Medikamentenrückstände entdeckt Oldenburg: Antibiotika im Grundwasser festgestellt

Ein Landwirt bringt Gülle auf einem Feld aus. So können Medikamentenrückstände in die Umwelt gelangen. Foto: dpaEin Landwirt bringt Gülle auf einem Feld aus. So können Medikamentenrückstände in die Umwelt gelangen. Foto: dpa

Oldenburg. Erstmals hat der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) bei Grundwasser-Untersuchungen Antibiotika nachgewiesen.

Rückstände des Tierarzneimittels Sulfadimidin wurden in Oberflächennähe in zehn Metern Tiefe an drei Messstellen an der Thülsfelder Talsperre gefunden. Die Konzentration des Wirkstoffes liege mit 0,02 bis 0,03 Microgramm pro Liter knapp oberhalb der Bestimmungsgrenze. Bei einer ersten Messung war es an vier Orten zu Auffälligkeiten gekommen, bei drei bestätigte die jetzt vorgenommene Nachuntersuchung den Verdacht.

Für die Verbraucher besteht nach Angaben des zuständigen Bereichsleiter Egon Harms keine Gefahr. „Es ist für das Trinkwasser nicht beunruhigend. Das wird aus viel größeren Tiefen gefördert, und das die Antiobiotika in diese Tiefe vordringen, muss zurzeit noch als sehr unwahrscheinlich gelten.“ Im Januar will der Wasserverband weitere Untersuchungen in seinem Versorgungsgebiet vornehmen.

Im niedersächsischen Umweltministerium zeigt man sich besorgt über den Befund. „Diese Stoffe gehören definitiv nicht ins Grundwasser, auch nicht in Spuren“, so Umweltminister Stefan Wenzel. Er kritisierte den Antibiotika-Einsatz in der Tierzucht als insgesamt zu hoch.

Antibiotika wie Sulfadimidin werden insbesondere in der Intensiv-Tierhaltung eingesetzt und gelangen als Dünger oder Stallmist in die Umwelt. Laut Dr. Hans-Joachim Götz, Präsident des Bundesverbands praktizierender Tierärzte (bpt), geht von dem Medikament keine Bedrohung für den Menschen aus: „Sulfadimidin ist ein altes Antiobiotika, das in der Humanmedizin keine Anwendung findet“. Sorgen bezüglich der Bildung von Resistenzen beim Menschen seien unbegründet.

Der Kreislandvolkverband Cloppenburg kritisierte die Untersuchungen der OOWV als unwissenschaftlich und wies auch die Kritik von Wenzel als unbegründet zurück. Die Feststellungen des Wasserverbandes seien unfachlich und unzureichend, heißt es in einer Pressemitteilung des Landvolks. Sulfadimidin käme auch beim Menschen zum Einsatz.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte bestätigte auf Nachfrage allerdings, dass das Mittel seit Anfang der 1990er Jahre in der Humanmedizin nicht mehr zugelassen ist.


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