Sonderisolierstation Klinik in Düsseldorf ist vorbereitet auf Ebola

Von dpa

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Düsseldorf. Seit August wird in Hamburg ein Ebola-Patient behandelt. Auch die Düsseldorfer Uniklinik hält sich bereit. Die Sonderisolierstation kann jederzeit «scharf geschaltet» werden. Wie sieht es dort aus? Ein Ortsbesuch.

Mehr als 1000 gelbe Schutzanzüge lagern für den Ebola-Ernstfall im Keller der Düsseldorfer Uniklinik. Die Sonderisolierstation ist Tag und Nacht bereit.

Vier Stunden Vorlauf benötigen die Ärzte und Helfer dennoch. Nicht, um sich auf die Ankunft eines hochinfektiösen Patienten einzustellen. Was im Ernstfall Zeit kostet, ist die Verlegung der «leichteren» Fälle in einen anderen Gebäudeteil.

«Normalerweise behandeln wir hier Patienten, die an HIV, Tuberkulose, Dengue-Fieber oder Malaria leiden», sagt der Koordinator der Sonderisolierstation, Stefan Boxnick. «Falls uns jemand mit Verdacht auf Ebola, Lassa- oder Krim-Kongo-Fieber angekündigt wird, darf in dem Bereich niemand anderes mehr liegen.» Die Station wird «scharf geschaltet», wie man es hier nennt.

Extra-Garagen für Rettungswagen

In Deutschland gibt es neben Düsseldorf noch mehrere weitere Sonderisolierstationen. Kliniken in Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Stuttgart und Leipzig sind auf Patienten mit den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt spezialisiert. Mit Extra-Garagen für den Rettungswagen, Röntgen- und Dialyse-Geräten sowie eigenen Laboren für Blutuntersuchungen. Seit Ende August behandeln Ärzte im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf einen Ebola-Patienten.

«Bei den explosionsartig ansteigenden Zahlen der Neuinfektionen in Westafrika kann es gut sein, dass auch wir jemanden aufnehmen werden», sagt Prof. Dieter Häussinger, Direktor der Düsseldorfer Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie. 50 seiner Mitarbeiter werden für den Ernstfall regelmäßig geschult. Das Leber- und Infektionszentrum wurde 2011 eröffnet. Kosten: Knapp 20 Millionen Euro. Bisher sind die drei Hochinfektionsbetten in dem 2000-Quadratmeter-Bau aber leergeblieben.

Doch wünscht man sich hier tatsächlich, dass jemand kommt? Die Mediziner sind zwiegespalten. «Zwei Herzen schlagen in meiner Brust», gesteht Oberarzt Björn Jensen. «Einerseits sind wir gut vorbereitet und fühlen uns sicher.» Seine Kollegin Irmela Müller-Stöver hat 2001 in Uganda bereits Erfahrungen mit Ebola-Patienten gemacht. Sie formuliert das, worauf die meisten anderen nur theoretisch vorbereitet sind. «Die psychische und physische Belastung für die behandelnden Mediziner ist enorm.»

Drei Stunden im Hochinfektionsbereich

Laut Klinikvorgaben darf in einem gelben Schutzanzug niemand länger als drei Stunden im Hochinfektionsbereich arbeiten. «Eine halbe Stunden braucht man schon, um überhaupt in den Anzug zu kommen, eine halbe, um wieder rauszukommen», sagt Koordinator Boxnick. «Das macht einen Netto-Einsatz von zwei Stunden bei dem Patienten.» Für eine 24-stündige Versorgung ist ein 15-köpfiges Team nötig.

Wer sich von einem Kollegen in die unförmige Ganzkörper-Montur mit angenähten Handschuhen und Haube helfen lässt, muss einiges prüfen. Gibt es Löcher? Sitzt das umgeschnallte Atemgebläse mit Hochleistungs-Aktivkohlefilter richtig, durch das die Luft in den Anzug gelangt? Funktioniert das Head-Set zum Kommunizieren? Überhaupt ist das Behandeln in dem Overall schwierig. Schon allein das Legen eines Venenzugangs - eine schweißtreibende Geduldsprobe. Abhorchen mit dem Stethoskop? Ein Ding der Unmöglichkeit.

Der Weg zum Patienten ist eine Einbahnstraße durch mehrere Schleusenbereiche. Umkehren ist verboten. Die zweite Tür öffnet sich erst, nachdem die erste geschlossen ist. In den Sektionen wird eine unterschiedliche Atmosphäre erzeugt: Je näher man dem Patienten kommt, desto geringer ist der Luftdruck in den Räumen. So entsteht ein Sog. Die Viren können nicht entweichen und sich verteilen. Wahrnehmbar ist das nicht. Dafür riecht es überall streng nach Desinfektionsmittel. Das grelle Neonlicht in dem ganz weiß gehaltenen Gebäude blendet fast schon.

Im Patientenversorgungsbereich sieht es nicht anders aus als in einem normalen Einzelzimmer. Ein höhenverstellbares Klinikbett, in dem man auch als Blinddarm-Patient liegen würde, ein Tisch, zwei Stühle, Telefon, Fernseher. «Auf letzteres wird der Kranke je nach Gesundheitszustand wenig Wert legen», glaubt Jensen.

Vorsichtsmaßnahme gegen Bio-Terroristen

Die mehrfachverglasten Fenster sind allerdings nicht zu öffnen. Vor dem Bereich im Erdgeschoss stehen dicke Betonkuben - als Vorsichtsmaßnahme gegen Ramm-Attacken von Bio-Terroristen mit schweren Fahrzeugen. In einem riesigen Maschinenraum wird die Luft aus den Hochinfektionszimmern gereinigt.

Überhaupt verlässt im Ernstfall nichts den Bereich, ohne sterilisiert oder desinfiziert worden zu sein. «Ob Patienten-Hemden, Bettwäsche, Essbesteck oder medizinisches Material - hier geht nichts raus, ohne bei Hitze sterilisiert worden zu sein», sagt Boxnick. Sogar das Abwasser aus Toilette, Dusche und Waschbecken wird gesammelt und bei 125 Grad Celsius abgekocht. Erst dann geht es in die Kanalisation.

Bleiben die Mediziner. Sie müssen nach jedem Patienten-Kontakt unter die Dusche in der Dekontaminationsschleuse. Da die Fingerfertigkeit in den dicken, grünen Gummihandschuhen stark eingeschränkt ist, gibt es hier eine Glasscheibe mit eingelassenen Handschuhen. Dort können die Kollegen aus dem sicheren Bereich von außen ihre Hände hineinstecken und beim Abbrausen helfen. Ein Sicherheitsanzug kostet nach Klinikangaben rund 100 Euro. Nach dem Einsatz muss er entsorgt werden. Eine Wiederverwendung ist absolut tabu.

«Für mich ist das einer der Gründe, warum sich in Afrika so viele Helfer infizieren», sagt Häussinger. «Es fehlt an Material. Da müssen Anzüge aus der Not heraus mehrfach benutzt werden, ebenso Mundschutz oder Handschuhe.» Der 63-Jährige wirkt dennoch gelassen, wenn er über das brandgefährliche Virus spricht. Für ihn ist es ein Bereich seiner Arbeit. «Wir sind da, um zu helfen. Es darf auf dieser Welt nicht nur Feiglinge geben, die im Ernstfall davonlaufen.»


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