Wenzel drängt auf Zwischenlager Atommüll durch AKW-Abriss: Wohin mit Strahlenabfall?

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Osnabrück. In Kürze dürften die Betreiber des alten Atomkraftwerks Lingen Post aus Hannover bekommen. Die Genehmigung für den Abriss des Meilers durch das Umweltministerium soll bevorstehen. Und dann? Ein Endlager für den anfallenden radioaktiven Abfall gibt es nicht.

Mit 1500 Tonnen Strahlenmüll rechnet Betreiber RWE beim Rückbau des AKW, das seit 1977 außer Betrieb ist. In der Kurzbeschreibung des Unternehmens zum Abrissprojekt heißt es: „Die radioaktiven Abfälle werden behandelt und verpackt, sodass sie in das Bundesendlager Schacht Konrad verbracht werden können.“ Konrad ist ein ehemaliges Eisenerz-Bergwerk bei Salzgitter.

Seit 2007 ist höchstrichterlich bestätigt, dass die alte Mine als Endlager für radioaktiven Müll genutzt werden darf, der nur geringe Wärme entwickelt. Der Start der Einlagerung war für 2013 vorgesehen, dann auf 2019 verschoben. Mittlerweile wird eine weitere Verzögerung nicht mehr ausgeschlossen.

Vergangenes Jahr erklärte der Rückbaubeauftragte in Lingen unserer Zeitung: „Wir bauen am Standort kein Zwischenlager für die Abfälle. Stattdessen wollen wir sie direkt in die Endlager bringen.“ Ob dieser Plan so eingehalten werden kann, ist angesichts der Verzögerungen in Salzgitter fraglich. Möglicherweise muss neben dem Castoren-Zwischenlager in Lingen ein weiteres für die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle aus dem alten AKW gebaut werden.

Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) drängt die Unternehmen, mit den Abrissarbeiten zügig zu beginnen, wenn die Genehmigungen vorliegen. „Eine Just-in-time-Anlieferung an das Dauerlager wird ohnehin nicht machbar sein“, sagt der Minister unserer Zeitung und wischt damit die Lingener Pläne vom Tisch. Er betont: „Ohne Zwischenlagerung wird es nicht gehen.“ Sein Ministerium werde nicht akzeptieren, „dass Betreiber den Rückbau aufschieben, um Kosten zu sparen“.

Notfallplan: Ahaus

Deutliche Worte aus Hannover, doch in der RWE-Zentrale in Essen gibt man sich entspannt. „Wir gehen davon aus, dass Konrad rechtzeitig in Betrieb geht“, sagt ein Sprecher. Der Abriss in Lingen sei so getaktet, dass erst gegen Ende die strahlenden Abfälle anfallen. Bis dahin werde also noch einige Zeit vergehen. Genug, damit Konrad beliefert werden kann? Notfalls stünde noch das Zwischenlager im nordrhein-westfälischen Ahaus bereit, so der Sprecher. Hier gebe es genügend Lagerfläche, um den Strahlenmüll aus Lingen aufzunehmen.

Allerdings: Die Nutzung von Ahaus als Zwischenlager ist nur bis 2020 erlaubt. Wird die Genehmigung danach nicht erneuert, müsste der Abfall andernorts zwischengelagert werden, sofern Konrad immer noch nicht in Betrieb sein sollte.

Thema im Bundesrat

Auch der Bundesrat befasst sich Freitag mit dem Rückbau. Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und Hessen haben das Thema auf die Agenda gesetzt (hier der Antrag als PDF). Nach dem Willen der Antragssteller soll die Bundesregierung Studien in Auftrag geben, die die Kosten für die Stilllegung und den Abriss der Atomkraftwerke ermitteln. Auf Basis der Gutachten soll dann überprüft werden, ob die Kraftwerksbetreiber RWE, Eon, EnBW und Vatenfall ausreichend Geld zur Seite gelegt haben.

„Es gilt das Verursacherprinzip“

„Nach dem geltenden Atomrecht gilt das Verursacherprinzip“, heißt es in dem Entschließungsantrag. Folglich müssten die Betreiber „uneingeschränkt sämtliche Kosten“ zu tragen haben. Zuletzt hatte es im Umfeld der Bundesregierung Spekulationen gegeben, dass der Steuerzahler doch an den Rückbau- und Endlagerkosten beteiligt werden soll. Dagegen wenden sich jetzt die Länder mit ihrem Antrag. „Der Bundesrat bekräftigt, dass für Stilllegung, Abbau und Entsorgung das Verursacherprinzip gilt.“

Darüber hinaus verlangen die Länder eine sogenannte Insolvenzsicherung: Sollte ein Kraftwerksbetreiber pleitegehen, müsse sichergestellt sein, dass der jeweilige Mutterkonzern für die weiteren Rückbau- und Entsorgungskosten aufkomme.

Im Fall des alten Atomkraftwerkes in Lingen mit seiner Gesamtabfallmenge von rund 60000 Tonnen hat RWE im Übrigen eine dreistellige Millionensumme zurückgelegt, war vergangenes Jahr zu erfahren. Der Meiler aus den 60ern ist deutlich kleiner als moderne Anlagen.

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