Weniger Altersstaffeln beim Gehalt Caritas-Leitung plant neuen Tarif für Pfleger

Von Christof Haverkamp

Osnabrück. In der Caritas in Niedersachsen schwelt ein Streit zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern – den sogenannten Dienstgebern – über den Tarif.

Heftige Kritik übt die Arbeitnehmerseite : Die Dienstgeber wollten gerade Niedersachsen „zum Armenhaus der Pflege in Deutschland“ machen, erklärt Alfred Sliwinski , Sprecher der Mitarbeiterseite der Caritas in Niedersachsen. Denn bei der künftigen Bezahlung der Pflegekräfte in der stationären Altenhilfe soll es nach den Plänen der Caritas-Leitung weniger regelmäßige Gehaltssteigerungen nach Lebensalter geben.

Werner Negwer entschieden, Justiziar bei der Caritas im Bistum Osnabrück, vertritt die Dienstgeberseite. Er hält es für dringend nötig, Personalkosten zu reduzieren, um die kirchlichen Altenheime mit ihren Arbeitsplätzen zu sichern.

Vergütung, Arbeitszeit und Urlaub handeln bei der Caritas nicht Gewerkschaften und Arbeitgeber aus. Dafür gibt es in dem katholischen Wohlfahrtsverband gleichrangig besetzte Kommissionen von Mitarbeitern und Dienstgebern im sogenannten Dritten Weg.

Für die Betreuung im Alter stehen in Niedersachsen 83 Altenpflegeheime in katholischer Trägerschaft mit rund 5400 Heimplätzen zur Verfügung (davon im Bistum Osnabrück 56 Heime mit 3300 Plätzen). Dort arbeiten fast 6000 Mitarbeiter (3390 Vollzeitstellen). Dazu zählen Pflegekräfte in den Heimen ebenso wie Mitarbeiter in Hauswirtschaft und Verwaltung. Im Bistum Osnabrück sind rund 3200 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeitstellen,

Neben den kirchlichen Heimen werden im Land mehr als 60 Prozent der Altenpflegeheime von privaten Trägern betrieben. Nach Ansicht der Caritas-Leitung herrscht ein scharfer Wettbewerb, der oft über die Personalkosten betrieben werde. In den katholischen Einrichtungen lehnten sich die Gehälter an die Tarife des Öffentlichen Dienstes an, in privaten Einrichtungen gebe es kaum Tarifverträge.

Die meisten Caritas-Heime schrieben trotz voller Auslastung häufig rote Zahlen, erklärte Negwer. Die laufenden Betriebskosten – überwiegend Personalkosten – würden nicht ausreichend durch die Pflegesätze finanziert.

Die Arbeitnehmer wenden sich gegen den geplanten Spartentarif vor allem in den unteren Lohngruppen. Mitarbeitervertreter Sliwinski sagte, neu eingestellte Beschäftigte müssten bis zu 500 Euro Einbußen im Monat hinnehmen. In nur wenigen Einzelfällen seien die Pflegekräfte vorübergehend zum Verzicht etwa auf ihr Weihnachtsgeld bereit gewesen, um den Erhalt der Einrichtung zu unterstützen. „Wir wollen aber auf keinen Fall eine generelle Absenkung“, betonte Sliwinski. Einzelne Absenkungen sind für Negwer dagegen das falsche Signal. Bereits jetzt sei davon im Bistum immerhin ein Drittel der Mitarbeiter in der Altenpflege betroffen.

Schlecht verhandelt?

Einig sind sich beide Seiten zumindest, dass die Pflege aufgewertet werden muss. „Solange Sozialhilfeträger und Pflegekassen nicht ernst machten mit einer angemessenen Bezahlung von guter Arbeit in der Pflege, müssten Lösungen zur Existenzsicherung gefunden werden, sagt Negwer. Sliwinski dagegen wirft den Dienstgebern aber vor, bei den Verhandlungen für die Refinanzierung der Pflege zu wenig getan zu haben.

Der Generalvikar des Bistums Osnabrück, Theo Paul, wollte sich mit Rücksicht auf die laufenden Gespräche nicht zur Situation der Mitarbeiter in den katholischen Altenheimen äußern. Er verwies auf die Caritas.


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