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Wenzel besichtigt Anlage Brennelementefabrik ANF in Lingen teilweise stillgelegt

Von Dirk Fisser

ANF in Lingen. Foto: ANFANF in Lingen. Foto: ANF

Lingen.Ein guter Tag für die rund 320 Mitarbeiter der Brennelementefabrik ANF in Lingen, ein schlechter für die Atomkraftgegner: Niedersachsen wird die Stilllegung der Anlage trotz Atomausstiegs nicht forcieren, erklärte Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) bei einer Ortsbesichtigung in seiner Funktion als Chef der Atomaufsicht im Land.

Der Grünen-Politiker erteilte damit der Forderung des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umwelt (BBU) eine Absage. Die Anlage in Lingen sei genehmigt. „Das ist ein Recht, das nicht einfach genommen werden kann“, sagte der Minister im Anschluss an die Besichtigung.  Zudem, so Wenzel, sei die Stilllegung der Brennelementefabrik nicht Bestandteil des rot-grünen Koalitionsvertrages in Niedersachsen. Sehr wohl aber halte er die Anlage nach dem deutschen Atomausstieg für verzichtbar.

Wenn 2022 unter anderem mit dem Atomkraftwerk Emsland die letzten Meiler vom Netz gehen, darf die Fabrik in Lingen weiterproduzieren, auch wenn deren Produkte in Deutschland nicht mehr benötigt werden. Gleiches gilt beispielsweise für die Urananreicherungsanlage in Gronau, Nordrhein-Westfalen. Diese Atomanlagen sind explizit vom Atomausstieg in Deutschland ausgeklammert.

Umweltverbände wollen Schließung

Gegner wie die BBU verweisen darauf, dass die Fabriken das gleiche Problem wie Kernkraftwerke haben: Es gibt in Deutschland weder für stark noch für schwach strahlende Abfälle ein Endlager. Allein auf dem Fabrikgelände in Lingen sind daher nach Auskunft des Umweltministeriums mehr als 100 Tonnen kontaminierter Abfall wie beispielsweise Handschuhe zwischengelagert. Sie müssten im Endlager Schacht Konrad entsorgt werden. Wann das aber eröffnet, ist unklar.

Zudem werden die Fabriken älter, was die Wahrscheinlichkeit für altersbedingte Schäden erhöht.  Ein solcher ist nach Meinung von Minister Wenzel der Riss der jetzt in einem Offenrohr innerhalb der Anlage in Lingen festgestellt worden ist. Der Schaden sei der Atomaufsicht Ende Oktober gemeldet worden und habe zur Stilllegung des Teilbereichs geführt, in dem der Grundstoff Uranhexaflorid normalerweise erhitzt wird. Der Ofen werde erst dann wieder in Betrieb genommen, wenn der Schaden an dem Rohr behoben sei, so Wenzel.

ANF nicht von Atomausstieg betroffen

Die Atomkraftgegner sehen sich in ihrer Kritik bestätigt. Wenn der Minister den Schutz der Bevölkerung als wichtig empfinde, müsse er die Anlage schließen, lautete die Forderung in einer Mitteilung.

ANF-Betriebsleiter Andreas Hoff ließ indes nach dem Ministerbesuch wissen, dass die Anlage „seit fast 40 Jahren auf einem sehr hohen Sicherheitsniveau“ produziere. Es habe in all der Zeit keinen Vorfall mit Auswirkungen auf die Umwelt gegeben. Auch der Stresstest der Bundesregierung vor zwei Jahren habe das hohe Niveau der Fabrik bestätigt.

Die nächste Überprüfung aber folgt in Kürze, sagte der Umweltminister: Wie jedes Atomkraftwerk auch, muss sich die Brennelementefabrik der sogenannten periodischen Sicherheitsüberprüfung stellen. Die war im Gegensatz zum Atomausstieg nach dem Unglück von Fukushima auf alle Atomanlagen erweitert worden.