Klage auf Schmerzensgeld Biogasanlage: Arbeiter krebserregenden Stoffen ausgesetzt

Von Dirk Fisser

So ein Warnhinweis fehlte auf den Säcken, die in der Biogas-Anlage zum Einsatz kamen. Foto: dpaSo ein Warnhinweis fehlte auf den Säcken, die in der Biogas-Anlage zum Einsatz kamen. Foto: dpa

Osnabrück. Schutzlos sind zwei Arbeiter mehr als ein Jahr krebserregenden Stoffen auf dem Gelände einer Biogasanlage in der Grafschaft Bentheim ausgesetzt gewesen. Jetzt haben sie den Hersteller der verwendeten Chemikalie auf Schmerzensgeld verklagt. Der hatte keine Warnhinweise auf seine Produkte gedruckt.

Um 55 Prozent sei seine Lungenfunktion gesunken, führte einer der ehemaligen Angestellten der Anlage aus. Auf 20.000 Euro und Übernahme der Folgeschäden hat er das Chemie-Unternehmen aus Troisdorf im Rheinland verklagt.

Wände rot gefärbt

Das verkauft Produkte, die in Biogasanlagen gefüllt werden, um die Produktivität zu erhöhen. Im Fall der Anlage aus der Grafschaft beinhaltete das Produkt Nickelsulfat-Hexahydrat – ein krebserregender Stoff. Nach Aussage der Mitarbeiter mussten sie die Säcke mit dem Stoff aufschneiden und in die Anlage kippen. Dabei sei es zu so einer starken Staubentwicklung gekommen, dass sich die Innenwände des Raumes rot gefärbt hätten.

„Das kann ja nicht so schlimm sein“

Man habe sich gesagt, „da steht ja kein Warnhinweis drauf, das kann nicht so schlimm sein“, so einer der Angestellten, der Atemstörungen, Schlafprobleme und Augenüberdruck auf das Produkt zurückführt. Ohne Mundschutz hätten sie die Chemikalie in die Anlage gegeben.

Keine Warnhinweise für Menschen

Der Richter der Zivilkammer zeigte während der Güteverhandlung ein Bild der Säcke. Bis auf den Hinweis, das Produkt nicht an Tiere zu verfüttern, waren die Verpackungen mit keinerlei rechtlich vorgesehenen Warnungen versehen. Auf Nachfrage, wie das passieren konnte, verwies der Geschäftsführer des Chemieunternehmens auf eine Verpackungsfirma, die das wohl vergessen habe. Mittlerweile seien die Verpackungen geändert.

Einigung gescheitert

Während sich einer beiden Mitarbeiter mit dem Chemieunternehmen auf Zahlung von 4.500 Euro einigte, scheiterte der Vergleich im Fall des zweiten Arbeiters. Neben den 20.000 Euro forderte er von der Firma, teilweise für finanzielle und gesundheitliche Folgeschäden des Einsatzes aufzukommen. „Ich habe Angst vor den Spätfolgen“, so der Grafschafter.

Gericht schaltet Gutachter ein

Die Anwältin des Unternehmens argumentierte, der Beweis sei noch nicht erbracht, dass die gesundheitlichen Schäden mit dem Produkt zusammenhingen. Das wird nun ein Gutachter im Auftrag des Gerichtes klären müssen. Bis zu einer Entscheidung können also noch einige Wochen vergehen.