Stift Börstel gegen Klosterkammer Nach Ordensklau: Alt-Äbtissin die Bezüge gestrichen

Von Dirk Fisser


Osnabrück. Hat eine ehemalige und mittlerweile 88 Jahre alte Äbtissin des Stifts Börstel im Landkreis Osnabrück ein Recht auf Altersbezüge in Höhe von 362 Euro? Das Stift sagt Nein, die Klosterkammer in Hannover sagt Ja. Jetzt landet der Streit vor dem Verwaltungsgericht und damit die Frage, wer in Börstel eigentlich das Sagen hat.

Am Dienstag sollen die Richter entscheiden, ob die frühere Äbtissin Johanne von Bodelschwingh ein Anrecht auf das Geld hat. Die Beteiligten wollten sich vor dem Rechtsstreit nicht weiter äußern. Kein Kommentar hieß es auf Nachfrage in Börstel und Hannover. Und so bleibt allein die Terminankündigung des Verwaltungsgerichts, die reichlich kurios anmutet.

Demnach trat Bodelschwingh im Dezember 2004 in den Ruhestand. Fortan bekam sie monatliche Altersbezüge in Höhe von 362 Euro vom freiweltlichen Damenstift überwiesen – bis zum März 2012. Da strich die neue Äbtissin Britta Rook kurzerhand die Zahlung.

Dekret von 1765

Begründung laut Gericht: Der Alt-Äbtissin waren bei einem Wohnungseinbruch zwei Orden gestohlen worden, von dem einer zwar wieder auftauchte, weil der Dieb beim Verkauf aufflog, der zweite aber verschwunden blieb. Das Stift jedenfalls wollte die Zahlung der Altersbezüge erst dann wieder aufnehmen, wenn er beide Orden zurückerhalte, fasst das Gericht die Situation zusammen. Begründet worden sein soll das mit einem Dekret vom englischen König Georg III. aus dem Jahr 1765.

Stift Börstel hat Sonderstellung

Bodelschwingh wandte sich daraufhin an die Klosterkammer in Hannover. Die Verwaltungsbehörde ist dem Wissenschaftsministerium des Landes angegliedert und verwaltet ehemaligen kirchlichen Besitz, aber auch Kirchen und Klöster. Das Stift in Börstel genießt eine Art Sonderstellung: Als freiweltliche Stiftung gilt es als juristisch selbstständige Körperschaft. So steht es auf der Internetseite der Klosterkammer. Die staatliche Aufsicht über das Stift liege aber bei der Sonderbehörde in Hannover.

Und in dieser Funktion ordnete die Kammer an, die Zahlung an die Alt-Äbtissin wieder aufzunehmen und offene Beträge nachzuzahlen. Doch das Stift zeigt sich widerspenstig: Es habe jetzt darauf verwiesen, dass die Satzung der stiftseigenen Stiftung keine Altersbezüge vorsehe, heißt es in der Gerichtsmitteilung. Die Klosterkammer hielt aber dagegen, dass ein Erlass aus dem Wissenschaftsministerium von 1982 diese sehr wohl begründe.

Es geht um mehr

Börstel klagte gegen die Anordnung aus Hannover. Jetzt müssen die Richter am Verwaltungsgericht Osnabrück über die Bezüge entscheiden. Doch eigentlich geht es um viel mehr: Wie selbstständig ist das Stift? Aus dem Umfeld von Börstel ist zu hören, dass Äbtissin Britta Rook schon länger größere Unabhängigkeit von Hannover anstrebt, die Kammer dies aber nicht möchte.

Die Verhandlung beginnt am Dienstag, 23. September, um 12.45 Uhr. Alt-Äbtissin Bodelschwingh nimmt laut Gericht ebenfalls an dem Termin teil.


Das Stift Börstel ist ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster im Landkreis Osnabrück. Es liegt in der Samtgemeinde Fürstenau unmittelbar an der Landesstraße 102 zwischen Berge und Herzlake.Die Geschichte des Stifts reicht zurück bis ins Mittelalter. Nach dem Dreißigjährigen Krieg erfolgte die Umwandlung vom Kloster in ein freiweltliches Damenstift.