Dunkler Zwilling der Glückskekse Hamburger erfinden Plätzchen mit bösen Botschaften



Hamburg. Thorsten Bammann zeigt auf den hellbraunen Esstisch in der Mitte der Küche. Es ist nicht irgendein Tisch. An ihm ist eine Geschäftsidee geboren worden, mit der Bammann zusammen mit seinem Kumpel Andreas Pohl Pech über die Republik bringen will. Die beiden haben das bitterböse Pendant zu den traditionellen Glückskeksen geschaffen. Schwarz wie Kohlestücke und gefüllt mit bitterbösen Vorhersagen – das sind die Pechkekse, die die beiden Hamburger seit vergangenem November verkaufen.

Das Hauptquartier des Pechs ist nicht gerade einfach zu finden. Mitten im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel liegt es versteckt zwischen Spielplätzen und Hochhäusern. Über einen unscheinbaren Hinterhof gelangt man zur Zentrale der unheilvollen Plätzchen: der Wohnung von Andreas Pohl. Wer hier einen Ort des Grauens erwartet, wird enttäuscht: Statt schwarzer Katze ein schwarzer Hund, das ist aber auch schon das einzig Dunkle in der Wohnung: Es dominieren nämlich die hellen Töne: Eichenfarbenes Laminat, weiße Wände und eine hellgraue Couch. Das Pech scheint sich sehr gut zu verstecken. Dennoch ist es nicht nur der Ort, an dem die beiden die Geschäfte abwickeln. Gleichzeitig ist es auch die Geburtsstätte der Süßigkeiten. „Ein paar Freunde, die Andreas zum Essen eingeladen hatte, brachten Glückskekse mit. Er fand die Nachrichten darin jedoch langweilig und fragte sich, wie man sie denn spannender gestalten könnte“, erzählt Bammann.

Über 1000 Sprüche

Als ihm sein Kumpel von dem Plan berichtete, kleine Gehässigkeiten in pechschwarzem Gebäck zu verstecken, wollte Bammann sofort mitmachen. Zur Überraschung der beiden war noch niemand zuvor auf diese Idee gekommen. Prompt ließen sie sich den Markennamen „Pechkeks“ schützen und überlegten sich zusammen mit Freunden die Sprüche, die sie in den Süßigkeiten verstecken wollten. „Das war das Schwierigste. Für die kleinen Bosheiten mussten wir einiges an Gehirnschmalz investieren“, berichtet Bammann und grinst. Die Mühe hat sich gelohnt: Über 1000 Sprüche haben sie sich ausgedacht. Von harmloseren Prophezeiungen wie „Dich erwischt es schon vor dem nächsten Freitag, dem 13ten, wieder“ bis zu gehässigeren Kommentaren à la „Ich wusste gar nicht, dass man so hart feiern kann, wie Du aussiehst“ reicht das Repertoire. Bestimmte Grenzen werden jedoch nicht überschritten. So dürfen die Nachrichten niemals ausfallend oder gar beleidigend sein – auch wenn die Trennlinien häufig fließend sind.

Pechkekse sind für die beiden Begründer kein reines Spaßprojekt. Zwar gehen sie weiterhin ihren Berufen nach, dennoch möchten sie ihr Augenmerk verstärkt auf die schwarzen Süßigkeiten legen. Professionalität und Seriosität seien die obersten Gebote, um die Marke zu etablieren. Als Bammann seine Strategien erläutert, merkt man, wie ernst es ihm ist. Er guckt entschlossen nach vorne und gestikuliert mit seinen Händen, als würde er eine Rede vor dem Parlament halten. Typisch Geschäftsmann eben. „Die Pechkekse sind keine Ramschware. Dafür sind sie einfach zu gut gemacht“, wirbt er für sein Produkt. Um eine hohe Qualität zu garantieren, greifen die beiden auf Profis zurück: So werden die Kekse von einer Bäckerei aus der Nähe von Stuttgart gebacken. Hinzu kommt eine besondere Liebe zum Detail: Die Plätzchen sind in schwarzen Einzelfolien verpackt, auf denen vier unterschiedliche Pechobjekte zu sehen sind: Neben einer schwarzen Katze zählen auch drei gruselig aussehende Fantasiegestalten dazu. Verkauft werden die gemeinen Leckereien in Paketboxen mit jeweils 13 Keksen.

Der dunkle Zwilling der Glückskekse komme bei den Kunden gut an. Als er von den Verkaufszahlen berichtet, grinst der 40-Jährige fast schon schelmisch. „Wir können sehr zufrieden sein. In den ersten drei Monaten nach Verkaufsstart gingen allein 100000 Kekse über den Ladentisch“, berichtet Bammann. Dennoch sei der Anfang schwierig gewesen. Die beiden Geschäftsleute haben zahlreiche Hamburger Läden besucht, um für ihr Produkt zu werben. Die Reaktion sei oftmals von Skepsis geprägt gewesen, so der 40-Jährige. Der Hauptgrund: Aberglaube. „Es klingt fast so, als würde man damit Unheil verschenken, das ist aber nicht der Fall – man verschenkt Spaß“, sagt Bammann.

Auch Johanna Hoffmann vom Hamburger Kunst-Kiosk äußerte Bedenken, die pechschwarzen Leckereien in das Repertoire ihres Ladens zu nehmen. „Ich bin sehr abergläubisch und wollte die Kekse deshalb nicht verkaufen“, sagt sie. Erst ihre Geschäftspartnerin habe sie davon überzeugen können, ihnen eine Chance zu geben. „Sie hat recht behalten. Die Resonanz der Kunden ist sehr gut. Die Kekse haben sich durchgesetzt.“ Und das nicht nur im KunstKiosk. Zahlreiche Unternehmer in ganz Deutschland sind auf den Pechkekse-Zug aufgesprungen und verkaufen in ihren Läden die bitterbösen Süßigkeiten. Ob in Kaffeeröstereien, Party-Artikel-Geschäften oder gar in Hotels – die Pechkekse scheinen in den verschiedensten Umgebungen gut anzukommen. In Osnabrück sind sie noch in keinem Geschäft erhältlich.

Kekse als Saisonware

Neben dem Aberglauben einiger Personen gibt es noch ein weiteres Problem, mit dem die Begründer der Pechkekse zu kämpfen haben: Zwar gehen sie vor besonderen Feiertagen wie Silvester und Halloween sehr häufig über den Ladentisch, im restlichen Jahr sieht es dagegen aber eher mau aus: Pechkekse sind Saisonware.

Steht den Pechkeksen also eine ähnlich düstere Zukunft bevor wie die, die sie ihren Käufern verheißen? Bammann und Pohl wollen ein solches Szenario jedenfalls mit allen Mitteln verhindern. Wachstum statt Stagnation – so lautet ihr Geheimrezept. „Wir haben einen sehr hohen Anspruch an uns und an das Produkt. Wir wollen die Pechkekse weiterentwickeln.“ Die beiden Begründer wollen hoch hinaus: Neu gestaltete Verpackungen, eine verstärkte Präsenz in sozialen Netzwerken und Merchandise-Artikel wie Ansteckbuttons sind in Planung.


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