Vorsicht, sie liegen auf der Lauer Ein Erfahrungsbericht zum Blitzmarathon

Von Alfons Batke

Schneller als man denkt zieht die Polizei Raser aus dem Verkehr. Foto: dpaSchneller als man denkt zieht die Polizei Raser aus dem Verkehr. Foto: dpa

Osnabrück. Es ist wieder so weit. Blitzmarathon. Denken Sie daran, wenn Sie zur Arbeit fahren. Fahren Sie vorsichtig, wir haben Sie gewarnt. Ich bin ein gebranntes Kind, ich werde an diesem Tag so defensiv fahren wie nie zuvor.

Rückblende 8. April 2014: Osterferien. Meine Töchter (15, 13) und ich wollen eine Shopping-Tour in Angriff nehmen unter Einbeziehung regionaler Erkundungen. Wir fahren zum Dümmer See, anschließend orientieren wir uns östlich ins Stemmer Moor. Die Mädels streiten um den richtigen Radiokanal, obwohl ich so große Unterschiede zwischen ffn und Antenne nicht erkennen kann. Und auch ein Thema verbindet beide Sender: der Blitzmarathon.

Ich erzähle den jungen Damen von etlichen negativen Erlebnissen, die mir während meiner Autofahrerkarriere mit Starenkästen und anderen Messstationen widerfahren sind. Wie gesagt: Wir rauschen durch das Stemmer Moor, die Landstraße zieht sich bei nicht nennenswertem Verkehr so geradeaus wie im australischen Outback.

Plötzlich auf einen Hof gewunken

Mit der guten Laune ist es schnell vorbei, zwischen einem Song von James Blunt und Revolverheld wird unser Auto plötzlich auf einen einsamen Hof gewunken. Eine junge Polizistin, gar nicht einmal unfreundlich, will meine Papiere und konfrontiert mich schnell mit den Fakten: 26 km/h zu schnell, das würde 76 Euro kosten und mir drei Flensburg-Punkte einbringen. Entsprechende Post würde ich zeitnah bekommen. Meine Töchter grinsen. Warum grinsen die nur?

Nun, die Post kam zügig, von der Behörde aus Diepholz. Die teilte mir in dem Scheiben ziemlich schroff mit, ich hätte wegen des 26 km/h betragenden Geschwindigkeitsüberschusses 80 Euro zu entrichten, bestätigte den Punktgewinn in der zentralen Datei und kündigte überdies an, man wolle mich für einen Monat mit meinem Auto nicht mehr auf deutschen Straßen sehen. Kleiner Bonus: Den Zeitpunkt dafür könne ich in 2014 quasi selbst bestimmen.

Ich bin ansonsten ein Mann des Friedens, lasse mir aber nicht alles gefallen. Ein Fahrverbot für ein Geschwindigkeitsdelikt, das nach meiner Ansicht moderate Ausmaße hat, zumal auf einer Straße, für die das Wort Verkehr erst noch hätte erfunden werden müssen, erzürnte mich. In meinen Augen war es ein leichtes Foulspiel, die vierwöchige Sperre völlig überzogen. Genau das teilte ich der Justiz mit. Die nun wieder hatte das Landgericht Verden eingesetzt, um sich dieses brisanten Falles anzunehmen. Von dort ging der unmissverständliche Erlass an mich, am 30. Juli zu einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Diepholz präsent zu sein. Es war mein erster Urlaubstag.

Nicht vom Röbchen ablenken lassen

Das örtliche Gericht hat ohne Frage seine Reize; es ist im Schloss untergebracht, und wenn man sich schon verknacken lässt, dann am besten in diesem Ambiente, schoss es mir durch den Kopf, als ich das ehrwürdige Gebäude betrat. Ich musste nur kurz warten, ehe mein Fall aufgerufen wurde. Die Dame, die sich in einem bunten Sommerkleid ins Verhandlungszimmer begeben hatte, erwies sich als meine Richterin. Sie hatte nicht die klassische Robe übergeworfen, eher ein Röbchen, was ich irgendwie auch ganz interessant fand, mich aber nicht von meiner Verteidigungsstrategie in dieser Verkehrsangelegenheit ablenken durfte.

Die Lady jedenfalls war aktenmäßig bestens präpariert und erwähnte, dass die ganze Angelegenheit unter Hoheit des Oberlandesgerichts Celle ablaufen würde. Und dieser Institution eile nun einmal der Ruf einer gewissen Unnachgiebigkeit voraus. Ich erklärte, dass ich im Jahr annähernd 40000 Kilometer unterwegs sei und sich die Gesetzesübertretungen in meiner automobilen Vita doch insgesamt in einem vertretbaren Rahmen gehalten hätten. Sie konterte mit einigen Vorfällen, die, sagen wir mal, aus meiner Sicht suboptimal verlaufen waren. Zum Beispiel ein Ampeldelikt aus Pforzheim, wo ich in plötzlich einsetzendem Schneetreiben völlig ortsunkundig kurzfristig die Orientierung verloren hatte und den Verkehr auf einer belebten Kreuzung lahmlegte. Oder die Geschichte, wo ich während einer Dienstreise zum Zweitligaspiel des VfL Osnabrück nach Augsburg gleich zweimal auf abschüssigen Strecken in die Radarfalle getappt war. Ich erwähnte, dass sich der VfL mit diesen sechs Punkten, die mir dafür in Flensburg gutgeschrieben wurden, in der 2. Liga gehalten hätte. Nun, wir bewegten uns nicht auf derselben Humorebene.

Warum nicht mal ein Fahrverbot?

Eigentlich, so die Richterin in Schwarz und Bunt, sollte ich es doch einmal wirklich mit einem Fahrverbot versuchen. Aber wenn ich bereit wäre, 300 Euro Buße zu zahlen, würde sie noch einmal Gnade vor Recht ergehen lassen. Ich entschied mich für Gnade und war schon längst nicht mehr überrascht, als mir die Gesamtrechnung inklusive Verfahrenskosten und sonstiger Auslagen in Höhe von knapp 400 Euro ins Haus flatterte. Wir sollten also einem Tag wie diesen, an dem marathonmäßig geblitzt wird, ernst nehmen. Und sagen Sie nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt.

Für Interessierte noch am Rande: Auch die lokale Behörde, die mein Verkehrsverhalten seit Jahrzehnten überprüft, hat sich des Falles angenommen, alle Vorgänge gecheckt und mir freundlicherweise mitgeteilt, dass sich nach der Flensburg-Reform nun vier Punkte auf meinem Konto angesammelt hätten. Reicht das zum Klassenerhalt? Für dieses nette Schreiben wurden mir 20,53 Euro in Rechnung gestellt. Peanuts.

Hier wird im Emsland geblitzt ››

Hier stehen die Blitzer im Landkreis Osnabrück ››