Braunschweiger restauriert Holzkarosserien Spezialist für die ganz alten Oldtimer

Von dpa

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Klopft auf Holz: Stellmacher Theo Malchus baut ein Speichenrad in seiner Werkstatt. Foto: dpaKlopft auf Holz: Stellmacher Theo Malchus baut ein Speichenrad in seiner Werkstatt. Foto: dpa

Braunschweig. Oldtimer haben blechumkleidete Holzkarosserien. Müssen sie restauriert werden, landen sie oft bei Stellmacher Theo Malchus. Er ist einer von wenigen Stellmachern, die es in Deutschland noch gibt.

dpa Braunschweig. Die Kundenliste von Stellmacher Theo Malchus in Braunschweig ist beachtlich. Malchus restauriert und rekonstruiert Holzkarosserien von Oldtimern. Er hat schon vielen Fahrzeugen, die meist 75 Jahre und älter sind, ein neues Holzskelett unter dem Blechkleid verpasst. Das reicht vom Edelklassiker Mercedes-Roadster 540k aus dem Jahre 1936 über einen Rennwagen-Transporter von Büssing aus dem Jahre 1934, mit dem einst die legendären Silberpfeile der Auto-Union transportiert wurden.

Malchus arbeitet für Autohersteller, Museen und private Sammler. Er ist einer der wenigen Stellmacher, die es in Deutschland noch gibt. Es ist ein aussterbender Beruf und seit 50 Jahre offiziell kein Handwerksberuf mehr.

Die Stellmacherei hat uralte Wurzeln. „Ein Stellmacher baut Sachen aus Holz, die der Mobilität dienen“, beschreibt Malchus seine Profession. Vor 6000 Jahren wurde der erste zweirädrige Karren gebaut, wenig später gab es sogar schon Wagen mit Speichenrädern. Im 19. Jahrhundert wurde der Stellmacher zum Handwerksberuf, er baute vor allem landwirtschaftliche Fahrzeuge und Kutschen. Mit diesem Know-how war er mit beginnender Industrialisierung auch beim Bau von Zugwaggons und später von Autos gefragt. „Bis 1940 hatten fast alle Autos noch ein formgebendes und tragendes Holzgestell, das mit Blech umkleidet war“, sagt Malchus. Das änderte sich mit zunehmender Fließbandfertigung und mit der Erfindung der selbsttragenden Blechkarosserie Anfang der 50er-Jahre. Heute sind nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) noch 6360 Oldtimer mit den Baujahren 1940 und früher für den Straßenverkehr zugelassen. Außerdem stehen noch viele alte Fahrzeuge in Museen.

Es gibt für Stellmacher also genug zu tun. Malchus ist Autodidakt, er hat sich das Handwerk selbst beigebracht, indem er mit alten Meistern sprach, Fachbücher las und vieles praktisch ausprobierte. Eines seiner ersten Projekte war die Restaurierung des Rennwagen-Transporters für Audi. Als er 1997 mit zwei Kollegen einen Tischler- und Modellbaubetrieb in Braunschweig startete, konzentrierte er sich voll auf die Stellmacherei. Seine Fertigkeiten sprachen sich herum, neue Aufträge kamen herein. Eines seiner Lieblingsprojekte: der Neubau eines Fahrer- und Pritschenhauses für einen Lkw von Büssing aus dem Jahre 1952, von dem es nur noch drei Exemplare gibt. Demnächst soll er einen kleinen „Kolibri“ der ehemaligen Norddeutschen Automobilwerke (NAW) in Hameln aus dem Jahre 1908 reparieren. Der steht im Automuseum Hameln und soll im nächsten Jahr nach Angaben von Museums-Chef Reinhard Burkart auf eine Schau-Tour von Paris nach St. Petersburg fahren.

Malchus hat auch schon Ungewöhnliches gebaut: Einen Sarg in Form eines Corvette-Stingray des amerikanischen Herstellers Chevrolet, den die Witwe eines Oldtimer-Sammlers bestellt hatte.

„Die Arbeit ist oft mühsam, weil es meist keine Konstruktionsunterlagen für die Oldtimer mehr gibt“, erzählt Malchus. Also vermisst er die blechentkleidete und oft schon marode Holzkarosserie sehr penibel, fertigt Schablonen für die benötigten Holzteile an und baut dann das neue Skelett zusammen. Dabei arbeitet er teilweise mit Stellmachermaschinen, die mehr als 100 Jahre alt sind, beispielsweise zum Biegen von Holzteilen. Er nutzt natürlich auch moderne Werkzeuge aus dem Tischlerhandwerk. Außerdem setzt er vor allem Holz von der Esche ein, das haltbarer ist als das früher benutzte Buchenholz.Daneben baut Malches für Volksfeste individuell gestaltete Festwagen, repariert alte Kutschen, baut Holzspeichenräder oder Schiffssteuerräder. Und er hat schon mehrere „Velocipeds“ nachgebaut – das 1817 erfundene Laufrad, das als Vorläufer des Fahrrades gilt.


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