„Stoppt den Völkermord“ Irak-Terror: Über 10 000 Demonstranten in Hannover


Hannover. „Stoppt den Völkermord!“, „Terror geht uns alle an“, „Deutsche, Augen auf! Heute wir, morgen ihr!“ - mit Parolen dieser Art auf Plakaten und Transparenten protestierten am Samstag in Hannover mehr als 10 000 Jesiden und Kurden gegen den islamistischen Terror im Nordirak.

Zu der Großveranstaltung hatten in erster Linie Vertreter von kurdischen und jesidischen Verbänden aufgerufen; unterstützt wurde die Aktion aber unter anderem auch von Christen, Juden und Muslimen.

Zunächst zogen nach Schätzungen der Polizei etwa 10 600 Demonstranten durch die Stadt; bei einer anschließenden Kundgebung wurden dann noch mehr Teilnehmer verzeichnet. Als nicht realistisch stufte die Polizei hingegen die von den Veranstaltern genannte Zahl von 50 000 Mitwirkenden ein.

Als einer von rund 20 Rednern erklärte sich Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) solidarisch mit den von der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) verfolgten Minderheiten im Irak. „Wir sind an Ihrer Seite!“, rief Schostok den Demonstranten zu. Er bescheinigte insbesondere den Vertretern der Glaubensgemeinschaft der Jesiden, die vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen stark vertreten sind, die Menschen in Deutschland aufgerüttelt und Betroffenheit erzeugt zu haben. „Die Vertriebenen brauchen Hilfe“, betonte Schostok und appellierte an die Spendenbereitschaft der hiesigen Bürger.

Ali Atalan, Vorsitzender der Förderation der jesidischen Vereine in Deutschland, gab als Zielsetzung aus, dass alle Jesiden und Mitglieder anderer Minderheiten in der Region Irak „in Sicherheit und Freiheit leben“ müssten. „Es muss ein Ende haben, dass diese Terrorgruppen mit Waffen bestialisch gegen Minderheiten vorgehen“, verlangte Atalan.

Wie er, schilderten auch Vertreter anderer Gruppen, wie brutal die IS-Terroristen zu Werke gingen. So wurde darauf verwiesen, dass gerade in diesen Tagen ein Dorf der Jesiden überfallen und 200 Bewohner geköpft worden seien. In einem anderen Fall, so hieß es, sei den Einwohner der Tod angedroht worden, wenn sie nicht zum Islam überträten. Inzwischen litten Hunderttausende von Flüchtlingen Not; befürchtet werde der Ausbruch von Seuchen wie Cholera.

Vor diesem Hintergrund wurde die humanitäre Hilfe aus Deutschland gewürdigt, zugleich aber eine Aufstockung erbeten. Eine weitere Forderung zielte darauf, verstärkt Flüchtlinge aus dem Nordirak in Europa aufzunehmen.

So reckten viele Demonstranten Fotos von schmerzverzerrten Kinder-Gesichtern und der Aufschrift „Deutschland, nimm uns bitte auf!“ in die Höhe. Auf anderen Plakaten stand zu lesen „It‘s a second holocaust“ („Das ist ein zweiter Holocaust“) oder „Wir sind Jesiden. Wenn einer leidet, leiden alle gemeinsam“. Es gab aber auch Hinweise wie „Jesus rettet“, und auf einem Transparent wurde angespielt auf die Euphorie in Deutschland bei der Weltmeisterschaft: „Wenn Tore fallen, schreit ihr; wenn Schüsse fallen, schweigt ihr“.

Bei einem Kurzbesuch im Irak hat Außenminister Frank-Walter Steinmeier den Kurden Unterstützung im Kampf gegen die islamistische Terrormiliz IS zugesichert. Er ließ am Samstag aber weiter offen, ob Deutschland auch Waffen und Ausrüstung in das Krisengebiet liefern wird.


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