„Weltweit einzigartig“ Post testet auf Juist Drohnen als Paketboten

Von dpa

Die Post testet Paketdrohnen auf Juist. Foto: dpaDie Post testet Paketdrohnen auf Juist. Foto: dpa

Juist. Die Post testet jetzt für mehrere Monate, wie gut sich Drohnen als Paketboten einsetzen lassen. Die Drohnen beliefern die Insel-Apotheke auf Juist mit Medikamenten.

Luftpost der etwas anderen Art gibt es an der Nordseeküste für die „Seehund“-Apotheke auf Juist: Im Liniendienst wird sie per Minidrohne mehrere Monate lang mit Medikamenten beliefert. Die Deutsche Post will den Einsatz unbemannter Fluggeräte im Alltag erproben.

Ende vergangenen Jahres hatte Amazon noch die Nase vorne. Als der weltgrößte Post- und Logistikkonzern Deutsche Post DHL erstmals eine Paketdrohne über den Rhein schickte, stand der deutsche Jungfernflug im Schatten von Amazon. Denn der Gründer und Chef des weltgrößten Onlinehändlers, Jeff Bezos, hatte nur wenige Tage zuvor bereits seine eigene Paket-Drohne aufsteigen und vor einem Haus landen lassen. Weltweite Aufmerksamkeit war ihm gewiss. Diesmal beansprucht DHL eine Weltpremiere beim Wettrennen der Logistikkonzerne um die einsatzbereiten Boten-Drohnen der Zukunft.

„Weltweit einzigartig“ sei das Pilotprojekt, bei dem der Konzern im Linienbetrieb nun mehrere Monate lang die „Seehund“-Apotheke der Nordsee-Insel Juist vom Festland aus mit Medikamenten beliefern will. Der Clou der Luftnummer: Anders als von den Behörden bisher verlangt, fliegt der Roboter-Bote nicht in Sichtweite eines Piloten, der den Flug per Fernsteuerung kontrolliert. Ein Autopilot steuert die Drohne - auch wenn aus Sicherheitsgründen eine mobile Station bei Notfällen die Kontrolle übernehmen könnte. Damit hat DHL eine der bisher größten Hürde überhaupt genommen : die Bedenken der Behörden mit ihren strengen Vorschriften gegenüber der Zukunftstechnik.

Denn technisch - das zeigt das Militär bereits seit Jahren - sind Drohnen heute längst beherrschbar. Kein Wunder, dass Logistikdienste und Internet-Riesen wie Google nun weltweit prüfen, wie sie solche Geräte für ihre Zwecke nutzen können. Amazon kündigte bereits an, Pakete per Drohne ausliefern zu wollen und hatte deswegen Anfang Juli bei der US-Luftfahrtbehörde FAA eine Erlaubnis zum Test von Drohnen an seinen Standorten beantragt. Doch die US-Behörden zögern noch.

Die Post DHL schließt Paketkopter-Belieferung nicht aus, wenn es ökonomisch sinnvoll und technisch machbar ist - etwa in dünn besiedelten oder schwer zugänglichen Regionen. Doch man stehe noch ganz am Anfang, sagt Vorstandsmitglied Jürgen Gerdes - bisher handele es sich lediglich um ein Forschungsprojekt und Zukunftsszenarien.

Da ist Amazon mit seiner Zukunftsperspektive schon weiter: Der Anblick von Paket-Drohnen werde eines Tages so normal sein wie Postlaster auf den Straßen, meint der Versandhändler. Doch nach Expertenmeinung dürfte es bis zur Praxistauglichkeit von wirklich ausgereiften, leistungsstarken Boten-Drohnen noch einige Jahre dauern. Und auch der Gesetzgeber muss sich mit der neuen Technologie und ihren Möglichkeiten beschäftigen, die zunehmend Handwerker, Privatleute, Feuerwehren oder Katastrophenhelfer für ihre Zwecke entdecken.

Immerhin sind nicht nur die rechtlichen Bedenken gegen einen geschäftsmäßigen Drohnenverkehr mit ganzen Scharen surrender kleiner Fluggeräte über Wohngebieten enorm. Neue Regeln und Sicherheitsbestimmungen müssen her für eine mögliche künftige Warenzustellung aus der Luft. Mit den Anfängen des Automobils vergleicht der für die technische Innovation zuständige DHL-Vorstand Gerdes den Stand der Debatte. „Die Anpassung des Regelwerks ist eine evolutionäre Entwicklung“, ist er überzeugt.


Droht durch die Tests auf der wegen ihrer Abgeschiedenheit gerade auch bei Touristen beliebten Insel Juist Lärmbelästigung? Bei einer Entfernung von 50 Metern ist der Paketkopter etwa so laut wie ein sprechender Mensch - dank seines Elektroantriebs produzieren die vier Rotoren laut DHL einen Geräuschpegel von etwa 44 dBa. Zudem wird entsprechend der behördlichen Vorgaben - darunter der Inselgemeinde Juist und der Stadt Norden - eine Flugroute gewählt, die das Überfliegen von Menschen ganz vermeidet. Sie verläuft vom einen Küstenstreifen über das Wasser zum anderen äußersten Küstenstreifen. Somit wird nach Angaben der Betreiber kein bewohntes oder von Menschen belebtes Terrain überflogen und gefilmt. Sind die Sicherheit der Anwohner und der Naturschutz gewährleistet? Der Flug des Boten-Kopters darf nach den Bestimmungen der Luftverkehrsordnung nicht zur Gefahr für die Sicherheit des Luftverkehrs oder für Leib, Leben oder Eigentum anderer Menschen führen. Zudem muss jederzeit ein ausreichender Sicherheitsabstand zu Menschen, Tieren und anderen Hindernissen eingehalten werden. Für die laut DHL auch von der Naturparkbehörde genehmigten Tests besteht zudem Versicherungsschutz. Wie hoch ist die Absturzgefahr? Wie lässt sich der DHL Paketkopter steuern, so dass er punktgenau landet? Ein Autopilot mit automatischer Start- und Landefunktion steuert den Paketkopter. Im Vorfeld wurden umfangreiche Tests in Nordrhein-Westfalen innerhalb der Sichtweite eines Piloten durchgeführt. Die Boten-Drohne gilt als robust und ist mit neuester GPS-Technologie ausgestattet. Zur Sicherheit überwacht eine Bodenstation den Flugbetrieb - sie kann bei Notfällen eingreifen. Gab es bereits erste automatische Flüge nach Juist? In der laufenden Woche fanden erste Test-Flüge nach Juist und zurück vor Beginn des Regelbetriebs statt. Dieser soll laut DHL Ende der Woche starten, wobei der Paketkopter am Festland auf dem Hafengelände in Norddeich abhebt. Der Regelbetrieb ist aber wetterabhängig - starker Wind könnte den Betreibern in letzter Minute einen Strich durch die Rechnung machen.