Prozess in Oldenburg Mordverdacht: Pfleger häufig bei Wiederbelebungen dabei

Von dpa

Dem wegen dreifachen Mordes angeklagte Krankenpfleger wird vorgeworfen in fünf Fällen Patienten im Klinikum Delmenhorst Medikamente verabreicht zu haben, die in drei Fällen zum Tode führten. Foto: Carmen Jaspersen/dpaDem wegen dreifachen Mordes angeklagte Krankenpfleger wird vorgeworfen in fünf Fällen Patienten im Klinikum Delmenhorst Medikamente verabreicht zu haben, die in drei Fällen zum Tode führten. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Oldenburg. Ein Krankenpfleger soll Patienten auf der Intensivstation ein bestimmtes Medikament gegeben und sie so getötet haben. Hat er Dienst, kommt es auffallend oft zu Notfällen. Ehemalige Kollegen beschreiben den Mann als angenehmen Menschen.

Ein wegen Mordes an Patienten angeklagter ehemaliger Krankenpfleger aus Delmenhorst soll laut Zeugenaussagen auffallend oft bei Notfällen auf der Intensivstation dabei gewesen sein. Unter dem Pflegepersonal sei bereits geflachst worden, man müsse immer auf eine Wiederbelebung gefasst sein, wenn der Kollege Dienst habe, sagte eine Krankenschwester und frühere Kollegin des 37-Jährigen am Donnerstag dem Landgericht Oldenburg. „Gedanken gemacht haben wir uns nicht, ob was faul ist“, sagte eine andere, 59 Jahre alte Krankenschwester.

Die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten vor, zwischen 2003 und 2005 fünf Patienten auf der Intensivstation des Klinikums Delmenhorst ohne ärztliche Anordnung ein Medikament gespritzt zu haben, das schwere Herz- und Kreislaufprobleme auslösen kann. Laut Anklage handelte er, um seine Fähigkeiten beim Reanimieren zu zeigen. Der 37-Jährige muss sich wegen dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs verantworten.

Der Angeklagte war für eine ähnliche Tat schon 2008 zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Damals war festgestellt worden, dass der Verbrauch des Medikaments und die Todesrate am Klinikum im Tatzeitraum gestiegen waren. Nach der Berichterstattung zu dem Fall schöpfte eine Frau Verdacht, deren Mutter in der Klinik gestorben war. Sie brachte das neue Verfahren ins Rollen.

Ehemalige Kollegen berichteten am zweiten Prozesstag auch von auffälligen Wiederbelebungen, die nicht in der Anklageschrift stehen. Die 59-Jährige sagte, sie erinnere sich an einen Patienten, dessen Zustand sich plötzlich dramatisch verschlechtert habe. „Eine Stunde später war der Patient tot“, sagte sie vor Gericht. Er habe später nicht exhumiert und obduziert werden können, weil er feuerbestattet worden sei.

Der 37-Jährige wurde als freundlicher Mensch beschrieben. „Ich habe ihn gemocht“, sagte eine Krankenschwester. Auch ein Arzt sagte, der Umgang mit ihm sei angenehm gewesen. Zudem sei er fachlich kompetent gewesen. Bei Reanimationen habe der Pfleger perfekt gearbeitet. „Das lief wie geschmiert“, sagte der Mediziner.

Die beiden Schwestern bemerkten allerdings bei dem Angeklagten nach seiner Heirat und der Geburt seines Kindes eine Wesensveränderung. „Ich hatte das Gefühl, dass ihm die Arbeit keinen Spaß mehr macht“, sagte die 59-Jährige. Den pflegerischen Teil seiner Arbeit habe er vernachlässigt. Patienten seien schlecht oder gar nicht von ihm gelagert worden. Der Prozess wird am 25. September fortgesetzt.