17 neue Clubs in Niedersachsen Brennpunkt Osnabrück: Rocker breiten sich aus

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Osnabrück. Der Raum Osnabrück hat aus Sicht von Innenminister Boris Pistorius (SPD) im vergangenen Jahr neben Stade und Cuxhaven zu den „Brennpunkten“ von Auseinandersetzungen im Rockermilieu gehört. Insgesamt sei die Zahl der Clubs in Niedersachsen im Vergleich zum Vorjahr von 53 auf 70 gestiegen, so der SPD-Politiker. Das Personenpotenzial schätzt das Ministerium auf 790 Rocker und Sympathisanten.

Das geht aus einer Antwort des Ministers auf einer Anfrage der Grünen-Landtagsfraktion hervor, über die zunächst der NDR und die „Neue Presse“ berichtet hatten. In Niedersachsen seien insgesamt sechs Rockergruppierungen bekannt, „die mit organisierter Kriminalität oder anderen schweren Verbrechen in Verbindung gebracht werden“, schreibt der Minister.

Im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Osnabrück, der von der Nordseeküste bis zum Teutoburger Wald reicht und den kompletten Westen Niedersachsens abdeckt, haben sich gleich mehrere Gruppierungen mit mehr als zehn Ortsvereinen - sogenannten Chapters - niedergelassen.

Dazu zählt die Behörde Niederlassungen der Bandidos und von Gremium jeweils in Osnabrück und Aurich oder die „Hells Angels“ in Nordhorn. Seit Dezember 2013 sei zudem der Rockerclub Satudarah im Bereich Leer/Emden ansässig. Hinzu kommen eine Reihe Unterstützergruppen, die einzelnen Clubs nahe stehen, hier zum Beispiel in Schüttorf, Grafschaft Bentheim.

Wie kommt der Innenminister zu der Einschätzung, dass der Raum Osnabrück Brennpunkt sei? Aus der Antwort gehen diverse Vorfälle aus dem vergangenen Jahr hervor:

1. Im Februar 2013 seien ehemalige Mitglieder des Motorradclubs „Red Devils“ im Bereich der Polizeiinspektion Leer/Emden Opfer eines Angriffs gewesen. Verursacher laut Innenministerium: Mitglieder der Mongols sowie ein aktiver „Red Devil“.

2. Außerhalb von Niedersachsen seien im Juli 2013 zwei Rocker aneinander geraten, die ihre Wurzeln in Osnabrück haben. Beide seien verletzt worden.

3. Im selben Monat sei ein „Hells Angel“ aus Duisburg beim Verlassen eines Osnabrücker Fitnessstudios attackiert. Als Angreifer nennt das Ministerium mehrere Angehörige der Bandidos und Chicanos aus Osnabrück. In der Folge sei es zum Diebstahl einer Rocker-Kutte in der Hasestadt gekommen (hier zum NOZ-Bericht klicken).

Die Polizeidirektion selbst verzeichnete in ihrem Gebiet vier Fälle, die im Zusammenhang mit Rockergruppierung stehen, heißt es auf Nachfrage. Eine Tat sei aber ohne Szenehintergrund, sprich: nicht alle Beteiligten (Beschuldigter, Opfer, Geschädigter) seien den Clubs zuzuordnen. 2012 seien es noch fünf Fälle gewesen. In diesem Jahr verzeichnete die Polizei bereits vier Fälle. Drei Mal sei aber kein Szenehintergrund festgestellt worden.

Die Fragestellerin Meta Janssen-Kucz, innenpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, schlussfolgerte aufgrund der Antwort aus dem Ministerium in der „Neuen Presse“: „Die sichtbare Aktivität der Rockerclubs hat sich in die Fläche Niedersachsens verlagert.“ Immer öfter habe sie auch gehört, dass diese Gruppen Kontrolle über Arbeitskräfte in der Fleischindustrie ausüben. Es könne kein Zufall sein, dass sie die Aktivitäten zwischen Oldenburg und Osnabrück verstärken würden.

Ein Sprecher der Hells Angels wies auf Anfrage des NDR die Behauptung zurück, die Gründung neuer Ortsvereine hänge mit Machtdemonstrationen oder gar Konkurrenz untereinander zusammen. Vielmehr sei das „Ausdruck einer Lebensweise - auch wenn der Polizei das nicht passt“.

Das sehen die Bandidos ganz ähnlich. Ein Sprecher sagte unserer Zeitung: „Die Szene ist viel ruhiger als es die Politik darstellt.“ Das gelte auch für den Raum Osnabrück. Der stand tatsächlich schon einmal mehr im Fokus: 2004 vielen tödliche Schüsse in Wallenhorst , fünf Jahre später brannte ein Auto.

Und selbst bei der Polizeidirektion heißt es auf Nachfrage, eine Zunahme der Taten im Zusammenhang mit Rocker sei nicht festzustellen. „Die Rockerclubs werden dennoch polizeilich mit einer hohen Aufmerksamkeit belegt.“


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