Geheimnisvolle Orte Namenlose Tote und ein fataler Erbstreit


Meppen/Papenburg. Das Emsland ist eine Region voller geheimnisvoller und magischer Orte. Einige dieser Geschichten sind mehrere Tausend Jahre alt. Andere liegen nur ein paar Generationen zurück. Drei dieser Geschichten erzählen wir hier.

De Todte Man: Zu den wohl schauerlichsten Geschichten des nördlichen Emslandes gehört die Erzählung über den „Todten Man“. Irgendwann im 18. Jahrhundert fand man auf der Gemarkung des heutigen Dorfes Neurhede, unmittelbar an der Grenze zu den Niederlanden, einen toten Mann. Er hatte nichts bei sich, das auf seine Identität hingewiesen hätte. „Vermutlich war es ein illegaler Grenzgänger, der bei dem Versuch, die Grenze zu überwinden, im Moor ums Leben gekommen ist, berichtet der Neurheder Gerd Husmann. Auf dem Gelände seines Elternhauses, der früheren Gastwirtschaft Husmann, wurde der Mann einst aufgefunden. Mit dem Geld, das der Tote bei sich hatte, errichteten die Einwohner dem Unbekannten ein steinernes Kreuz und bestatteten ihn an der Straße zum niederländischen Festungsort Bourtange. Eine Gedenktafel neben dem verwitterten Kreuz erinnert an seine traurige Geschichte.

Die Mansenberge: Im Emsland lebten schon vor Jahrtausenden merkwürdige Gesellen – die einen türmten riesige Felsblöcke zu Hünengräbern, die anderen verwandelten kleine Berge in einen vorzeitlichen Friedhof. Während die Hünengräber recht einfach zu entdecken sind, muss man die Gräberfelder ein wenig suchen. Am bekanntesten sind vermutlich die Mansenberge bei Groß und Klein Berßen in der Nähe von Sögel. 83 Hügelgräber erheben sich in dem acht Hektar großen Naturschutzgebiet in den Himmel, einige nur einen halben, andere drei oder vier Meter hoch. Bentheimer Landschafe erhalten hier die Heide auf historischem Grund: Vor 3500 Jahren begannen die Ur-Emsländer hier damit, ihre für uns namenlosen Toten ehrenvoll zu bestatten.

Der Name Mansenberge stammt deshalb vermutlich vom Wort „Menschenberge“, könnte aber auch vom plattdeutschen Maoneberge herrühren. Letzteres bedeutet „Mondberge“ – der Mond war nach altem Volksglauben Aufenthaltsort der menschlichen Seelen. Deshalb lohnt ein Spaziergang an einem Ort der Leben und Tod auf reizvolle Weise verbindet. Wem das an wahrer Historie nicht reicht, kann sich ja auf die Suche machen nach dem Hünengrab von Surbold, dem König der Friesen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die Kreyenborg: Der Straßenname „Kreyenborg“ und die Bezeichnung eines Bootsanlegers an der Hase bei Haselünne-Lehrte sind alles, was heute noch an eine Burg erinnert, die einmal ein wichtiges Machtzentrum im Emsland war. Wo einst die sagenumwobene Kreyenborg stand, erstrecken sich heute Äcker. Die dramatische Geschichte der Burg und ihrer Besitzerfamilien bot zahlreiche Anknüpfungspunkte für die Fantasie der Menschen. Um 1300 haben hier die Herren von Langen, genannt Kreyenribbe, eine von einem breiten Wassergraben umgebene Burg errichtet. Der dort wohnende Zweig der Familie galt als geschäftstüchtig und streitbar.

Wegen eines Erbstreits wurde die Burg 1475 geteilt, Rolf von Langen erhielt die Osthälfte, sein Bruder Engelbert die Westhälfte der Burg. Mitten über den Burgplatz wurde ein Graben gezogen. Rolfs Familie verarmte im 18. Jahrhundert und verkaufte 1797 ihren Burgteil an den Besitzer der Westkreyenborg. Aber auch diesem Familienzweig erging es nicht besser. Nach 1816 wurde der Besitz nach und nach verkauft, die Herrenhäuser bis 1840 abgebrochen und der Platz eingeebnet.


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