Geheimnisvolle Orte Sgönaunken, Hexen und der Teufel

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Osnabrück. Das Osnabrücker Land kennt viele Sagen und Legenden – und mindestens so viele geheimnisvolle Orte. Oft sind Riesen, Zwerge, Hexen und der Teufel höchstpersönlich mit den teils schaurigen, teils unauffälligen Plätzen verbunden.

Der Hüggel – eine bewaldete Erhebung zwischen Hasbergen und Hagen – bietet gleich auf mehreren Quadratkilometern vieles, was den Gruselfan entzücken könnte: dunklen Wald, tiefe Höhlen und den steil abfallenden Silbersee. Hier lebten dem Volksglauben zufolge einst die Sgönaunken – Zwerge, die in den alten Erzminen des Berges schufteten. Die Gruben nannten die Einheimischen „Wunnerslöcker“ oder „Wullekeslöcker“. Tatsächlich fanden Bergleute im 19. Jahrhundert in den Höhlen immer wieder Scherben von Töpfen und Knochen aus uralter Zeit. Nicht wenige glaubten, dass die unterirdischen Gänge sogar Verbindungen nach Tecklenburg und zum Gertrudenberg in Osnabrück hatten.

Die Sgönaunken sollen den Dorfbewohnern angeboten haben, für sie Geräte wie Pflugeisen und Brandroste zu schmieden, wenn man seine Bestellung auf einen Zettel schrieb und diesen auf einen Tisch vor einer der Höhlen legte. Am nächsten Tag waren die Dinge fertig – und der Preis stand auf dem Zettel. Statt zu bezahlen, soll allerdings der Bauer Hüggelmeier einmal seine Notdurft auf dem Tisch verrichtet haben. Die Rache folgte zugleich: Ein glühendes Pflugeisen verfolgte den zu Tode Erschrockenen bis zu seinem Hof, der ihn zwar schützte, aber den Nachkommen nur noch Unglück brachte.

Von den Sgönaunken kann auch Töpfermeister Bernd Niehenke am Rande des Hüggels ein Liedchen singen. In seiner Werkstatt modelliert er die wilden Gesellen nicht nur aus Ton, der Handwerker und Musiker kennt wohl die meisten Sagen über den geheimnisvollen Berg. Allein der kraterartige Silbersee gab im Laufe der Jahrhunderte und auch der letzten Jahrzehnte immer wieder Anlass zu Spekulationen und Mythenbildung, füllte er sich doch mal mit mehr, mal mit weniger Wasser. Und wie kam ein Panzer hierher nach unten? Erst seit einem halben Jahr können Besucher die Schätze des nun vollkommen trockenen Silbersees erkunden und im unterirdischen Stollensystem über Ablagerungen eines 240 Millionen Jahre alten Urwattenmeeres staunen.

Als reiche dies noch nicht, hält der Berg noch einen ganz anderen Horrorfaktor bereit: die Gedenkstätte Augustaschacht. Sie erinnert am Ort des ehemaligen Arbeitserziehungslagers an die Opfer des Nationalsozialismus. Der Ort wird auch als „KZ der Gestapo“ im Osnabrücker Land bezeichnet. Mehr als 2000 Jugendliche und Männer aus 17 Ländern waren hier zwischen Januar 1944 und April 1945 inhaftiert. Die Gefangenen mussten in den Klöckner-Werken in Georgsmarienhütte schuften sowie Trümmer und Blindgänger in der Region beseitigen. Mindestens 100 Menschen überlebten diese Strapazen nicht. In dem Lager inhaftierte die Gestapo auch sogenannte „jüdisch Versippte“, Gewerkschafter, Sozialdemokraten, Kommunisten und wohl auch Zeugen Jehovas. Zuvor diente der Augustaschacht der Wehrmacht zwischen 1940 und 1943 als Lager für französische Kriegsgefangene.

Von einem Werk des Teufels zu einem ganz anderer Art: Rund 30 Kilometer weiter nördlich im Wiehengebirge steht auf einer Lichtung im Wald bei Vehrte ein mächtiger Menhir, bekannt als Süntelstein. Der Granitfindling ist 3,7 Meter hoch, 2,6 Meter breit und 1,7 Meter dick. Sogar den Gebrüdern Grimm waren der Brocken und die dazugehörige Sage eine Erwähnung in ihren Büchern wert. Und die geht so: Wütend über den Bau der Venner Kirche in seinem heidnischen Herrschaftsgebiet, wollte der Teufel die Kirchentür mit einem Felsblock versperren. Er suchte sich am Gattberg den größten Granit im „Steinernen Meer“ aus, umzog ihn kreuzweise mit einer Kette und zog ihn Richtung Venne. Der tonnenschwere Brocken ließ ihn aber langsam werden. Schließlich ging die Sonne auf, und die Macht des Satans hatte ein Ende. Er schleuderte den Stein vor Wut in die Erde und verschwand. Von dem gewaltigen Stoß bekam der Findling seine auffälligen Risse, und auf einer Seite soll die Hitze des Teufels die Oberfläche geschmolzen haben.

Der Begriff Süntelstein leitet sich Experten zufolge von dem niederdeutschen Wort für Sonne („Sünn“) ab. Der Koloss könnte von Menschen der Jungsteinzeit aus kultischen Gründen aufgerichtet worden sein. Geologen fanden heraus, dass der Menhir vor fast 200000 Jahren als Gletscherablagerung in der mittleren Saaleeiszeit von Skandinavien ins Osnabrücker Land transportiert worden war. Genauso wie die Hekeser Steine, die zusammen die größte Großsteingrabanlage im gesamten Nordwesten bilden. Der Sage nach wohnten hier einst Riesen.

Geheimnisvoll muss ein Ort nicht immer im Wald oder im Moor wirken – auch mitten in der Stadt gibt es mysteriöse Plätze. In Osnabrück zählt der Hexengang dazu, den so mancher auch heute noch nach Mitternacht meidet. Die schmale Gasse zwischen Dom und dem Gymnasium Carolinum ist zwar nur rund 25 Meter lang, aber dafür beklemmend eng, dunkel, zugig und durch einen Knick in der Mitte nicht bis zum Ende einsehbar. An der überwölbten Stelle regt zudem eine immer verschlossene Eisentür die Fantasie der Menschen an. So mancher Schüler denkt bestimmt: Geht es von hier direkt nach Mordor, wo Sauron aus „Der Herr der Ringe“ herrscht?

„Klapperhagen“

Der Name Hexengang stammt wahrscheinlich aus dem 19. Jahrhundert, geht aber auf die Hexenverfolgung im Spätmittelalter in Osnabrück zurück. Frauen, die man für Hexen hielt, wurden in den ebenfalls geheimnisvollen Bucksturm gesperrt, wo sie auf ihren grausamen Prozess warten mussten. Das war meist die Wasserprobe im Fluss Hase: Wer trotz Fesseln oben blieb, galt als Hexe und wurde gefoltert und verbrannt. Der direkte Weg zur Hase führte die Angeklagten mitten durch die Altstadt und eben auch durch jene schmale Gasse.

Die hatte aber noch eine andere Bedeutung: Wer damals an der Pest oder einer anderen ansteckenden Krankheit erkrankt war, musste an den kirchlichen Segnungen teilnehmen, durfte aber die Kirche nicht betreten. Stattdessen umkreisten die Kranken den Dom mit einer Klapper, um die Gesunden auf sich aufmerksam zu machen. Der Gang hieß deswegen ursprünglich auch „Klapperhagen“.


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