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Polizei sucht Mutter und Zeugen Totes Rastplatz-Baby: Obduktionsergebnisse am Mittwoch


pm/meba/dpa Osnabrück. Grausiger Fund an der Autobahn 1: Auf einer Rastplatz-Toilette bei Bakum hat eine Autofahrerin am Dienstagmorgen einen toten Säugling entdeckt. Von der Mutter fehlt jede Spur. Die Polizei will am Mittwoch Obduktionsergebnisse bekannt geben.

Eine Autofahrerin entdeckte den toten männlichen Säugling nach Polizeiangaben am Morgen gegen 8.40 Uhr bei ihrer Rast auf der Anlage „Bakumer Wiesen West“. „Wir gehen davon aus, dass das Baby dort geboren wurde“, sagte Polizeisprecherin Ulrike Lünsmann am Dienstag. Ob es tot zur Welt kam oder möglicherweise durch Gewalteinwirkung starb, solle eine Obduktion klären. Es bestehe der Verdacht, dass der kleine Junge getötet wurde. Die Autopsie sollte am späten Nachmittag in der Oldenburger Rechtsmedizin erfolgen. Ergebnisse seien nicht vor Mittwoch zu erwarten.

Polizei sucht Zeugen

Bislang gebe es keine konkreten Hinweise auf die Mutter des toten Säuglings, hieß es. Zeugen hatten in den frühen Morgenstunden jedoch eine weiße Sattelzugmaschine des Herstellers Renault mit rotem Trailer und polnischem Kennzeichen gesehen. Außerdem beschrieben Zeugen ein älteres Wohnmobil (VW Bulli) in braun mit weißem Dach, das auf dem Parkplatz gesehen wurde. Es hatte ein Surfbrett oder eine Dachbox geladen.

In einem der Fahrzeuge könnte eine Frau mit blonden, schulterlangen Haaren, bekleidet mit Jeans und Mantel, unterwegs gewesen sein. Ob ein Zusammenhang zu dem toten Baby besteht, sei derzeit noch nicht geklärt, teilte die Polizei mit. Wer helfen kann, sollte sich bitte direkt an die Polizei Cloppenburg unter der Telefonnummer 04471/1860-261 oder -264 wenden.

Um die Mutter des toten Babys ausfindig zu machen, wurde das Landeskriminalamt eingeschaltet. Über die Medien und einen Facebook-Aufruf soll die Suche nach den Zeugen und der Mutter intensiviert werden.

Verletztes Findelkind in Osnabrück

Die Rastanlage „Bakumer Wiesen West“ liegt an der A1 in Fahrtrichtung Münster zwischen den Anschlussstellen Vechta und Lohne/Dinklage. Auf dem Rastplatz befinden sich nur Parkplätze und ein Toilettenhaus, in dem die Autofahrerin die grausige Entdeckung machte. Nach der Spurensuche war die Anlage am Nachmittag nicht mehr gesperrt.

Erst vor wenigen Wochen war ein neugeborenes Baby mit schweren Verletzungen vor dem Marienhospital Osnabrück abgelegt worden. Eine Frau war dabei von der Überwachungskamera gefilmt worden. Aufgrund von Zeugenaussagen konnte sie gefunden werden. Ob es sich um die Mutter des Babys handelt, war von der Polizei nicht zu erfahren. Der Gesundheitszustand des Findelkindes sei „kritisch, aber stabil“.

„Absolute Panikhandlung“

Das Kinderhilfswerk „terre des hommes“ spricht von „absoluten Panikhandlungen“, die Mütter dazu bringen, ihre Kinder auszusetzen oder sogar zu töten. „Diese Frauen wissen nicht, was sie tun sollen und sind nicht mehr in der Lage, sich Hilfe zu holen“, sagte Sprecher Michael Heuer am Dienstag unserer Redaktion. Die Hilflosigkeit der Frauen münde in einer Kurzschlusshandlung. Das Kind werde allein gelassen oder sogar getötet. „Diese Frauen wissen entweder vorher gar nicht, dass sie schwanger sind, oder sind vollkommen isoliert.“ Das zeige die Erfahrung aus vergangenen Fällen, so Heuer.

„Terre des hommes“ wertet jährlich aus, wie viele Kinder in Deutschland nach der Geburt von ihren Eltern ausgesetzt oder getötet werden. Auswertungen für 2013 oder 2014 gibt es nach Angaben der Hilfsorganisation noch nicht. Zwei Fälle innerhalb eines so kurzen Zeitraums im Weser-Ems-Raum seien „eine ungewöhnliche Häufung“.


Zeugen können sich bitte direkt an die Polizei in Cloppenburg wenden. (Telefonnummer: 04471/1860-261 oder -264)

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