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22.10.2014, 17:53 Uhr ASCHE VERSTORBENER IM GARTEN

Ende des Friedhofzwangs in Bremen: Zeitgemäß

Ein Kommentar von Constantin Binder


In Bremen bald keine Pflicht mehr: Urnen. Foto: ImagoIn Bremen bald keine Pflicht mehr: Urnen. Foto: Imago

Osnabrück. Bremen schafft den Friedhofszwang ab: Am Mittwoch hat die Bürgerschaft eine weitgehende Lockerung des Bestattungsrechts beschlossen. Ab Anfang kommenden Jahres darf die Asche Verstorbener auf Privatgrundstücken verstreut werden. Dazu ein Kommentar:

Die Bremische Bürgschaft hat gut und weise entschieden. Pragmatisch und ohne überzogene Moralansprüche hat sie den Friedhofszwang beerdigt, dabei aber die Würde der Verstorbenen gewahrt und einem etwaigen „Asche-Tourismus“ den Riegel vorgeschoben. So sieht ein zeitgemäßer Umgang mit dem Tod aus.

Die Stärke der Bremer Regelung liegt darin, dass sie sich voll und ganz auf den Willen des Verstorbenen beruft. Nur wenn dieser zu Lebzeiten ausdrücklich erklärt hat, dass, wo und wie seine Asche verstreut werden soll, ist eine Verstreuung zulässig. Sogar die Person, die die Zeremonie begleitet, soll vorab festgelegt werden, um sicherzustellen, dass im Sinne des Verstorbenen gehandelt wird. Würdevoller kann der Abschied kaum geregelt werden.

Unter einer Aschewolke wird Bremen ohnehin nicht verschwinden; das Begräbnis wird die Regel bleiben. Und dass die Verstreuung nur Bremern vorbehalten bleibt, zeigt, dass hier kein geschmackloses Geschäft mit dem Tod droht.

Die Liberalisierung des Bestattungsrechts allein unter Verweis auf vertraute Bräuche abzulehnen, greift jedenfalls zu kurz – die Asche Verstorbener zu verstreuen, ist seit Jahrtausenden in vielen Kulturen üblich. Solange sie nicht in Nachbars Gemüsebeet landet, sollten die Bürger auch hierzulande keinen Anstoß daran nehmen – vorausgesetzt, der Verstorbene hat sich seinen Abschied so gewünscht.


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