Kontakte zu Predigern Osnabrücker Verein „Afrikabrunnen“ in Salafistenszene verwickelt

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In diesem Haus in Osnabrück hat der Verein „Afrikabrunnen“ eigenen Angaben zufolge seinen Sitz. Foto: Jörn MartensIn diesem Haus in Osnabrück hat der Verein „Afrikabrunnen“ eigenen Angaben zufolge seinen Sitz. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Der Osnabrücker Verein „Afrikabrunnen“ ist offenbar in die Salafistenzene in Deutschland verwickelt. Recherchen unserer Zeitung haben ergeben, dass sich der Vorsitzende Rafael Weretycki wiederholt mit bekannten salafistischen Predigern aus Deutschland gezeigt hat, die auch auf Veranstaltungen des Vereins auftraten.

Wie berichtet, unterhält der Verein nach Erkenntnissen des niedersächsischen Innenministeriums Kontakte zu salafistischen Kämpfern. Weretycki selbst war auch am Montag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Auf der Internetseite des Vereins wirbt er für Brunnenbau-Projekte in Afrika und weist darauf hin, dass gesammelte Spenden hundertprozentig dorthin flössen.

Als Sitz des Vereins ist ein Appartment in einem Studentenwohnheim in Osnabrück angeben. Aus dem Umfeld ist zu hören, seit etwa zwei Monaten habe ein „Afrikabrunnen“-Schild neben Weretyckis Namen an Klingel und Briefkasten geklebt. Seit vergangenem Freitag sei es jedoch verschwunden. Weretycki sei ein ruhiger Mieter, viel Besuchsverkehr gebe es nicht, auch wenn dort offenbar ein Verein seinen Sitz habe.

Medienberichten zufolge traten in der Vergangenheit deutschlandweit bekannte salafistische Prediger wie Pierre Vogel oder Sven Lau auf Benefizveranstaltungen zugunsten des „Afrikabrunnens“ auf oder warben zumindest im Vorfeld für die Aktionen. Auch auf verschiedenen Internetportalen hat Weretycki sich wiederholt mit diesen Vertretern der Salafistenszene präsentiert.

Hilfe für Muslime

So wird auf der Website von Pierre Vogel explizit für „Afrikabrunnen“ geworben, weil sich die Hilfsleistungen des Vereins an Not leidende Muslime richteten, die auf diese Weise dem Missionsgeist christlicher Helfer entkommen könnten. Andernfalls „sterben unsere Geschwister als Kuffar (Ungläubige, Anm. d. Red.) und gehen für alle Ewigkeiten in die Hölle“, heißt es in dem Text. In ihn ist ein Video eingebettet, in dem Weretycki unter seinem islamischen Namen Khalil Abu Noah für seinen Verein wirbt – Titel: „Notruf an die Umma (Gemeinschaft der Muslime, Anm. d. Red.)“.

Auf der Internetplattform Youtube lassen sich darüber hinaus Videos finden, in denen sich Weretycki zum Beispiel von Sven Lau über die Arbeit seines Vereins interviewen lässt. Lau war erst kürzlich durch die öffentlichkeitswirksame „Scharia-Polizei“ in Wuppertal aufgefallen und gilt neben Vogel als prominenter islamistischer Prediger bei einschlägigen Veranstaltungen.

Nach Angaben des niedersächsischen Verfassungsschutzes traten Vogel und Lau neben weiteren salafistischen Rednern im September 2013 beim „Brunnenfestival“ in Dortmund auf, einer von „Afrikabrunnen“ organisierten Benefizveranstaltung. Wie der anwesende WDR-Journalist berichtete, ging es jedoch nur am Rande um Spendenaufrufe: Vielmehr sei konkret dafür geworben worden, gewaltsam für den salafistischen Islam einzutreten. Redner hätten den Hass zwischen Christen und Juden auf der einen und Muslimen auf der anderen Seite geschürt und gepredigt, dass „eine entscheidende Schlacht“ zwischen ihnen unmittelbar bevorstehe.

„Eindeutig Salafist“

Für den Osnabrücker Salafismus-Forscher Raul Ceylan ist Weretycki klar der deutschen Salafistenszene zuzordnen. Als Außenstehender sei es jedoch schwierig zu beurteilen, inwiefern Spendengelder seines Vereins für Zwecke eingesetzt würden, die salafistischen Zielen dienten oder gar dschihadistische Kämpfer etwa in Syrien unterstützen würden. Hier zeige sich jedoch ein fundamentales Problem: „Muslime sind religiös zu Spenden verpflichtet“, sagte Ceylan. „Die Gefahr, dass sie unwissentlich womöglich unlauteren Organisationen Geld geben, ist groß“, erklärte der Islamwissenschaftler vom Institut für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück.

Ceylan riet deshalb den niedersächsischen Islamverbänden, gemeinsam mit dem Innenministerium eine Liste mit empfehlenswerten Hilfsorganisationen herauszugeben, denen Muslime ruhigen Gewissens Geld geben könnten. So ließen sich dubiosen Spendensammlern die finanzielle Basis und der Eindruck von Legitimität entziehen.

Gemeinnütziger Verein

Trotz der Vorwürfe des Innenministeriums gegen den Verein „Afrikabrunnen“ ist dieser eigenen Angaben zufolge ein eingetragener gemeinnütziger Verein. Dass er eingetragen ist, bestätigte das Amtsgericht Osnabrück auf Nachfrage. Die Gemeinnützigkeit, die Steuervergünstigungen mit sich bringt, sei über das Finanzamt geregelt.

Mit Verweis auf das Steuergeheimnis lehnte das Finanzamt eine Aussage zum Status des Vereins ab. Ein Mitarbeiter betonte aber, dass die Gemeinnützigkeit grundsätzlich widerrufen werden könne, sollte sich ein Verdacht bestätigen, dass ein Verein nicht nach gemeinnützigen Kriterien arbeite.

In dem Dokument des Innenministeriums zur Salafistenszene in Niedersachsen ist zudem davon die Rede, dass Salafisten über Kuchenverkäufe, sogenannte „Cake Days“, Geld für ihre Zwecke sammeln würden. Dies sei eine neue Aktionsform, hieß es aus dem Ministerium mit Blick auf entsprechende Veranstaltungen in Hannover und Osnabrück. Die Organisatoren des „Cake Days“ in Hannover wiesen eine Verbindung zu salafistischen Gruppen zurück. Mit diesen habe man nichts zu tun, man sei einfach „eine bunt gemischte Gruppe von Menschen, die helfen wollten“. Mit dem Verein „Afrikabrunnen“ arbeite man nicht zusammen.


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