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Einkünfte neben Bundstagsmandat Abgeordneter Stegemann mit zweithöchstem Nebenverdienst

Albert Stegemann ist Bundestagsabgeordneter aus dem Wahlkreis Mittelems. Zugleich führt er einen landwirtschaftlichen Betrieb in Ringe in der Grafschaft Bentheim. Foto: Burkhard MüllerAlbert Stegemann ist Bundestagsabgeordneter aus dem Wahlkreis Mittelems. Zugleich führt er einen landwirtschaftlichen Betrieb in Ringe in der Grafschaft Bentheim. Foto: Burkhard Müller

Osnabrück. Der CDU-Abgeordnete Albert Stegemann dürfte in diesem Jahr zu den Top-Nebenverdienern im Deutschen Bundestag gehören. Nach Recherchen des Vereins Parlamentwatch, der die Website abgeordnetenwatch.de betreibt, hat der Parlamentarier aus dem Wahlkreis Mittelems zwischen dem 22. Oktober 2013 und dem 23. Juli 2014 zusätzlich zu seinen Abgeordneten-Bezügen mindestens 578 500 Euro eingenommen.

Abgeordnetenwatch.de setzt den 38-jährigen staatlich geprüften Landwirtschaftsmeister fast an die Spitze der Rangliste: Stegemann , der im Jahre 2002 in die CDU eintrat, belegt Platz zwei. Mehr als der Grafschafter verdient der Organisation zufolge mit mindestens 967500 nur der CSU-Abgeordnete und Wirtschafts-Rechtsanwalt Peter Gauweiler aus München.

Landwirtschaft kann goldenen Boden haben: Stegemann leitet den elterlichen Hof in Ringe in der Grafschaft Bentheim mit 360 Milchkühen profitiert wie die meisten Unternehmen der Branche von steigenden Preisen und hoher internationaler Nachfrage nach dem proteinreichen Agrarprodukt.

Dass er in der Liste so weit oben auftaucht, wundert Stegemann nicht: „Als landwirtschaftlicher Unternehmer weise ich im Sinne der Transparenz ja meine kompletten Brutto-Einnahmen aus“, sagt er. Davon gingen dann aber erhebliche Betriebskosten ab, vor allem die Ausgaben für Futtermittel, Energie und Angestellte. Die Umsatzrendite in der Landwirtschaft liege zwischen null und 15 Prozent.

Unangenehm fiel der Organisation, die sich der Transparenz bei beruflichen Aktivitäten und Einkünften von Bundes- und Landesparlamentariern verschrieben hat, der CDU-Abgeordnete Johannes Röring aus dem Wahlkreis Borken II im westlichen Münsterland auf. Der Landwirt – mit mindestens 290 500 Euro auf Platz vier der Rangliste – lasse in seinen Auskünften zu Nebenverdiensten einiges im Unklaren. Dort sei beispielsweise von einem „Vertragspartner 3“ die Rede, von dem Röring seit Jahresbeginn zwischen 75 000 und 100 000 Euro kassiert habe. „Ist es eine wohlhabende Privatperson?“, fragt Parlamentwatch in einer Stellungnahme . „Oder ein Unternehmen? Entscheidet der Politiker Röring am Ende über Gesetzentwürfe mit, die seinen „Vertragspartner 3“ direkt oder indirekt betreffen?“

Parlamentwatch kritisiert, wie bei Röring bleibe bei einem großen Teil der Nebeneinkünfte von Bundestagsabgeordneten vollkommen im Dunkeln, woher diese stammten. Röring gab am Montag nach Anfrage unserer Zeitung keine Stellungnahme zu den von Parlamentwatch geäußerten Zweifeln an seinen Einkünften ab.

Unter den den Bundestagsabgeordneten mit stattlichen Nebenverdiensten befindet sich eine weitere Abgeordnete aus dem Wahlkreis Mittelems: Die SPD-Parlamentarierin Daniela de Ridder, die als Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlerin an der Universität Osnabrück promoviert hat, nahm laut Parlamentwatch 57500 Euro ein und belegt in der Rangliste damit Platz 25. Die Einkünfte stammten aus Beratungsaufträgen von Fachhochschulen und Universitäten.

Vergleichsweise bescheidene Einnahmen hat der SPD-Abgeordnete Rainer Spiering (SPD) aus dem Wahlkreis Osnabrück-Land ausgewiesen. Er wird mit 7000 Euro Nebenverdienst auf Platz 112 der Liste geführt. Aus dem Nordwesten darüber hinaus: Achim Post (SPD, Minden-Lübbecke: 135000 Euro), Franz-Josef Hlzenkamp (CDU, Cloppenburg-Vechta: 54500), Stephan Albani (CDU, Oldenburg-Ammerland: 40500). Der höchstdotierte Grünenpolitiker im Bundestag ist mit 15000 Euro Peter Meiwald aus dem Wahlkreis Oldenburg-Ammerland.

Keine Nebenverdienste oder Nebenverdienste unterhalb der 1000-Euro-Schwelle zur Offenlegungspflicht haben aus der Region Osnabrück-Emsland: André Berghegger (CDU, Osnabrück-Land), Gitta Connemann (CDU, Unterems), Mathias Middelberg (CDU, Stadt Osnabrück) und Marcus Paschke, (SPD, Unterems).

Bereits im März berichtete noz.de über die Nebenverdienste von Bundestagsabgeordneten aus der Region.


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