Wissenschaftsministerin in Osnabrück Islam-Institut erhält langfristige Finanzierung vom Land

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Osnabrück. Die niedersächsische Landesregierung wird das Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück langfristig finanziell unterstützen. Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Klajic (Grüne) kündigte bei einem Besuch des Instituts an, vom Haushalt 2015 an sei eine dauerhafte Landesförderung vorgesehen. Mit Lehrenden und Studentinnen sprach die Ministerin unter anderem über das Kopftuch-Verbot an Schulen.

Heinen-Klajic besuchte das Osnabrücker Institut für Islamische Theologie im Rahmen ihrer Sommerreise. „Ich bin froh, dass wir es geschafft haben“, sagte sie zur Finanzierung. „Das war ein Kraftakt.“ Damit sei das Institut nicht mehr wie bisher auf begrenzte Fördermittel des Landes und des Bundes angewiesen. Die Finanzplanung des Landes sieht in den kommenden vier Jahren Gelder vom Land in Höhe von rund vier Millionen Euro vor. Dauerhaft soll die Universität Osnabrück rund 1,4 Millionen jährlich für das Institut erhalten. Die Wissenschaftsministerin erklärte, sie habe das Institut für Islamische Theologie „gerne von der alten Landesregierung übernommen“.

Rauf Ceylan , Professor für Religionswissenschaft, gab der Ministerin einen Überblick über die Entstehung des Instituts, das Religionslehrer, Imame und Seelsorgerinnen ausbilde. Es werde viel Grundlagenforschung geleistet. „Wir sind mittlerweile Ansprechpartner für eine muslimische Basis“, erklärte Ceylan. Ein Ziel sei es, noch mehr Muslime für den Lehrerberuf zu begeistern. Vorgesehen sei außerdem ein Studiengang zur muslimischen Sozialarbeit.

„Kopftuchverbot als Handicap“

Die katholische Theologieprofessorin Martina Blasberg-Kuhnke , Beauftragte der Universität für das Islam-Institut, sagte, der Aufbau des islamischen Religionsunterricht bleibe ein Kernziel für die Integration im Land. Ziel sei es, „einen europafähigen Islam“ zu entwickeln. Als „Handicap“ für muslimische Frauen bezeichnete Blasberg-Kuhnke das Kopftuch-Verbot an Schulen. Muslimische Studentinnen würden daher häufig eher Islamische Theologie studieren, statt den Lehrerinnenberuf anzustreben. Unterstützung bekam die Theologin von der Wissenschaftsministerin: Heinen-Klajic äußerte die Überzeugung, die Gesellschaft wäre gut beraten, das Thema Kopftuch „sehr entspannt anzugehen“.

Am Ende des rund 75-minütigen Besuchs erläuterte die muslimische Psychologie-Studentin Soufeina Hamed der Ministerin ihre Comic-Ausstellung beim Rundgang durch das Institut. Sie wirbt mit ihren Zeichnungen für mehr Toleranz für Kopftuchträgerinnen.

Das Institut für Islamische Theologie ist das größte dieser Art bundesweit. Die Studenten können zwischen den drei Studiengängen Islamische Theologie, Islamische Religion und dem Master-Studiengang Islamische Religionspädagogik wählen.

184 Studierende

Vier Professuren sind derzeit besetzt. Die fünfte Professur wird nach Angaben der Universität zu Beginn des Wintersemesters besetzt, die sechste und siebte Professur werden im Frühjahr 2015 folgen. Im Wintersemester 2013/14 waren insgesamt 184 Studierende in den Studiengängen eingeschrieben, darunter 130 Studierende mit deutscher und 54 Studierende mit anderer Staatsangehörigkeit, unter anderem aus der Türkei, Bosnien-Herzegowina und Österreich. Von den 184 Studierenden sind 109 Frauen und 75 Männer.

Im Herbst 2012 war in Osnabrück das Institut für Islamische Theologie eröffnet worden. Es bildet gemeinsam mit dem Institut in Münster eines von vier islamischen Zentren in Deutschland. Die anderen drei liegen in Tübingen, Frankfurt/Gießen sowie Nürnberg-Erlangen. Ihre Gründung hatte 2010 der Wissenschaftsrat, der die Bundesregierung in Hochschulfragen berät, angesichts von vier Millionen in Deutschland lebenden Muslimen empfohlen.


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