So kam es zur Personalunion mit Hannover Britischer König musste ein Protestant sein

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Selbstbewusst präsentierten sich Fürstbischof Ernst August I. und seine „Bischöfin“ Sophie von der Pfalz (Bild links) im Iburger Rittersaal.Selbstbewusst präsentierten sich Fürstbischof Ernst August I. und seine „Bischöfin“ Sophie von der Pfalz (Bild links) im Iburger Rittersaal.

Hannover. Eigentlich hatte Georg Ludwig, Kurfürst aus dem Stamm der Welfen, mit Platz 56 der Thronfolgerliste keine realistische Chance auf die britische Krone. Aber er errang sie dennoch – und dabei spielten die Religion und die Herkunft seiner Mutter Sophie eine maßgebliche Rolle.

Es ist schon eine komplizierte und spannende Geschichte, wie Anfang des 18. Jahrhunderts die Personalunion zwischen den Königshäusern Hannover und Großbritannien zustande kam. Dass es überhaupt Erbansprüche für die Welfen aus deutschen Landen geben konnte, war zunächst einmal eine Frage der Blutsverwandtschaft.

Als sich 1707 England und Schottland endgültig zum Königreich Großbritannien vereinten – zu dem sich dann später auch noch Irland gesellte –, fungierte Anne Stuart als Monarchin. Die Königin aus traditionsreichem Hause war zwar 18-mal schwanger, doch das Schicksal wollte es, dass kein Kind überlebte und Thronfolger werden konnte.

So geriet Sophie von Hannover (früher Sophie von der Pfalz) als potenzielle Queen ins Visier. Sie stammte ebenfalls aus der Stuart-Dynastie, war Enkelin von König Jakob I. und Tochter von Prinzessin Elisabeth Stuart. Geheiratet hatte sie den Kurfürsten Ernst August von Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover) aus dem uralten Adelsgeschlecht der Welfen, der seit 1662 als erster evangelischer Fürstbischof im Hochstift Osnabrück agierte. Während dieser Zeit kam 1668 auf Schloss Iburg, dem damaligen Wohnsitz des Paares, Sophie Charlotte zur Welt, die später erste Königin in Preußen wurde.

Gegenüber anderen Anwärtern auf den Thron in London besaß Sophie, deren Mann 1698 verstarb, einen entscheidenden Vorteil: Sie war Protestantin – und nur ein Angehöriger dieser Religionsrichtung sollte die britische Krone tragen dürfen. Eine solche Vorfestlegung war bereits 1689 nach jahrelangen heftigen Auseinandersetzungen und dem Sturz von Englands König Jakob II. in der „Bill of Rights“ getroffen worden. Katholiken blieben demnach kategorisch von der Thronnachfolge ausgeschlossen.

Am 12. Juni 1701 erfolgte eine Konkretisierung dieser Bestimmung im sogenannten „Act of Settlement“ („Gesetz zur engeren Begrenzung der Thronfolge und zur besseren Absicherung der Rechte und Freiheiten des Volkes“). Darin wurde unter anderem festgelegt, dass Sophie und ihre Nachkommen den britischen Thron beanspruchen konnten – und dies, obwohl es in der Stuart-Dynastie mehr als 50 Anwärter mit vorrangigen Ansprüchen aufgrund ihres Verwandtschaftsgrades gab. Aber diese Kandidaten waren halt katholisch – ein Ausschlusskriterium.

Doch Sophie sollte den Triumph nicht mehr erleben, als erstes Mitglied des Welfen-Adels den britischen Thron besteigen zu dürfen. Die Kurfürstin starb am 8. Juni 1714 im Alter von 83 Jahren plötzlich bei einem Spaziergang im Garten ihrer Sommerresidenz Schloss Herrenhausen.

Die als kluge Strategin geltende Adlige verpasste die Regentschaft nur um zwei Monate: Am 1. August 1714 starb Königin Anne. Für sie rückte dann Sophies damals 54-jähriger Sohn Georg Ludwig zum König von Großbritannien und Irland auf – unter Wahrung seiner Position als Herrscher des damaligen Kurfürstentums und späteren Königreichs Hannover.

Rund 100 Vertraute begleiteten ihn zur Krönung nach London, von wo aus der aus dem heutigen Niedersachsen „importierte“ König auch im Wesentlichen seine Amtsgeschäfte ausübte. Eine prunkvolle Parade zum Empfang mit mehr als 200 Kutschen und Kanonenböller konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es durchaus Kritiker dieser Thronnachfolge gab. So wurde der Krönungstag von tumultartigen Auseinandersetzungen zwischen Protestanten und katholischen Stuart-Sympathisanten überschattet. Doch die Gegner blieben machtlos: Georgs Amtsantritt bedeutete den Start einer 123 Jahre währenden Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover.


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