Minister Meyer: Grenzen erreicht Weser-Ems: 90 Millionen Stallplätze für Geflügel

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Blick in einen Stall für Legehennen. Foto: dpaBlick in einen Stall für Legehennen. Foto: dpa

Osnabrück. Der Stallbau-Boom im Raum Weser-Ems ebbt ab. Zwar hat die Zahl der Plätze für Geflügel im Westen Niedersachsens die 90-Millionen-Marke erreicht. Die Zahl der Anträge für Neubauten aber ist rückläufig. Kritiker der Massentierhaltung bewerten das als Erfolg. Landwirte beklagen Willkür.

Werden alle Ställe gebaut, die noch in den Bauämtern der Landkreise auf Genehmigung warten, können Bauern künftig an die 100 Millionen Legehennen, Masthähnchen, Puten, Enten und andere Geflügelarten im Raum Weser-Ems halten. Das zeigen Recherchen unserer Zeitung (siehe Grafik).

Doch die Zahl der Anträge ist rückläufig. „Derzeit haben wir noch vier Millionen Plätze für Geflügel im Antragsverfahren. Ende 2012 waren es noch knapp neun Millionen“, sagt Kreisbaurat Dirk Kopmeyer aus dem Emsland. „Einige Anträge wurden genehmigt, andere abgelehnt. Viele aber auch von den Landwirten zurückgezogen.“

Die Situation vor zwei Jahren: eine Reportage aus dem Emsland

Ähnliche Entwicklungen verzeichnen auch die Nachbarkreise. Die können im Gegensatz zum Emsland aber zum Teil keine Auskunft darüber geben, wie viele Tierplätze noch beantragt sind. Das Emsland ist beim Bestand mit gut 35 Millionen Stallplätzen für Geflügel eindeutig Spitzenreiter, gefolgt von den Landkreisen Cloppenburg und Vechta mit jeweils gut 13 Millionen Plätzen. Die Grafschaft Bentheim hat mittlerweile die 10-Millionen-Marke überschritten, der Landkreis Osnabrück nähert sich den 8 Millionen Plätzen, die hat der Landkreis Oldenburg mit 8,7 Millionen bereits deutlich überschritten.

Tierplatzzahlen im Nordwesten

Warum wollen die Landwirte weniger bauen? Lambert Hurink, Geschäftsführer des Landvolks Emsland , verweist auf ordnungsrechtliche Vorgaben wie den Filtererlass und auf die immer teurer werdenden Genehmigungsverfahren. Kosten in Höhe von 50000 Euro und mehr seien der Normalfall. Das schrecke kleine Bauern ab. „Hier werden die Falschen gefördert: Bei den derzeitigen Rahmenbedingungen können nur noch die Großen expandieren, die kleinen geben auf“, so Hurink. Die politisch beeinflussten Faktoren hätten dafür gesorgt, dass der „Höhepunkt der Entwicklung“ bei Stallbauten mittlerweile erreicht sei.

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) sagt: „In den Landkreisen Cloppenburg und Vechta sowie dem Emsland werden deutlich mehr Schweine und Geflügel gehalten, als es die Fläche und die Umwelt verträgt. Grenzen des Wachstums sind in einigen Gemeinden erreicht oder überschritten.“ Er prognostiziert: „In 10 bis 20 Jahren wird es daher vermutlich weniger Massentierhaltung in Weser-Ems geben, dafür mehr Tiere in artgerechter Haltung wie zum Beispiel Freilandhaltung.“ Sein Ziel sei eine flächengebundene Tierhaltung, bei der die Tierzahl begrenzt wird durch die Fläche, auf die Dünger und Kot ausgebracht werden können.


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