Kritik an Tierexperimentator Anzeigenkampagne gegen Bremer Affenforscher

Von Eckhard Stengel


Bremen. Eine Anzeigenkampagne von Tierversuchsgegnern mit persönlichen Angriffen auf den Bremer Hirnforscher Andreas Kreiter hat Empörung bei Wissenschaftlern und Politikern ausgelöst. Die Universität erwägt juristische Schritte, die CDU hat den Deutschen Werberat eingeschaltet.

Der Neurobiologe Kreiter , der früher auch schon Morddrohungen erhalten hatte und unter Polizeischutz stand, erforscht seit 1998 die Gehirnfunktionen von Makaken (Rhesusaffen). Seit 2008 versucht die Bremer Tierschutzbehörde, die Versuche zu stoppen, weil sie ethisch nicht mehr vertretbar seien. Die Behörde verlor aber in allen Instanzen bis hinauf zum Bundesverwaltungsgericht.

Der gemeinnützige Verein „Tierversuchsgegner Bundesrepublik Deutschland“ schaltete jetzt in regionalen und überregionalen Zeitungen eine ganzseitige Anzeige mit dem Titel „Kreiter macht eiskalt weiter“. Sie beginnt mit einem Zitat des Mitbegründers der „Ärzte gegen Tierversuche“, Herbert Stiller: „Tierexperimentatoren sind Wesen besonderer Art – man sollte sie nicht leichtfertig Menschen nennen.“ Außerdem werden dem Bremer Uni-Professor„mittelalterliche Foltermethoden“ und „barbarische Experimente“ vorgeworfen. Forscher wie er würden „oft ganz perfide Methoden“ anwenden, „um die gewünschten und oft manipulierten Ergebnisse zu erzielen“. Die Annonce endet mit dem Appell an alle Bürger, „professionellen Tierquälern wie z.B. Tierexperimentatoren mit Verachtung zu begegnen und ihr Handeln öffentlich anzuprangern“.

„Versuch der Entmenschung“

Der 50-Jährige reagierte in einem Radio-Bremen-Fernsehinterview mit den Worten, dieser „Versuch der Entmenschung“ ziele auf „persönliche Vernichtung“. Auch im Dritten Reich habe man Personen zu Unmenschen erklärt.

Die Universität lässt jetzt prüfen, ob sie juristisch gegen die Anwürfe vorgehen kann. Auch Politiker, die Kreiters Versuchen kritisch gegenüberstehen, forderten einen fairen Umgang mit ihm. Der Vizevorsitzende der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Thomas vom Bruch, legte beim Deutschen Werberat eine Beschwerde gegen die „inakzeptable und menschenverachtende“ Anzeigenkampagne ein.

Bei Kreiters Experimenten werden die Makaken mittels eines am Kopf befestigten Bolzens stundenlang in einem Versuchsstuhl fixiert und müssen auf Computerbilder reagieren. An den wöchentlich fünf Versuchstagen bekommen die Affen nur zu trinken, wenn sie mitarbeiten. Die Versuche dienen vorrangig der Grundlagenforschung, sollen aber auch Anstöße für die Epilepsie-Behandlung oder zur Steuerung von Prothesen geben.

Eine Sammlung zu den Pressemitteilungen der Universität Bremen finden Sie auf der Internetseite der Uni (hier klicken).


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