Fahrpreis soll steigen Mindestlohn: Niedersachsens Taxiunternehmer kündigen Fahrern

Fahrer, die auf Kundschaft warten, verdienen derzeit kein Geld. Ab 2015 bekommen sie pro Stunde gesetzlich garantierte 8,50 Euro pro Stunde. Symbolfoto: ReutersFahrer, die auf Kundschaft warten, verdienen derzeit kein Geld. Ab 2015 bekommen sie pro Stunde gesetzlich garantierte 8,50 Euro pro Stunde. Symbolfoto: Reuters

dpa/yjs Hannover. Wegen der bevorstehenden Einführung des Mindestlohns und der kräftig steigenden Kosten haben Taxiunternehmen in Niedersachsen mit der Kündigung von Fahrern begonnen. Ein Unternehmer aus Hannover hatte bereits vorsorglich all seinen 65 Fahrern gekündigt.

„Es gibt Fälle von Verkleinerungen von Betrieben mit Kündigungen“, sagte Gunther Zimmermann vom Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN). „Welches Ausmaß das annehmen wird, wissen wir noch nicht.“ Allerdings ständen in Niedersachsen in der Taxibranche 5000 bis 7000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Am Arbeitsgericht in Hannover wird am Dienstag der Fall eines Unternehmens verhandelt, das vorsorglich bereits allen seinen 65 Fahrern gekündigt hatte. Auch in Osnabrück rechnen Taxiunternehmer damit, dass es aufgrund des Mindestlohns früher oder später zu Stellenstreichungen kommen werde.

Steigen Fahrpreise um 25 Prozent?

Der durchschnittliche Stundenlohn der rund 15 000 angestellten Fahrer liegt nach GVN-Angaben derzeit bei 5,50 bis 6,50 Euro. Nachdem Tarifverhandlungen für die Taxibranche mit der Gewerkschaft Verdi zur stufenweisen Einführung des Mindestlohns gescheitert waren, steigt der Stundenlohn nun zum Jahreswechsel auf einen Schlag auf 8,50 Euro. Um die Mehrkosten aufzufangen, hat die Taxibranche daraufhin in vielen Städten eine Erhöhung der Fahrpreise um 25 Prozent beantragt. Darüber hinaus forderte der Verband vor einigen Wochen die Einführung eines neuen Preismodells, das neben Grundpreis und zurückgelegtem Kilometer ebenso die Zeitkomponenten berücksichtig. Denn Staus und stockender Verkehr wirken sich negativ auf den Umsatz aus – die Zeitkomponente soll das ausgleichen.

Kapazitäten werden reduziert

„An Fahrpreiserhöhungen führt kein Weg vorbei“, sagte Zimmermann. Gerade dies führe zumindest vorübergehend aber zu Auftragsverlusten. Deshalb wollten Unternehmen vorübergehend ihre Kapazitäten reduzieren, weshalb sie ihre Fahrermannschaft verkleinerten. Kosten ließen sich auch sparen, wenn am Ort nicht jedes Taxiunternehmen rund um die Uhr bereitstehe. Die Sorge dabei sei, dass Unternehmen die nachts die Wagen stehen ließen, auch tagsüber Kundschaft verlieren.

Osnabrücker Taxifahrer fürchten Jobverlust durch Mindestlohn ››


Derzeit werden Taxifahrer in der Regel am Umsatz beteiligt und verdienen in Deutschland in der Regel zwischen 4 und 8 Euro pro Stunde – in Ausnahmefällen sogar nur 2,50 Euro pro Stunde. Steht ein Taxifahrer am Bahnhof und wartet auf Kundschaft, verdienen er und der Unternehmer keinen Cent. Ab 2015 ist das anders: Dann gilt für Taxifahrer der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 pro Stunde – egal, ob sie Kundschaft fahren oder auf selbige warten. Unternehmer bringt das in Bedrängnis, daher wollen sie mit den Kommunen eine Preissteigerung von 25 Prozent durchsetzen. Denn: Taxiunternehmen können Preise wie Grundpreis und Kilometerpreis nicht selbständig festlegen. Der GVN handelt diese Tarife mit den Landkreisen und Kommunen aus. Bisher zahlen Taxikunden einen Grundpreis sowie einen festen Betrag pro zurückgelegten Kilometer. Stockender Verkehr und Staus können daher zu Einbußen für Fahrer und Unternehmen führen. Um diesem Problem entgegenzuwirken, fordert der GVN ein neues Preismodell, das um den Zeitaspekt ergänzt wird. Nach Wunsch des Verbands setzt sich der Preis dann zusammen aus der Grundgebühr, einem Kilometerpreis und weiteren 40 Cent pro Minute. Zur Höhe des Zeitbetrags wollte der GVN keine Angabe machen. Dafür soll parallel der Kilometerpreis sinken. (yjs)