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Bahnverkehr beeinträchtigt Mann nach Explosion in Ritterhuder Fabrik vermisst


dpa/wie/sky Ritterhude. Nach einer schweren Explosion in einer Entsorgungsfabrik in Ritterhude bei Bremen suchen Retter nach einem vermissten Mann. Gegen 23.30 Uhr wurde ein Mann mit schweren Brandverletzungen gefunden und mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen. Ob es sich dabei um den vermissten Mann handelt, ist noch unklar. Durch den Brand wurde eine Oberleitung der Bahnstrecke beschädigt. Reisende müssen mit Beeinträchtigungen rechnen.

Der Mitarbeiter des Unternehmens war laut Polizei am Dienstagabend nach Schichtende zu der Fabrik geeilt, weil das Gebäude einen technischen Alarm ausgelöst hatte. „Wir haben bisher nur sein Auto entdeckt“, sagte Polizeisprecher Markus Neumann am späten Abend. Von dem Mitarbeiter selber fehle jede Spur. Über sein Mobiltelefon sei er nicht mehr zu erreichen gewesen. Die Retter gingen davon aus, dass der Mann noch vor den Detonationen in die Fabrik gegangen sein könnte, um dort nach dem Rechten zu sehen. Zur Ursache des Unglücks in der tagsüber produzierenden Fabrik war zunächst nichts bekannt.

Ein Großaufgebot aus 300 Feuerwehrleuten und THW-Helfern sowie rund 60 Polizisten sicherte am Dienstagabend den Bereich am südlichen Rand des Ortes Ritterhude, der an der Grenze zur Hansestadt Bremen liegt. Der Knall der Explosion war bis über Bremen hinaus zu hören. „Als wir noch überlegt haben, was das war, gingen die ersten Notrufe ein“, berichtet Karl-Heinz Knorr von der Feuerwehr Bremen.

Als gesichert galt laut Polizei zunächst nur, dass es gegen 20.30 Uhr eine große Explosion gegeben hatte, in deren Folge die Fabrik lichterloh in Flammen stand. Die Hitzeentwicklung war derart groß, dass die Feuerwehren zunächst nur mit Abstand über Drehleitern löschten.

Die Flammen hätten bereits die Grundmauern des Gebäudes freigelegt, sagte Polizeisprecher Neumann gegen 23 Uhr. Zu dem Zeitpunkt sei es der Feuerwehr noch nicht möglich gewesen, gezielter nach dem Vermissten zu suchen, dessen Alter zunächst nicht feststand.

Polizeisprecher Neumann berichtete, dass der vermisste Mitarbeiter über einen Pieperalarm gerufen worden sei und dabei auch noch ein zweiter Kollege losfuhr, der jedoch erst später an der Fabrik eingetroffen sei – und dem daher nichts passierte. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei ist ein Firmenarbeiter schwer verletzt vom Gelände geborgen worden. Es sei noch unklar, ob es sich bei dem Verletzten auch um den Vermissten handele, sagte Neumann.

Die Explosion soll sich auf dem Gelände einer Firma ereignet haben, die sich mit der Rückgewinnung und Verbrennung „schwieriger Lösemittelmischungen“ beschäftigt. Nach Augenzeugenberichten stand das Gebäude auf dem Gelände nach dem Knall sofort in Flammen.

Auch an den benachbarten Gebäuden entstanden teilweise schwere Schäden. Nach ersten Schätzungen der Polizei sind 30 bis 40 Häuser betroffen, manche stehen nur 20 Meter vom Unglücksort entfernt. Einige Gebäude sind möglicherweise einsturzgefährdet und wurden deshalb evakuiert. Giftstoffe wurden zunächst nicht in für Menschen gefährlicher Konzentration gemessen, die Polizei hatte zunächst dazu aufgefordert, Türen und Fenster geschlossen zu halten.

Nach etwa vier Stunden hatte die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle. Erst nach Abschluss der Löscharbeiten können die Ermittler nach der Ursache suchen.

Eine Frage beschäftigt die Ritterhuder Bürger an diesem Abend besonders: „Warum darf diese Firma in einem Wohngebiet betrieben werden?“ Die Bürgermeisterin von Ritterhude, Susanne Geils (SPD), wird auch von dem Knall aufgeschreckt. „Mir war sofort klar, dass hier im Ort etwas passiert ist und auch wo“, sagt sie. „Wir haben die Firma immer mit Sorge beguckt.“ Etliche Auflagen habe es gegeben und erst kürzlich eine Begehung mit der Feuerwehr. „Wir haben immer gesagt, diese Firma ist an dieser Stelle völlig fehl am Platz.“

Von den Hausbewohnern erleiden nach Angaben der Bürgermeisterin einige Schnittverletzungen und Schockzustände. Etwa 20 Menschen werden in einer schnell eingerichteten Notunterkunft betreut. Alle Betroffenen kommen letztlich bei Familie, Freunden oder Verwandten unter. „Die Welle der Hilfsbereitschaft ist groß“, sagt Geils.

Die Bahnstrecke zwischen Bremen und Bremerhaven wurde nach dem Unglück zunächst gesperrt; der regionale Bahnverkehr ist beeinträchtigt. Eine Oberleitung zwischen Bremen-Burg und Osterholz-Scharmbeck wurde durch das Unglück beschädigt, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Auf dem Streckenabschnitt können die Regionalzüge vermutlich bis zum Mittwochvormittag nicht fahren. Ein Schienenersatzverkehr sei eingerichtet. Trotzdem müssen Reisende laut Bahn mit Verzögerungen auf der Strecke zwischen Bremen-Hauptbahnhof und Bremerhaven-Lehe rechnen.

Update: Zunächst hatte es in diesem Artikel irrtümlich geheißen, es handele sich bei dem betroffenen Unternehmen um eine Farben- und Lackfabrik. Tatsächlich handelt es sich aber um eine Entsorgungsfirma. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen