Postbank-Kunden bestohlen Phishing-Prozess: Verteidiger erbost über Staatsanwaltschaft


df/fali Osnabrück. Im Prozess um geplünderte Konten von Postbank-Kunden hat sich am zweiten Verhandlungstag keine Abkürzung des Verfahrens angedeutet. Die Verteidiger der acht Angeklagten zeigten sich teils erbost über den Strafrahmen, der der Staatsanwaltschaft im Falle von Geständnissen vorschwebt.

Zwischen anderthalb bis achteinhalb Jahren hatte der Anklagevertreter für die Männer in Aussicht gestellt, sollten sie sich zu den Vorwürfen einlassen. Die Beschuldigten sollen etwa eine Million Euro durch sogenanntes Phishing von Konten nichts ahnender Kunden geplündert haben.

Einlassungen angekündigt

Ein Verteidiger warf der Staatsanwaltschaft „Wahrnehmungsdefizite“ vor und forderte ebenso wie mehrere der 16 weiteren Anwälte einen geringeren Strafrahmen. Bis auf einen Angeklagten kündigten alle Beschuldigten Einlassung im Laufe des Oktobers an.

Das könnte das Mammutverfahren erheblich verkürzen. Insgesamt hat die 15. Große Strafkammer 46 Termine bis in das Jahr 2015 hinein angesetzt. Ob diese zur Klärung der Schuldfrage allesamt notwendig sind, hängt maßgeblich von den Angeklagten ab. Doch bislang hat noch nicht die Beweisaufnahme begonnen. Auch am zweiten Verhandlungstag stand zunächst die Sitzordnung im Fokus: Aufgrund der acht Angeklagten mit 16 Verteidigern stößt das Landgericht an räumliche Grenzen.

Aufstockung auf 24 Verteidiger abgelehnt

Immerhin hat die Strafkammer am Dienstag eine weitere Aufstockung der Anwältezahl auf 24 abgelehnt. Dies hatte ein Verteidiger gefordert, weil die Staatsanwaltschaft zum Prozessauftakt mit fünf Anklagevertretern aufgelaufen waren. Das Gericht folgte dem aber nicht.

Unterdessen wollte sich die Postbank auf Nachfrage unserer Zeitung nicht weiter zu dem Verfahren in Osnabrück äußern. Die Angeklagten sollen gezielt Konten von Kunden mit einem Guthaben von mehr als 50.000 Euro ausspioniert und dann ausgeplündert haben . Die Bank wollte sich nicht dazu äußern, ob sie ihren Kunden den Schaden ersetzt hat. Laut Staatsanwaltschaft soll es sich zum Teil dabei um die Altersersparnisse der Opfer gehandelt haben.