Intersexualität Streit um Geschlecht: Mann will Geburtsurkunde ändern

Von dpa

Er sieht sich weder als Mann noch als Frau: Ein 25-Jähriger hat im Standesamt Gehrden bei Hannover beantragt, seine Geburtsurkunde zu ändern. Foto: Peter Steffen/dpaEr sieht sich weder als Mann noch als Frau: Ein 25-Jähriger hat im Standesamt Gehrden bei Hannover beantragt, seine Geburtsurkunde zu ändern. Foto: Peter Steffen/dpa

Gehrden. Er sieht sich weder als Mann noch als Frau: Ein 25-Jähriger hat im Standesamt Gehrden bei Hannover beantragt, seine Geburtsurkunde zu ändern.

Die Angabe „weiblich“ solle gestrichen und stattdessen „inter/divers“ eingetragen werden. Es stimme einfach nicht, dass es nur Männer und Frauen gebe, begründete der Antragsteller, der von einer Unterstützergruppe begleitet wurde, am Montag. Mit Bart und Baseballkappe wirkt er wie ein junger Mann und möchte auch nicht als „sie“ bezeichnet werden, die Eltern haben ihn bei der Geburt allerdings als Mädchen registrieren lassen.

Bereits vor mehr als zehn Jahren hatte eine intersexuelle Person in München vergeblich versucht, vor Gericht einen dritten Geschlechtseintrag im Ausweis durchzusetzen.

Jetzt will die Gruppe um den 25-Jährigen bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen, falls dies nötig werden sollte. Die Standesbeamtin habe signalisiert, dass sie den Antrag an das Amtsgericht Hannover weiterleiten werde, sagte die Rechtsanwältin Katrin Niedenthal, nachdem sie den Antrag gemeinsam mit dem 25-Jährigen abgegeben hatte.

Nach Schätzungen leben rund 80 000 Menschen ohne klar bestimmbares Geschlecht in Deutschland. Betroffenen-Verbände bemühen sich um Aufklärung und Gleichberechtigung. Als menschenrechtswidrig lehnen sie frühe operative Eingriffe zur Geschlechterbestimmung ab. Eine Gesetzesänderung auf Empfehlung des Deutschen Ethikrates ermöglicht es seit November, Kinder ohne Geschlechtsangabe ins Geburtenregister einzutragen, wenn sie nicht klar als Junge oder Mädchen zuzuordnen sind.


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