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28.09.2014, 13:56 Uhr

Eigentor

Kommentar von Hans Brinkmann

Auslöser von Attacken: Jens Nacke. Foto: dpaAuslöser von Attacken: Jens Nacke. Foto: dpa

Hannover. Aus Protest gegen Attacken auf die Justiz gibt es Parteiaustritte in der Niedersachsen-CDU. Dazu ein Kommentar:

Im Landtag sitzt Jens Nacke in vorderster Front. Doch manchmal gibt es Zweifel, was er denn nun eigentlich darstellt: Premium-Politiker oder „Lümmel von der ersten Bank“.

Als Parlamentarischer Geschäftsführer gehört der bullige Anwalt zu den Akteuren, die für ihre Fraktion die Speerspitze in der Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner bilden. Das schließt ein, verbal auch einmal zuzulangen. Natürlich in Grenzen – aber die reizt der streitbare Christdemokrat mit Inbrunst aus. Davon zeugen diverse Ordnungsrufe.

Doch jetzt hat die „Abteilung Attacke“ der CDU-Fraktion überzogen. Im Rahmen einer Serie von Angriffen, mit der im Kern Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz als vermeintlich schwächstes Glied der Ministerriege getroffen und zu fehlerhaften Reaktionen verleitet werden sollte, nahm Nacke auch den hannoverschen Landgerichtspräsidenten mit einer infam als Frage verkleideten Unterstellung ins Visier.

Den Juristen ohne geringsten Beweis als jemanden anzuprangern, der per Dienstcomputer auf Erotikseiten surft, ist ehrabschneidend. Darüber erregen sich Justiz- und Regierungskreise zu Recht. Dass es nun aber selbst in den eigenen Reihen rumort und namhafte Rechtspolitiker der CDU den Rücken kehren, offenbart, dass Nacke & Co. hier auch ein klassisches Eigentor produziert haben. Sie sollten ihren Kurs schleunigst ändern.