Ex-Pfarrer wird Hilfskraft Verurteilter Priester aus Spelle soll NS-Akten aufarbeiten

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Der frühere Pfarrer von Spelle ist verpflichtet worden, an einem kirchengeschichtlichen Projekt mitzuarbeiten. Foto: imagoDer frühere Pfarrer von Spelle ist verpflichtet worden, an einem kirchengeschichtlichen Projekt mitzuarbeiten. Foto: imago

Osnabrück. Der frühere Pfarrer von Spelle im Emsland ist zur Mitarbeit an einem kirchengeschichtlichen Projekt verpflichtet worden. Das teilte der Osnabrücker Bistumssprecher Hermann Haarmann auf Anfrage mit. Diese Aufgabe habe der Vatikan genehmigt.

Der Geistliche war 2010 wegen eines schweren Sexualdeliktes von seinen Ämtern entpflichtet worden. 2013 wurde er in einem kirchengerichtlichen Verfahren verurteilt. Das Landgericht Osnabrück hatte 2011 nach Ermittlungen durch Polizei und Staatsanwaltschaft ein Verfahren mangels hinreichenden Tatverdachts abgelehnt. Nach Auffassung des Gerichts ließ sich der Vorwurf, der Priester habe 1990 bei sexuellen Kontakten mit einer Jugendlichen Gewalt angewendet, nicht mehr aufklären.

Der inzwischen 54-Jährige soll in den kommenden drei Jahren Material zum Widerstand von Priestern und anderen kirchlichen Mitarbeitern in der Zeit des Nationalsozialismus aufbereiten und erforschen. Als Hilfskraft habe er die Aufgabe, Akten und andere Schriftstücke und Unterlagen dem für das Projekt zuständigen Wissenschaftler zuzuleiten, sagte Haarmann. Möglicherweise handelt es sich um die Zuarbeit zu den Forschungen des Kölner Prälaten Helmut Moll. Nähere Angaben wollte der Bistumssprecher dazu aber nicht machen.

Die kirchenrechtlichen Auflagen gelten nach seiner Auskunft weiter. So darf der frühere Pfarrer keine leitenden Aufgaben übernehmen, nicht in der Kinder- und Jugendseelsorge tätig sein und keine öffentlichen Gottesdienste feiern. Außerdem ist ihm die Beichtvollmacht entzogen.

Im Übrigen ist der ehemalige Pfarrer weiterhin verpflichtet, außerhalb des Bistums Osnabrück zu wohnen. Nach Informationen unserer Zeitung hält er sich im Tecklenburger Land auf. Er galt als führender Kopf der „ Christusgemeinschaft “, einer sogenannten neuen geistlichen Gemeinschaft, die innerhalb des Bistums Osnabrück sehr umstritten ist.


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