Blutige Halbjahresbilanz Der Wolf und seine Opfer: 65 Nutztiere verletzt oder tot

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Osnabrück. Wölfe haben im ersten Halbjahr 2014 in Niedersachsen 65 Stück Damwild und Schafe getötet oder verletzt. Das geht aus den Quartalsberichten der Landesjägerschaft Niedersachsen zum sogenannten Wolfsmonitoring hervor. Waren die Wildtiere aber auch verantwortlich für den Tod zweier 9 Monate alten Kälber im Landkreis Cuxhaven?

Dort waren am Montagmorgen die Kadaver der je 250 Kilogramm schweren Jungtiere entdeckt worden. Der Landwirt spekulierte im NDR darüber, dass Wölfe die Kälber gerissen hätten. Der Wolfsexperte des Landkreises nahm vor Ort DNA-Proben.

Sollte sich der Verdacht bestätigen, wäre das laut Umweltministerium ein bislang einmaliger Vorgang in Niedersachsen. Seit der Rückkehr der Wölfe waren stets kleinere Nutztiere Opfer der Predatoren. Experten betonen aber, dass Wölfe durchaus auch Pferde oder Kühe attackieren. Parallel zu dem Vorfall in Cuxhaven läuft derzeit noch die Untersuchung eines Kalbsrisses in Ottermoor, Landkreis Harburg. In einem anderen Fall zweier toter Kälber im Landkreis Rotenburg unterdessen ist der Wolf entlastet: Die Tiere kamen tot zur Welt und wurden nicht, wie zunächst vermutet, gerissen, sondern erst post mortem angefressen.

68 Risse in 2013

Dass der Fleischfresser immer mal wieder in den Verdacht gerät, ist in den vergangenen Jahren nichts Ungewöhnliches gewesen: Aus den Quartalsberichten der Landesjägerschaft geht hervor, dass der Wolf im ersten Halbjahr bei 75 verletzten oder toten Tieren wie Schafen oder Damwild als Verursacher galt. Doch nur bei den genannten 65 Opfern konnte der Wolf etwa per DNA-Analyse als Täter überführt werden. Bei anderen Ereignissen waren demnach Hunde die Verursacher oder die Schuldfrage konnte nicht einwandfrei geklärt werden. 2012 waren Wölfe übrigens für 29 tote Nutztiere verantwortlich, im vergangenen Jahr für 68.

Auf der Seite www.wildtiermanagment.com veröffentlicht die Landesjägerschaft aktuelle Zwischenfälle in einer Liste. Der ist auch zu entnehmen, dass bei einem Großteil der Wolfsattacken die Schutzzäune defekt waren und das Jagdtier somit leichtes Spiel hatte.

Land bezahlt Schaden

Wird der Wolf als Täter überführt, begleicht das Land Niedersachsen den Tierhaltern den entstandenen Schaden. Insgesamt acht Anträge auf Entschädigung seien dieses Jahr eingegangen, heißt es beim Umweltministerium. Insgesamt seien für die Jahre 2013 und 2014 11.000 Euro ausgeschüttert worden. Vorgesehen im Haushalt sind für dieses Jahr 50.000 Euro.

Gezahlt werde auch dann, wenn der Wolf nicht zweifelsfrei als Verursacher identifiziert werden konnte, betont das Ministerium. Zudem will das Land künftig spezielle Schutzmaßnahmen gegen den Fleischfresser fördern. Es werde derzeit an einer Richtlinie gearbeitet, die eine Subvention von Zäunen oder speziellen Hütehunden in Wolfgebieten ermögliche, so eine Ministeriumssprecherin.

Drei Rudel in Niedersachsen

Gesicherte Wolfsvorkommen in Form von Rudeln gibt es laut Landesjägerschaft derzeit im Osten von Niedersachsen. Auf den Truppenübungsplätzen Munster und Bergen, im Wendland und einem Schießplatz in der Lüneburger Heide sind Rudel ansässig. Wolfspaare – und die damit verbundene Hoffnung auf Nachwuchs, sind in den Landkreisen Celle und Cuxhaven nachgewiesen.

Im Westen Niedersachsens sind Wölfe hingegen nach wie vor eine seltene Erscheinung. Im März 2013 und 2014 etwa im Landkreis Emsland und im April 2014 in der Grafschaft Bentheim konnten Tiere gesichtet werden. Laut Landesjägerschaft ist derzeit aber noch unklar, ob es sich dabei nicht um den gleichen Wolf gehandelt hat. „Die Wahrscheinlichkeit ist aber groß, dass es sich um unterschiedliche Tiere gehandelt hat“, sagt Wolfsexpertin Britta Habbe.

19 Welpen in Niedersachsen

Sie geht davon aus, dass sich auch im Westen von Niedersachsen bald das erste Rudel niederlässt. „Die Voraussetzungen sind optimal“, sagt sie etwa mit Blick auf den Schießplatz bei Meppen. Ein weiterer Grund: Rund 100 Welpen hat es laut Habbe im vergangenen Jahr in Deutschland gegeben. Ab zwölf Monaten verlassen die Jungtiere ihr Rudel und suchen sich in der Ferne ein eigenes Revier – möglicherweise im Raum Weser-Ems. Dieses Jahr hat Wolfsexpertin Habbe übrigens schon 19 Welpen in Niedersachsen gezählt.

Höchste Zeit also auch in Nordrhein-Westfalen sich auf die Rückkehr des Wolfes einzustellen. Vereinzelt waren die Tiere hier schon durch Ost- und Südwestfalen und die Eifel gestreift. Aus dem NRW-Umweltministerium hieß es kürzlich: „Wenn er zu uns kommt, darf er auch bleiben.“ Bislang aber gilt der Wolf in dem Bundesland noch als ausgestorben.


Fragen und Antworten zum Wolf

Ist der Wolf für Menschen gefährlich?

Experten verneinen das. Der Wolf ist ein scheues Tier, der den Menschen meidet. Wer dennoch beim Anblick des Raubtieres Angst bekommt, sollte klatschen. Das soll reichen, um den Wolf zu vertreiben.

Und was ist mit meinem Hund?

Wer in einer Wolfsregion lebt, sollte seinen Vierbeiner beim Spazierengehen besser an der Leine halten. Der Wolf könnte seinen nahen Verwandten Hund als Eindringling in sein Revier empfinden und vertreiben wollen.

Apropos Revier ...

...das ist 150 bis 300 Quadratkilometer groß. Eine riesige Fläche also, dementsprechend unwahrscheinlich ist es, auf einen Wolf zu treffen. Ein Rudel besteht in der Regel aus acht bis zehn Tieren.

Wen informiere ich, wenn ich einen Wolf entdeckt habe?

Am besten direkt Britta Habbe. Die Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft Niedersachsen fasst die Sichtungen zusammen und wertet sie aus. In diesem Jahr waren es ihren Angaben zufolge bereits rund 70, im Vorjahr 330. Die Faustregel der Experten lautet: Hinter jeder dritten Sichtung verbirgt sich tatsächlich ein Wolf. Hinweise nimmt die Biologin unter Tel. 0511/5304318 entgegen.

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