Mammut-Verfahren am Landgericht Phishing-Prozess: Konten bei Postbank geplündert

Von Dirk Fisser


Osnabrück. Fast eine Million Euro sollen acht Angeklagte mittels Phishing von Postbank-Konten geplündert haben. Seit Mittwoch müssen sie sich deswegen vor dem Landgericht Osnabrück verantworten. Der Auftakt eines Mammutprozesses.

Sind 16 Verteidiger genug, oder müssen es doch 24 Anwälte für die acht Angeklagten sein? Und warum nehmen gleich fünf Staatsanwälte am Verhandlungsauftakt vor dem Landgericht Osnabrück teil? Statt der Bande mutmaßlicher Cyberkrimineller, die reihenweise Postbank-Kunden durch sogenanntes Phishing um ihre Ersparnisse gebracht haben sollen, stand beim Prozessauftakt die Sitzordnung im Mittelpunkt.

Denn die Verteidiger der Angeklagten fühlten sich unterpräsentiert. Ein Anwalt sprach von einem „massiven Auftreten“ der Staatsanwaltschaft. Die war zum Auftakt des Mammutprozesses mit 46 angesetzten Terminen nämlich gleich mit fünf Vertretern anwesend.

Verteidiger fordern „Waffengleichheit“

Die acht Angeklagten wurden unterdessen von je zwei Verteidigern vertreten. Nicht genug, monierte der Anwalt und forderte „Waffengleichheit“ mit den Anklagevertretern und einen weiteren Pflichtverteidiger pro Beschuldigtem.

Die Staatsanwaltschaft sitze der 15. Großen Strafkammer regelrecht auf dem Schoß, merkte Verteidiger Thorsten Diekmeyer angesichts der beengten räumlichen Verhältnisse an. Auch die Staatsanwälte zeigten sich wenig erfreut, sodass sich die Kammer bis zur Fortsetzung der Verhandlung am folgenden Dienstag Gedanken machen will, wie alle Protagonisten besser im Saal angeordnet werden können.

Daten von Hackern organisiert

In den Hintergrund rückten bei dem Hin und Her die angeklagten Taten: Die Männer im Alter zwischen 25 und 51 Jahre sollen über mehrere Monate etwa 950.000 Euro von Postbank-Konten geplündert haben – aber nur von solchen, auf denen mehr als 50.000 Euro deponiert waren und deren Kunden für Online-Überweisungen das sogenannte mTAN-Verfahren nutzten.

Die entsprechenden Daten haben sie dabei laut Anklage von unbekannten Hackern organisiert und anschließend über technische Kniffe die für Überweisungen notwendigen Transaktionsnummern auf ihre Handys umgeleitet.

Mutter als Geldwäscherin?

Mit den Daten soll die Bande dann Geldbeträge auf Postbank-Konten von sogenannten Finanzagenten überwiesen haben. Die hätten sie im Vorfeld angeworben und ihnen eine Provision versprochen. In einem Fall soll es sich um die Mutter eines Angeklagten gehandelt haben, die als Geldwäscherin eingesprungen war. Das gestohlene Geld sollen die Angeklagten dann gestückelt bei regelrechten Rundreisen von Postbank zu Postbank abgehoben haben, um keinen Verdacht zu erregen.

Seit einer groß angelegten Razzia im Dezember 2013 sitzen sechs der acht Angeklagten in Untersuchungshaft. Für einige von ihnen beantragten die Verteidiger, sie auf freien Fuß zu setzen. Die Staatsanwaltschaft hielt dagegen, dass die Männer zum Teil auf Bewährung draußen waren, als sie die Postbank-Konten plünderten.

46 Termine anberaumt

Die Kammer will bis zum kommenden Dienstag entscheiden – auch über die Zahl der Verteidiger. Dienstag wollen die Anwälte ebenfalls erklären, ob sich ihre Mandanten gegebenenfalls zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft äußern und diese einräumen. Davon könnte dann abhängen, ob tatsächlich alle 46 Termine notwendig sind, die bislang bis in den März 2015 hinein anberaumt sind.