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Verwaltungsgericht Oldenburg Strandeintritt: Bürger klagen gegen Wangerland

Der Zaun muss weg, der Zaun muss weg! Über hundert Anwohner der Gemeinde Wangerland protestierten bereits im Jahr 2012 gegen Strandgebühren. Nun haben sie gegen die Gemeinde geklagt. Die Entscheidung wird am Dienstag erwartet. Foto: dpaDer Zaun muss weg, der Zaun muss weg! Über hundert Anwohner der Gemeinde Wangerland protestierten bereits im Jahr 2012 gegen Strandgebühren. Nun haben sie gegen die Gemeinde geklagt. Die Entscheidung wird am Dienstag erwartet. Foto: dpa

dt/dpa Osnabrück. Vor dem Verwaltungsgericht in Oldenburg steht am Dienstag eine Klage, die fast philosophische Fragen aufwirft: Ist ein Strand ein Wald? Oder gar ein Hallenbad? – Und darf eine Gemeinde für ein Sonnenbad Eintritt verlangen?

Wer in Hooksiel den Strand betreten will, muss drei Euro zahlen – egal, ob für einen kurzen Spaziergang am Meer oder einen ganzen Tag. Die Initiative „Freie Bürger für freie Strände“ will das nicht länger hinnehmen und klagt vor dem Verwaltungsgericht in Oldenburg gegen die Gemeinde Wangerland wegen der Strandgebühr.

Die Kläger, Einwohner aus benachbarten Gemeinden, sind der Auffassung, dass jeder das Recht darauf habe, die „freie Landschaft zu betreten und sich dort zu erholen“, heißt es in der Ankündigung des Oldenburger Gerichts. Die Initiative beruft sich dabei auf das Bundesnaturschutzgesetz. „Das wäre genauso, als würde man Eintritt für Wälder nehmen“, sagt Janto Just von der Initiative.

Der Beklagte, die Gemeinde Wangerland, hält dagegen: „Mir fehlen in Wäldern Toiletten, Duschen, Hundefreilaufflächen“, meint der Bürgermeister von Wangerland, Harald Hinrichs (parteilos). Um diese Einrichtungen in Schuss zu halten, zahle die Gemeinde jährlich eine halbe Million Euro. „Für mich ist das vergleichbar mit einem Hallenbad, nur dass es am Strand ist“, sagt Hinrichs. Dafür verlangt sie seit Ende der 70er Jahre von den Badegästen Eintritt.

Die drei Euro Eintritt für die Monate von April bis Oktober erhebt die Wangerland Touristik GmbH, deren Alleingesellschafterin die Gemeinde ist. Einwohner der Gemeinde und Inhaber einer Kurkarte müssen nicht zahlen. Das Urteil erwarten auch andere Gemeinden mit Spannung. Da fast alle Badeorte an der niedersächsischen Küste einen ähnlichen Strandeintritt kassieren.

Die Verhandlung beginnt am Dienstag, 23. September, um 10.45 Uhr im Großen Sitzungssaal des Oberlandesgerichts. In einer Mitteilung rief Janto Just von der Initiative alle auf, „die sich seit 40 Jahren und mehr an Zäunen und Strandgebühren an der niedersächsischen Nordseeküste stoßen“, zu dem Gerichtstermin zu kommen. Das Gericht habe den „größten und schönsten Saal“ geordert, schreibt er weiter.