Geheimnisvolle Orte im Nordwesten Bad Bentheim: Witte Jüffer, Arche Noah und 20 Söhne


Bad Bentheim. Wer aufmerksam die Grafschaft Bentheim erkundet, entdeckt so manchen sagenumwobenen Ort – oder trifft gar auf verlorene Seelen. Zum Beispiel in der Bentheimer Burg.

Nacht für Nacht wandelt sie durch alle Räume der Bentheimer Burg: die Witte Jüffer. Schwere Sünden, die die einstige Gräfin zu Lebzeiten begangen hat, scheinen der Grund für ihr ruheloses Umhergeistern zu sein. Sie trägt ein weißes Gewand, eine Haube schmückt ihren Kopf. Am Mantel hängt ein schwerer Schlüsselbund. Dort, wo normalerweise die Augen sitzen, sind zwei schwarze Löcher. Der Sage nach verstarb die auf der Burg wohnende edle Dame – es soll entweder Gräfin Sophie von Bentheim oder Gräfin Emmi aus dem Hause Bentheim-Tecklenburg gewesen sein – auf einer Wallfahrt im Jahre 1176. Ihre Seele fand keine Ruhe und flüchtete zurück zur Burg, wo sie noch heute umhergeistern soll.

Um Mitternacht steigt die bleiche Gestalt, vom Schlossgarten kommend, eine schmale Treppe empor, diese liegt gleich hinter dem Drususfelsen an der Nordmauer der Burg. Die Stufen führen zum „Tor der weißen Frau“, steht im Buch „Stumme Zeugen“ beschrieben. Ruhig und friedlich besucht sie alle Gänge und Räume der Höhenburg, dabei singt sie oft in klagendem, sanftem Geisterton den 38. Bußpsalm. Lässt man sie in Ruhe, tut sie einem nichts. Ist man allerdings frech zu ihr und versperrt den Weg, so erhält der Übeltäter einen Schlag mit dem Schlüsselbund.

Bei einer Begegnung sollte man der Witten Jüffer auch nicht ins Gesicht schauen, sonst ist man dem Tod geweiht. Wer kann, sollte sich sofort ein Taschentuch so um die Hand schlingen, dass alle vier Zipfel nach vorn zeigen. Dann ergreift das Gespenst die Zipfel, die hinterher große Brandstellen aufweisen. Dem Besitzer des Tuches geschieht jedoch nichts. Um ein Uhr nachts verschwindet die weiße Dame wieder über die Treppe im Schlossgarten.

Einige Kilometer von der Burg Bentheim entfernt liegt der Isterberg in der Samtgemeinde Schüttorf. Hier soll einst – Achtung! – die Arche Noah gelandet sein. Als Beweis dienen Tier- und Menschenspuren. Der große Felsen, an dem die Arche strandete, bildet die höchste Erhebung des Isterbergs. Der Boden war durch den monatelangen Wasserstand so aufgeweicht, dass sich die Spuren in das Gestein eindrückten. Andere behaupten, der Teufel habe seine Fußabdrücke hinterlassen. Eine wissenschaftliche Erklärung hingegen ist, dass sich dort zu Urzeiten Weichtiere durch den Schlamm gefressen haben. Am besten macht man sich selbst ein Bild von den Abdrücken in den Naturfelsen und entscheidet, welcher Version man Glauben schenken mag.

Auch die Niedergrafschaft im Norden des Landkreises hat Sagenhaftes zu bieten. So gehörte einst Nordbecks Mühle in Hardingen dem Grafen von Bentheim. Der hatte sie der Familie Nordbeck gegen einen jährlichen Pachtzins überlassen. Der Müller hatte 19 Söhne, die so viel aßen, dass der Vater Mühe hatte, die Abgaben an den Grafen zu leisten. Als er ihm von seiner Not erzählte, kam der Graf sogleich, um sich die Kinder anzusehen. Dabei flüsterte er dem Müller ins Ohr, dass ihm bei der Geburt des zwanzigsten Sohnes die Mühle gehören würde.

Und tatsächlich bekam Nordbeck im folgenden Jahr den zwanzigsten Sohn. Stolz meldete er dem Grafen die Geburt. „Der Landesherr lachte lauthals, drückte ihm herzlich die Hand und ließ eine Urkunde ausstellen, die den Müller Nordbeck zum Eigentümer der Mühle in Hardingen machte“, gibt der Lehrer Alois Brei aus Neuenhaus auf seiner Webseite „Grafschaft Bentheim im Unterricht“ die Sage wieder. Dort finden sich noch viele weitere unglaubliche Erzählungen aus der Grafschaft.

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