Missbrauch bei Werkverträgen Weil beklagt Wildwest-Methoden

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Ein kräftiges Lob sprachen Ministerpräsident Stephan Weil (rechts) und Wirtschaftsminister Olaf Lies den Mitarbeiterinnen der Beratungsstellen aus, die Werkvertragsarbeitnehmern aus Südosteuropa zur Seite stehen. Foto: dpaEin kräftiges Lob sprachen Ministerpräsident Stephan Weil (rechts) und Wirtschaftsminister Olaf Lies den Mitarbeiterinnen der Beratungsstellen aus, die Werkvertragsarbeitnehmern aus Südosteuropa zur Seite stehen. Foto: dpa

Hannover. Der Ministerpräsident wurde deutlich. „Das sind Wildwest-Methoden, die man nicht tolerieren kann“, erregte sich Stephan Weil (SPD) am Montag nach dem Besuch von Beratungsstellen, die sich um das Schicksal drangsalierter Werkvertrags-Arbeitnehmer aus Ost- und Südeuropa kümmern.

Hannover. Der Ministerpräsident wurde deutlich. „Das sind Wildwest-Methoden, die man nicht tolerieren kann“, erregte sich Stephan Weil (SPD) am Montag nach dem Besuch von Beratungsstellen, die sich um das Schicksal drangsalierter Werkvertrags-Arbeitnehmer aus Ost- und Südeuropa kümmern.

Die mit vier Fachleuten besetzten Einrichtungen in Hannover und Oldenburg waren vor rund einem Jahr geschaffen worden, nachdem untragbare Zustände bei der Beschäftigung und Unterbringung von Arbeitnehmern zumeist aus Bulgarien und Rumänien publik geworden waren. Das Problem tangierte insbesondere die Fleisch- und Geflügelwirtschaft im Nordwesten.

Inzwischen haben die Beratungsstellen – die in Oldenburg ist auch per Bus unterwegs – nach eigenen Angaben rund 1000 Beratungen durchgeführt. Die Nachfrage ist anhaltend stark, wie Weil und Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) bei ihrem Besuch dargestellt wurde. Während im Oldenburger Bereich nach wie vor die Fleischbranche Probleme aufwirft, gibt es im Raum Hannover auch Klagen aus Branchen wie Pflege, Logistik, dem Bausektor und Saisonbetrieben.

„Die Lage ist dramatisch“, konstatierte Lies. Er und Weil kündigten an, im Bemühen um Verbesserungen nicht lockerzulassen und auch auf Bundesebene für verschärfte Regelungen zur Eindämmung von Missbrauch zu sorgen. Die Politiker beklagten, dass es hier nach wie vor keine Meldepflichten gebe. Hier müsse man über gesetzliche Maßnahmen ebenso nachdenken wie bei der Verknüpfung von Arbeit und Unterkunft, die enorme Abhängigkeiten schaffe.

Untragbar sei auch, dass Arbeitgeber Probezeiten und Befristungen konsequent ausnutzten. Es gebe sogar Fälle, wo Arbeitsverträge in Deutsch und Bulgarisch formuliert würden – mit unterschiedlichen, vom Arbeitnehmer wegen Sprachschwierigkeiten nicht zu erkennenden Inhalten.

Spürbare Verbesserungen erhoffen sich Weil und Lies vom gesetzlichen Mindestlohn ab Januar 2015.


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