angeschuldigte Prüfungskandidaten die Inhalte von Aktenvorträgen, Prüfungen oder Lösungshinweise überlassen hat. Die Staatsanwaltschaft Verden erhebt daher Anklage wegen Bestechlichkeit im besonders schweren Fall, Verletzung des Dienstgeheimnisses und versuchter Nötigung.

Der 48-Jährige war nach Darstellung der Staatsanwaltschaft auf Prüfungskandidaten zugegangen, die bereits einmal durch das zweite Staatsexamen durchgefallen waren. Vier Referendaren, von denen er laut Anklage erhebliche Geldbeträge verlangt hatte, soll er gedroht haben, sie wegen übler Nachrede anzuzeigen, falls diese sein Angebot verraten würden.

Der Angeschuldigte befindet sich seit Juni dieses Jahres in Haft in einer deutschen Untersuchungshaftanstalt. Er war aufgrund eines Europäischen Haftbefehls im März 2014 in Mailand von der italienischen Polizei festgenommen und drei Monate später nach Deutschland ausgeliefert worden.

Gegen die Referendare, die die Lösungen angenommen haben sollen, werde gesondert ermittelt.