Reggae Jam 2014 20 Jahre Reggae Jam in Bersenbrück: 20 000 Besucher erwartet

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ms Bersenbrück. Kleinstädtischer Charme trifft karibisches Flair: Das Reggae-Jam-Festival in Bersenbrück wird 20 Jahre alt. Zum Wochenende werden nördlich von Osnabrück über 20000 Besucher zu einem der buntesten und exotischsten Musikfeste Norddeutschlands erwartet. Vier Tage Reggaemusik, ein echter Weltstar und viele Extras zur Geburtstagsfeier stehen auf dem Programm.

Bei solch einem Jubiläum sind eine Festschrift Pflicht und ein paar Stellwände mit Fotos aus der Geschichte, verlangt die regionale Tradition. Also gibt das Reggae-Jam-Team einen Hochglanzbildband heraus und dekoriert eine Turnhalle mit riesigen Fotomotiven aus den vergangenen Jahren. Außerdem wird ein 28 Meter hohes Riesenrad aufgebaut, aus dem man sich einen Überblick verschaffen kann über die Campingstadt mit Tausenden von Bewohnern an der Hase und den Bühnen unter alten Eichen im Klosterpark im Stadtzentrum.

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Oldtimer-Restaurator und Festivalchef Bernd Lagemann setzt dem Idealmobil der Reggae-Szene ein Denkmal: Er hat einen VW Bulli T3 mit Doppelkabine und Pritsche hergerichtet. „Platz für fünf Leute, genug Ladefläche für Gepäck, Campingausrüstung und Vorräte. Und weil er viel Bodenfreiheit hat, kommt man mit ihm auf jeden Acker drauf“, schmunzelt der Mann mit langen Rastazöpfen unterm Kopftuch.

Noch mehr Energie hat der Jamaikafan ins Programm gesteckt, eine Mischung aus Altstars wie den Skatalites, die in den Sechzigerjahren den Ska erfanden, über die Jungen, die aktuell auf der Insel Furore machen, bis hin zu Shaggy, einem Jamaikaner, der seine Karriere in New York startete. Er hat den Startermin dieses Festivals, nicht etwa am Samstagabend, sondern am Sonntag um 22.30 Uhr. Vor ihm tritt um 20 Uhr Ky-Mani Marley auf. Der Sohn der jamaikanischen Reggae-Superstars Bob Marley musste vergangenes Jahr nach einem Bühnenunfall absagen.

Ein straffes Programm hat Lagemann auch dem Donnerstag verordnet. Dieser Abend gehört den DJ-Teams, die in zwei Zelten auf dem Campinggelände die beiden Livebühnen im Klosterpark ergänzen. Das Liveprogramm beginnt am Freitag.

Die DJ-Trupps spielen in dieser Musikszene eine wichtige Rolle, für sie wird in Bersenbrück ein Tonstudio eingerichtet, das sie für kleine Einspielungen mit den Sängern nutzen können. Auch Lagemann begann als Discjockey für Reggaemusik. Wenn er unter dem Künstlernamen „Sheriff“ am Donnerstag ans Mischpult tritt, gilt das als Signal, dass die Vorbereitungen abgeschlossen sind. Die Fete kann beginnen.

Initiator des Reggae Jams war Szenegastronom Michael „Mike“ Schumacher. Er mietete 1994 am Vorabend des Talger Schützenfestes das Festzelt, engagierte zwei Bands, Lagemann und ein weiterer DJ legten danach auf. 200 Besucher kamen damals. Über die Jahre wurden es mehr, die Reggae Jam bezog ein erstes Festivalquartier auf dem Gelände eines ehemaligen kleinen Tierparks in Talge, einer Ortschaft mit etwa 200 Einwohnern nördlich von Bersenbrück.

Als Schumacher ausstieg, übernahm Lagemann und verlegte das Festival nach Bersenbrück. Nach einem Fiasko im Industriegebiet gelang ihm eine Einigung mit Kommune und Landkreis, seit 2000 findet die Reggae Jam im idyllischen Klosterpark statt. Und seitdem feilt ein breites Bündnis aus Politikern, Verwaltungsleuten und aktiven Unterstützern mit dem Reggae-Jam-Team daran, dieses Festival so zu gestalten, dass die Stadt möglichst wenig beeinträchtigt wird.

Tagelang wummernde Bässe, Exoten mit Rastazöpfen und nicht zu vergessen ein ausgeprägter Hang zum Haschischkonsum sind nicht nach jedermanns Geschmack. Trotzdem gibt es eine verblüffend breite Zustimmung zur Reggae Jam in der Stadt. Die einen genießen einfach nur das Schauspiel, die Budengassen, in denen bunte Klamotten feilgeboten werden, Kunsthandwerk und exotische Gerichte, die lässige Reggae-Gemeinde, die in der Hase Abkühlung sucht. Andere verdienen am Festival mit, sogar Vereine klinken sich ein.

Auch die Polizei arbeitet mit am Konzept eines entspannten Massenereignisses. Mit Straßenkontrollen während der An- und Abreisewellen zieht sie bekiffte Fahrer teils schon weit vor Bersenbrück aus dem Verkehr. Auf dem Festivalgelände hält sie sich zurück, wirft aber ein Auge auf Drogendealer und unterstützt auf Anforderung den Sicherheitsdienst des Festivals.

Doch Zwischenfälle sind äußerst selten. 2013 ritt zum ersten Mal eine Polizeireiterstaffel auf dem Festival Streife. Die Reggae-Gemeinde schloss die Ordnungshüter im Sattel samt ihren Vierbeinern ins Herz, sie sollen auch dieses Jahr wieder dabei sein. Zur Reggae Jam sind in Bersenbrück eben alle entspannt und locker drauf, sogar die Polizei.


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