Keine Spur vom Emslandwolf Angeblich Wolf bei Vechta gesichtet

Ein einzelner Wolf soll bei Vechta gesehen worden sein. Dieses Foto stammt aus Finnland. Foto: Willi RolfesEin einzelner Wolf soll bei Vechta gesehen worden sein. Dieses Foto stammt aus Finnland. Foto: Willi Rolfes

Vechta. Jäger wollen am Sonntagmorgen bei Vechta einen Wolfsrüden gesehen haben. Eine offizielle Bestätigung durch das Land Niedersachsen gibt es für die Sichtung noch nicht.

Vier Jäger hatten der Oldenburgischen Volkszeitung berichtet, sie hätten den Rüden nördlich von Vechta vom Auto aus beobachtet. Die Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft, Britta Habbe, hat Fotos dieses Tieres geprüft und sagt, eine eindeutige Identifizierung des Tieres sei nicht möglich. Lediglich die Rutenhaltung auf einem der Fotos erscheine ihr „eher wolfsuntypisch“.

Unmöglich wäre eine Sichtung im Nordwesten allerdings nicht. Denn der Wolf ist seit 2007 in Niedersachsen kein Unbekannter mehr und zudem ein sehr wanderfreudiges Tier. Junge Wölfe verlassen nach der Geschlechtsreife im Alter von zwei Jahren ihr Rudel und suchen sich neue Reviere. Dabei legen sie bis zu 70 Kilometer pro Tag zurück, was in etwa der Entfernung von Vechta nach Meppen entspricht. Bis nach Osnabrück ist die Strecke sogar noch etwas kürzer.

In Meppen war im März 2013 eine junge Wölfin in eine Fotofalle getappt, die auf dem Gelände Wehrtechnischen Dienststelle 91 bei Haren stand. Das junge Tier war der erste nachgewiesene Wolf seit mehr als 150 Jahren im Emsland. Er konnte anhand von Speichelproben, die von einem gerissenen Damhirsch stammten, als Weibchen identifiziert werden. Seitdem wird der Wolf formell als „ NI008w “ geführt, also als achter Wolf, der in Niedersachsen genetisch identifiziert wurde. Das W steht für weiblich. Allerdings war trotz der Probe nicht klar, aus welchem Rudel das Tier stammte. Seit Mai 2013 gibt es keine Hinweise mehr auf dem Emslandwolf – jedenfalls keine, die öffentlich geworden wären.

Drei Rudel im Osten

In Niedersachsen ist das Tier insgesamt aber auf dem Vormarsch – das geht aus dem Wolfsmonitoringbericht der Landesjägerschaft hervor. Aktuell oder in jüngerer Vergangenheit sind – ohne das mögliche Tier bei Vechta – Wölfe in zehn Regionen bestätigt worden. Drei Wolfsrudel sind bekannt, nämlich in Munster, Bergen und Gartow, allesamt also auf ostniedersächsischen Truppenübungsplätzen. Sie hatten 2013 zusammen 17 nachgewiesene Welpen, die irgendwann ihr Rudel verlassen werden. Allerdings ist die Sterblichkeit beim Wolfsnachwuchs sehr hoch, sodass nach Einschätzung von Experten längst nicht alle Welpen auch abwandern und neue Reviere suchen werden.

Ein Wolfspaar bisher ohne Nachwuchs gibt es in Eschede (Landkreis Celle), Einzelnachweise neben dem aus dem Emsland noch in Gifhorn, Cuxhaven, in der Lüneburger Heide und im Landkreis Uelzen. Einen Hinweis auf ein Tier hatte es auch im Landkreis Osnabrück gegeben, er wird aber offiziell nicht als Nachweis geführt. Das Umweltministerium Hannover geht davon aus, dass die Wolfspopulation in Niedersachsen weiter ansteigen wird.

Die Rückkehr des Wolfes wird zwar größtenteils begrüßt, regional aber auch kritisch gesehen, vor allem dann, wenn Nutztiere gerissen werden. Seit 2008 haben Wölfe in Niedersachsen etwa 60 Schafe gerissen.

Ein wahrer Umwelt-Krimi hat sich um einen Wolf in den Niederlanden abgespielt. Im Juli 2013 war eine tote Wölfin bei Luttelgeest nahe der deutschen Grenze am Straßenrand gefunden worden. 28 Forscher haben sich an der Untersuchung des Falles beteiligt und festgestellt : Der Wolf stammt wohl aus der Eifel, wurde illegal erschossen und in den Niederlanden abgelegt. Warum? Das weiß bis heute niemand.


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