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Caritas unterbricht Tarifgespräche Altenpfleger müssen auf Lohnerhöhung warten

Die Verhandlungen zwischen Dienstgebern und Arbeitnehmern über die Tarife bei der Caritas sind ohne Ergebnis abgebrochen worden. Foto: Jörn Martens.Die Verhandlungen zwischen Dienstgebern und Arbeitnehmern über die Tarife bei der Caritas sind ohne Ergebnis abgebrochen worden. Foto: Jörn Martens.

Osnabrück. Die Beschäftigten bei der Caritas in Niedersachsen und Bremen, darunter viele Altenpfleger, müssen weiter auf bundesweit beschlossene Lohnerhöhungen warten: Die Verhandlungen über die Tarife sind ergebnislos abgebrochen worden. Betroffen sind unter anderem knapp 20000 Beschäftigte im Bistum Osnabrück.

Die Dienstgeberseite bedauerte, dass die Tarifverhandlungen nicht zur Einigung führten. Die Arbeitnehmer übten dagegen heftige Kritik: „Die Positionen der Dienstgeber und der Mitarbeiterseite liegen sehr weit auseinander“, teilte Alfred Sliwinski aus Osnabrück mit. Sliwinski gehörte zu den sechs Vertretern der Arbeitnehmerseite. Aus dem Bistum Osnabrück gehörte dazu auch Wilhelm Berkenheger vom Caritasverband in Meppen. Zu den sechs Vertretern der Arbeitgeber gehörten unter anderem Rudolf Fissmann vom Bischöflichen Generalvikariat Osnabrück und Werner Negwer, Justitiar des Caritasverbandes für die Diözese Osnabrück.

„Schlichtweg bestürzt“

„Die Arbeitgeber haben ein Angebot unterbreitet, von dem wir schlichtweg bestürzt waren“, sagte Sliwinski. „Alle Beschäftigten in den Altenpflegeeinrichtungen sollen von der Lohnentwicklung innerhalb der Caritas abgespalten werden“, teilte der Arbeitnehmervertreter mit. Geplant sei, Lohnsteigerungen aufgrund von Berufsjahren wegfallen zu lassen. Dies würde nach Angaben Sliwinskis zu einer Absenkung von mehr als zehn Prozent der Vergütungen führen. Bisher gibt es in der Altenhilfe je nach Beruf mindestens sechs Gehaltstufen, die regelmäßig eine weitere automatische Steigerung des Einkommens bedeuten.

Deutschlandweit hatten sich die sogenannten Dienstgeber und die Mitarbeiter der zuständigen Bundeskommission des Deutschen Caritasverbandes Ende September auf eine Lohnerhöhung rückwirkend zum 1. Juli geeinigt. Demnach sollten die Beschäftigten drei Prozent mehr Lohn erhalten. In einer zweiten Stufe sollte es eine Lohnerhöhung um 2,4 Prozent ab dem 1. März 2015 geben; falls die erste Vergütungssteigerung geringer als 90 Euro ausfällt, sollte sie zum 1. März 2015 erhöht und darauf dann die zweite Vergütungssteigerung gezahlt werden.

Regionale Abweichung im Norden

Allerdings galt eine Öffnungsklausel: Regional waren Abweichungen von bis zu 20 Prozent und ab März um 15 Prozent möglich. Die Dienstnehmer hatten bereits angekündigt, in Norddeutschland weniger zu zahlen als im Bundesdurchschnitt, um Arbeitsplätze zu sichern. Über diese Frage haben jetzt Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Regionalkommission Nord verhandelt. Das Gremium ist zuständig für Niedersachsen und Bremen. Dies entspricht den katholischen Bistümer Osnabrück und Hildesheim sowie dem Offizialatsbezirk Vechta.

5,4 Prozent in zwei Stufen

So sieht das Angebot der Dienstgeber aus:

- Im Wesentlichen wollen sie sich den Eckpunkten der Einigung auf Caritas-Bundesebene anschließen.

- Demnach wird das Gehalt um 5,4 Prozent in zwei Stufen erhöht.

- Die rückwirkend beschlossene bundesweite Erhöhung zum 1. Juli soll es in Niedersachsen und Bremen erst später geben, und zwar vom 1. Oktober an. Die zweite Erhöhung sollte nicht zum 1. März 2015 kommen, sondern erst zum 1. Juli 2015.

- Außerdem soll die regelmäßige Gehaltsanhebung, die sich an der Zeit der Betriebszugehörigkeit orientiert, entfallen.

Die Dienstgeber schließen sich damit nach eigenen Angaben im Wesentlichen den Eckpunkten der Einigung auf Caritas-Bundesebene an. Zugleich forderten sie die Reduzierung von Gehaltszuwächsen. Die Arbeitgeberseite bei der Caritas begründete dies mit dem enormen Konkurrenzdruck auf die Einrichtungen der stationären Altenhilfe. Sie lehnte die Forderung der Mitarbeiter nach einer generellen Lohnsteigerung um 100 Euro und weiteren 3,5 Prozent nur für 2014 und einer offenen Forderung für 2015 ab. Dies sei „wirtschaftlich nicht vertretbar“, hieß es zur Begründung.

„Das wird den Fachkräftemangel verstärken“

Nach Angaben von Sliwinski wollten die Dienstgeber eine erhebliche zeitliche Verschiebung dieses Bundesbeschlusses erreichen. „Das würde den Personal- und Fachkräftemangel massiv verstärken“, kritisierte der Arbeitnehmervertreter. Die Pläne widersprechen nach seiner Ansicht auch der zunehmenden gesellschaftlichen und politischen Wertschätzung der Pflegeberufe.

Die Dienstgeberseite teilte mit, es sei ihr großes Interesse, die Arbeit in der Altenhilfe angemessen zu bezahlen. Die tariflich vereinbarten Gehälter lägen überwiegend über dem Branchendurchschnitt. Allerdings könnten die Kosten in dieser Lohnstruktur seit Längerem nicht durch die Einnahmen der Pflegeeinrichtungen gedeckt werden. Außerdem herrsche ein großer Konkurrenzdruck: Neben den kirchlichen Pflegeheimen seien derzeit etwa 60 Prozent der Altenpflegeheime in privater Trägerschaft. Der Wettbewerb nehme zu und werde oft über die Personalkosten betrieben. In Altenheimen entfielen hierauf etwa 80 Prozent.

Die Verhandlungen würden am 17. und 18. November in Hannover fortgesetzt. Die Beschlüsse müssen mit einer Dreiviertel-Mehrheit gefasst werden.


In der Regionalkommission Nord der Caritas verhandeln je sechs Vertreter von Dienstgeber- und Mitarbeiterseite (so heißen bei der Caritas Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Das Gremium ist zuständig für die Bistümer Osnabrück, Hildesheim und den Offizialatsbezirk Oldenburg. In diesem Bereich arbeiten nach Caritas-Angaben rund 40000 Mitarbeiter, davon etwa 6000 in der Altenhilfe.

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