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Osnabrück und Emsland Wann fliegen die Kraniche über die Region?

Von Corinna Berghahn


Osnabrück. Bald ziehen sie wieder, die Kraniche. Formatiert wie die Zahl 1 und mit Rufen, die an quietschende Trompeten erinnern. Wohin es geht und warum sie so laut sind, steht hier.

Seinen Höhepunkt erreicht der Vogelzug der Kraniche im Oktober und November: Interessierte können sie sowohl beim Flug als auch beim Rasten beobachten. Beispielsweise in der Diepholzer Moorniederung in Niedersachsen, wie dieser Beitrag von NOZ-Leser Hans Märtin zeigten.

Wohin fliegen die Kraniche?

Die Vögel folgen dem Ruf der Sonne – allerdings nicht ins weiter entfernte Afrika, sondern nach Frankreich und Spanien. Daher gehören sie auch zu den sogenannten Kurzstreckenziehern. Als ihr wichtigstes Überwinterungsgebiet gilt die spanische Provinz Extremadura im Westen des Landes.

Warum die Formation als 1?

Was von der Form an die Zahl 1 erinnert, nennen Vogelforscher den Flug in Keilen, Winkeln oder schrägen Reihen. Grund für diese Formation ist die Reduzierung des Luftwiderstands. Zudem wird so der Sicht- und Hörkontakt innerhalb der Gruppe gesichert.

Warum sind sie so laut?

Der an Kindertröten erinnernde Ruf der Kraniche dient der Kommunikation während des Fluges. Er ist gut zu vernehmen und sorgt oftmals dafür, dass die Menschen nach oben blicken, wenn die Vögel über die Städte ziehen. Besonders laut werden die Kraniche in der Nacht oder bei anderen ungünstigen Sichtverhältnissen wie Nebel.

Wann kommen sie wieder?

Die Rückkehr aller Zugvögel hängt immer auch von der Härte des Winters ab: Je milder er ist, desto früher kommen sie wieder. In der Regel fliegen die Kraniche jedoch Ende Februar/Anfang März zurück nach Deutschland. Allerdings verbringen immer mehr den Winter komplett hierzulande. Das liegt zum einen an den milderen Witterungsverhältnissen, als auch an der Ausweitung ihrer Schutzzonen.

Kraniche in der (Pop-)Kultur

Seit 1926 ist der Kranich das Logo der Deutschen Lufthansa; entworfen wurde es 1918 von dem Grafiker Otto Firle. Aber auch andere Fluglinien nutzen den Kranich, unter anderem Japan Air Lines. Zudem heißt ein Album und Lied des deutschen Musikers Bosse „Kraniche“.

Trauriger ist der Hintergrund des Denkmals für das japanische Mädchen Sadako Sasaki, dass sie mit einem Origami-Kranich zeigt: Sie war zum Zeitpunkt des Atombombenabwurfs durch die USA am 6. August 1945 knapp drei Jahre alt. Später wurde bei ihr Leukämie diagnostiziert. Aufgrund einer japanischen Legende - derjenige, der 1000 Origami-Kraniche faltet, bekommt von den Göttern einen Wunsch erfüllt - faltete sie während ihres 14-monatigen Krankenhausaufenthaltes mehr als 1000 Papierkraniche. Ihre Hoffnung auf Heilung erfüllte sich allerdings nicht: Sie starb im Oktober 1955 mit zwölf Jahren.

Die Romanfigur Nils Holgersson absolvierte seine wundersame Reise jedoch auf den Rücken eines anderen Zugvogesl: Der Wildgans. Diese fliegt zwar auf ähnlichen Routen und in ähnlichen Keilformen wie Kraniche, klingt jedoch ganz anders: Statt zu tröten schnattert sie.

Drehscheibe für Vogelflug

Als die größte deutsche Drehscheibe im Vogelzug gilt der Nationalpark Wattenmeer in Schleswig-Holstein. Dort gibt es zahlreiche Beobachtungsplätze für Küstenvögel, die von August bis Oktober nach Süden abreisen. Als die zwei größten Rastplätze der Kraniche gelten die Linumer Teichgebiete nordwestlich von Berlin und Groß Mohrdorf im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft.


Der Kranich ist mit einer Höhe von bis zu 130 Zentimetern der größte einheimische Schreitvogel. Die Flügelspannweite beträgt bis zu 220 Zentimeter. Er lebt in Nieder- und Hochmooren, außerdem in Bruchwäldern und brütet von März bis Mitte Mai.

Als Bodenbrüter baut er große Nester aus Pflanzenmaterial auf Moorbulten oder auch auf Wurzeltellern von geschlagenen Erlen. Wichtig: Das Nest muss von Wasser umgeben sein.

Meistens werden zwei, seltener ein oder drei Eier gelegt, die nach 30 bis 31 Tagen ausgebrütet sind. Die Jungen sind Nestflüchter und bleiben bis zur Flugfähigkeit, das heißt etwa 70 Tage bei den Eltern. Die Jungen fressen zunächst Insekten und kleine Wirbeltiere, später wie die Altvögel auch Feldfrüchte wie Mais und anderes Getreide.

Kraniche gelten als Allesfresser.