Neues Messverfahren Raser ausbremsen: Niedersachsen testet Strecken-Radar

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Für neue Kontrollen: Minister Boris Pistorius. Foto: dpaFür neue Kontrollen: Minister Boris Pistorius. Foto: dpa

Hannover. Niedersachsen will gegen Raser nicht mehr nur mit Radarfallen und „Starenkästen“ vorgehen, sondern als erstes Bundesland auch Abschnittskontrollen wie in Österreich und den Niederlanden einführen.

Niedersachsen will gegen Raser nicht mehr nur mit Radarfallen und „Starenkästen“ vorgehen, sondern als erstes Bundesland auch Abschnittskontrollen wie in Österreich und den Niederlanden einführen.

Das gab Innenminister Boris Pistorius (SPD) am Montag in Hannover bekannt. Laut Pistorius soll es zunächst ein 18-monatiges Pilotprojekt geben; nach erfolgreicher Durchführung könnten dann Langstreckenmessungen der Geschwindigkeit auf weitere Gefahrenstellen wie Unfallschwerpunkte auf Landstraßen oder auf problematische Baustellen auf Autobahnen ausgedehnt werden.

Bei einer solchen Abschnittskontrolle („Section Control“) könnte zum Beispiel ein acht Kilometer langes Teilstück einer Landstraße ins Visier genommen werden, das trotz einer Geschwindigkeitsbeschränkung auf 70 km/h einen Unfallschwerpunkt darstellt.

Bundesweiter Blitzmarathon 2014 am 18. September

Alle Fahrzeuge sollen demnach bei der Einfahrt in diesen Sektor und bei der Ausfahrt von jeweils einer Kamera erfasst werden. Aufgrund einer automatischen Weg-Zeit-Berechnung erfolgt die umgehende Ermittlung der durchschnittlichen Geschwindigkeit; bei einer Überschreitung wird mit einer dritten Kamera die Person am Steuer des Wagens festgehalten und ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.

Großen Wert legte Pistorius auf die Feststellung, dass dieses Pilotverfahren im Detail mit dem Landesdatenschutzbeauftragten abgestimmt worden sei. „Der Datenschutz ist voll gewährleistet“, betonte der Minister.

Trotz Blitzmarathon: Viele Raser in Osnabrück und Emsland

Gesorgt werden konnte dafür nach Aussage des SPD-Politikers dank einer technischen Neuerung. So sei gesichert, dass Kennzeichen und Frontfoto nur von den Verkehrsteilnehmern erfasst würden, die gegen die Geschwindigkeitsbegrenzung verstießen. Bei allen anderen Wagen gebe es zunächst nur eine verpixelte Aufnahme des Kennzeichens mit sofortiger Löschung, sobald der Kontrollabschnitt ohne Beanstandungen durchquert wurde.

Laut Pistorius, nach dessen Worten der überwachte Streckenteil mit gut sichtbarem Hinweisschild gekennzeichnet werden soll, hat die Abschnittskontrolle diverse Vorteile. So werde die Geschwindigkeit nicht nur an einem bestimmten Punkt, sondern über eine längere Strecke erfasst. Angehalten werde damit zu einem defensiveren Fahrverhalten insgesamt; Raser könnten nicht gleich hinter einem Blitzer wieder Gas geben und für neue Gefahren sorgen.

Der Minister kündigte zugleich die Teilnahme des Landes an einem erneuten Blitzermarathon vom 18. bis 19. September an. 750 Polizisten würden dann an 474 Orten im Einsatz sein und Tempolimits kontrollieren.

„Überhöhte Geschwindigkeit ist nach wie vor Killer Nr. 1 auf den Straßen“, sagte Pistorius. Im ersten Halbjahr habe es in Niedersachsen bereits 201 Verkehrstote gegeben – 38 mehr als im gleichen Zeitraum 2013.


Der Strecken-Radar, den Niedersachsen zunächst in einem Modellprojekt testen möchte, unterscheidet sich von der in Nachbarländern wie Österreich, Italien oder Holland eingesetzten Technik. Während das schlichte Abfotografieren der Autos bei Einfahren und Verlassen des kontrollierten Abschnitts dort für den Datenschutz kein Problem darstellt, muss in Deutschland ein Schritt zwischengeschaltet werden.

Das bei der Einfahrt erstellte Foto wird zunächst verschlüsselt, ebenso wie das zweite Foto beim Verlassen des Abschnitts. Nur wenn der Abgleich beider verschlüsselter Bilder eine Tempoüberschreitung ergibt, wird ein weiteres, klassisches Blitzer-Foto mit dem Gesicht des Fahrers angefertigt. Zur Beweissicherung wird nun auch auf das zwischengespeicherte Originalfoto von der Einfahrt zurückgegriffen.

Hält ein Fahrer sich an das Tempolimit, werden die erfassten Fotos sofort gelöscht, ohne dass es zwischenzeitlich eine Zugriffsmöglichkeit auf die Daten gibt. Schilder sollen deutlich auf den Strecken-Radar hinweisen.

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