12-Jähriger gestorben Tödlicher Bahnunfall in Cloppenburg: „Es ist eine Tragödie“

Von Sven Kienscherf


Osnabrück. Ein 12-jähriger Junge ist am Samstag ums Leben gekommen, als er einen Bahnübergang in Cloppenburg überqueren wollte. An derselben Stelle gab es bereits einen tödlichen Unfall. Nach Ansicht von Experten ist der Bahnübergang aber ausreichend gesichert. Ein Kriseninterventionsteam kümmerte sich vier Stunden um Angehörige und Zeugen, die unter Schock standen.

Der Schock in Cloppenburg sitzt tief nach dem Unglück. Wie berichtet, starb der 12-Jährige, am Bahnübergang Sevelter Straße, als er über die Schienen fahren wollte. Das Unglück von Samstag war nicht der erste Unfall mit Todesfolge an dem Übergang. Im Jahr 2012 war dort ein erwachsener Radfahrer verunglückt. Zu den Details des Unfalls vor zwei Jahren machten Bahn und Polizei bisher keine weiteren Angaben.

Am vergangenen Samstag waren die Halbschranken zum Zeitpunkt des Unfalls bereits heruntergelassen. Offenbar war der Junge trotzdem auf die Schienen gefahren. Er war in Begleitung von zwei Geschwistern und einem Freund. Sie kamen von einem Sportplatz und wollten weiter in Richtung Stadtmitte. Erst vor vier Monaten war die Familie des Jungen in den Landkreis Cloppenburg gezogen.

Heinz Dierker ist Leiter eines Kriseninterventionsteams des DRK und unmittelbar nach dem Unglück am Unfallort. Das Team kümmert sich um Zeugen und Ersthelfer, die nach Unfällen unter Schock stehen.

„Wir reden nichts schön“

Vier Stunden war das Team am Samstag im Einsatz. „Zunächst waren wir zu dritt, ich habe dann im Verlauf des Tages noch drei weitere Mitglieder angefordert, unter anderen einen Psychotraumatologen“, sagt Dierker im Gespräch mit unserer Redaktion. Insgesamt haben sie zehn Menschen betreut, die Geschwister des Jungen, die Eltern, den Freund, die Ersthelfer.

„Bei unseren Einsätzen versuchen wir, die Menschen zu stabilisieren und sie aufzufangen“, sagt Dierker. Das Einsatzteam hat hierfür ein Fahrzeug mit getönten Scheiben. „Damit wir den Menschen vor Gaffern einen geschützten Rahmen bieten können.“ Die Experten versuchen, den Menschen möglichst schonend das Geschehene zu vermittel. „Wir sagen aber immer die Wahrheit, wir reden nichts schön und machen keine Hoffnung, wo keine Hoffnung ist.“

Psychologische Hilfe für den Lokführer

Psychologische Hilfe bekommt auch der Fahrzeugführer Nordwestbahn (NWB), der die Lok steuerte, die den Jungen erfasst hat. „Nach einem schweren Unfall wird der Fahrer abgelöst und zunächst freigestellt“, sagt NWB-Pressesprecher Maik Seete. Zusammen mit einem Betriebspsychologen und einem Arzt werde entschieden, wann der Fahrer seinen Dienst wieder aufnimmt. „Bei dem Unglück handelt es sich um eine Tragödie“, sagt Seete. Der Bahnübergang sei der Nordwestbahn bisher jedoch nicht als Unfallpunkt aufgefallen. „Der Bahnübergang ist vergleichsweise sicher.“

Auch nach Ansicht des Fahrgastverbands Pro Bahn ist der mit einer Halbschranke versehene Übergang sicher. Bevor sich die Schranke senkt, warnen Signallichter davor, dass sich ein Zug nähert. Sicherer sind nach Angaben von Martin Sturm vom Regionalverband Pro Bahn Südwest-Niedersachsen nur Brücken oder Unterführungen, um eine Bahnstrecke zu queren. „Aber das kostet mindestens einen siebenstelligen Betrag.“

Die Deutsche Bahn ließ die Frage unbeantwortet, ob weitere Sicherungen des Übergangs notwendig sind. Das Unternehmen ist Betreiber der Strecke und für die Sicherheit verantwortlich. Die Bahn verwies in einer schriftlichen Mitteilung auf die laufenden Ermittlungen und auf die bereits vorhandenen Sicherungen des Bahnübergangs: „Der Bahnübergang ist mit Lichtzeichen sowie Halbschranken gesichert. Darüber hinaus gibt es Andreaskreuze und Barken.“ Weiter heißt es: „Jeder Unfall an einem Bahnübergang wird von uns sehr ernst genommen. Umso bedauerlich ist es wenn junge Menschen zu Tode kommen.“