Erlass aus Niedersachsen und NRW Tötungsvorschriften: Schwächliche Ferkel dürfen weiterleben

Schwache Ferkel dürfen weiterleben, nur totkranke Tiere dürfen vorzeitig von ihrem Leid erlöst werden, bestimmen die Länder Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Foto: Michael GründelSchwache Ferkel dürfen weiterleben, nur totkranke Tiere dürfen vorzeitig von ihrem Leid erlöst werden, bestimmen die Länder Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Schwächliche Ferkel dürfen ab sofort nicht mehr aus wirtschaftlichen Gründen getötet werden. Das haben die Bundesländer Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen jetzt in einem Erlass betont. Zugleich machten die Behörden verbindliche Angaben dazu, wie sterbenskranke Ferkel künftig getötet werden müssen.

Damit ziehen die Ministerien Konsequenzen aus Filmaufnahmen aus einem Stall im Landkreis Vechta , die vergangenes Jahr aufgetaucht waren. Tierrechtsaktivisten hatten dokumentiert, wie Ferkel in dem Betrieb umgebracht wurden: Mitarbeiter schlugen die Tiere mit dem Genick auf ein Gatter oder direkt auf den Boden.

Künftig dürfen nur noch nicht lebensfähige Ferkel getötet werden, nachdem sie betäubt worden sind. Eine Tötung durch Genickbruch oder Schläge auf den Boden ist damit illegal.

NRW schließt sich Niedersachsen an

Im Laufe des Freitags schloss sich das Landwirtschaftsministerium in Nordrhein-Westfalen der niedersächsischen Haltung an und gab ebenfalls einen Erlass heraus, wie die Behörde bestätigte. Die zuständigen Veterinärämter der Landkreise werden nun durch Vor-Ort-Kontrollen die Umsetzung der Vorgaben kontrollieren.

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) sagte zu der Anordnung: „Ab sofort ist klargestellt, dass eine Tötung nur im absoluten Ausnahmefall erlaubt ist.“ Mit dem Erlass sorge Niedersachsen für mehr Tierschutz im Stall.

Schweinehalter begrüßen Erlasse

Die Interessensgemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands begrüßte das Vorgehen der beiden Bundesländer: „Die Landwirte haben jetzt endlich Rechtssicherheit“, sagte eine Sprecherin. Der Verband appelliere an die Tierhalter, die Vorgaben umzusetzen.

Derweil ist noch offen, ob sich die Besitzer des Stalles im Landkreis Vechta strafrechtlich verantworten müssen. Eine Sprecherin der zuständigen Staatsanwaltschaft in Oldenburg sagte unserer Zeitung, dass die Ermittlungen noch laufen.


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