Meyer macht Druck in Niedersachsen Klagen gegen Schredder-Verbot von Küken in NRW

Von Dirk Fisser

Auf dem Fließband: Küken in einer Brüterei. In der Legehennenproduktion überleben männliche Tiere in der Regel ihren Geburtstag nicht. Foto: ImagoAuf dem Fließband: Küken in einer Brüterei. In der Legehennenproduktion überleben männliche Tiere in der Regel ihren Geburtstag nicht. Foto: Imago

Osnabrück. Die Brütereien in Nordrhein-Westfalen wollen auch weiterhin männliche Eintagsküken schreddern. Gegen ein Verbot des Landwirtschaftsministeriums aus Düsseldorf setzen sich elf der zwölf betroffenen Betriebe gerichtlich zur Wehr.

Das teilte die Behörde auf Nachfrage mit. Demnach sind Klagen bei den Verwaltungsgerichten in Münster, Minden und Arnsberg anhängig. Die Umsetzung verzögert sich damit auf unbestimmte Zeit.

Ursprünglich hatte das Ministerium die Kreise als untergeordnete Behörden angewiesen, den Brütereien ab dem 1. Januar 2015 die Tötung der Küken zu untersagen. Das Vorpreschen hatte Landwirtschaftsminister Johannes Remmel (Grüne) viel Zuspruch aus Reihen der Tierschützer eingebracht.

Unserer Zeitung liegt eine der Anordnungen aus einem Kreishaus in NRW vor. Demnach wäre es den Brütereien erlaubt geblieben, Eintagsküken zu töten, wenn sie später nachweislich in Gänze an Raubvögel oder Reptilien verfüttert würden. Die Tiere könnten also weiterhin betäubt, vergast und an Zoos verkauft werden. Lediglich der Einsatz von Schreddern, an deren Ende die Tiere als eine Art Muß herauskommen, wäre verboten worden.

Trotz dieses Schlupfloches haben die betroffenen Unternehmen Klage eingereicht. Bis zu einer richterlichen Entscheidung können sie an der bislang gängigen Praxis festhalten.

Das Ministerium in Düsseldorf beharrt jedenfalls auf seiner Rechtsauffassung: Die Tötung der Küken aus rein wirtschaftlichen Gründen verstoße gegen geltendes Tierschutzrecht. In der Branche ist es Praxis, dass männliche Legehennen-Küken noch an ihrem Geburtstag getötet werden, da sie weder in der Eier- noch in der Fleischproduktion profitabel eingesetzt werden können. Tierschützer gehen davon aus, dass dies für 50 Millionen Küken im Jahr gilt.

Nordrhein-Westfalen ist bei der Legehennenproduktion vergleichsweise unbedeutend. Laut Ministerium liegt der Marktanteil bei etwas mehr als fünf Prozent. Marktführer ist Niedersachsen, wo 13 Brütereien 22 Millionen Brutplätze vorhalten. Hierzulande ist die Verwendung als Tierfutter übergangsweise erlaubt, ein Verbrennen der Kadaver in Tierkörperbeseitigungsanstalten hingegen nicht. Aus Branchenkreisen ist zu erfahren, dass die Kükenkadaver aus Niedersachsen sogar ins Ausland exportiert werden.

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) hatte vergangenes Jahr bereits angekündigt, ein Verbot prüfen zu wollen. Bislang war der Verzicht auf die Tötung der männlichen Küken Bestandteil des sogenannten Tierschutzplanes ( hier die Übersicht ), an dem gearbeitet wird.

Doch Meyer drückt jetzt aufs Tempo. Auf Nachfrage erklärte eine Sprecherin, der Minister wolle mit den Fachgremien ein Enddatum der Kükentötung in Niedersachsen festlegen. An dem Stichtag soll Schluss sein mit Vergasen oder Schreddern. Und das möglichst rechtssicher.

Parallel wolle die Regierung weiterhin Forschung fördern, die das Töten überflüssig machen soll. Das Ministerium nannte dabei unter anderem das „ Zwei-Nutzungshuhn “, das sowohl in der Mast als auch in der Eierproduktion eingesetzt werden könnte. Die Sonderform befindet sich im Angebot der Zuchtfirmen, wird aber kaum nachgefragt, ist zu erfahren. Darüber hinaus wird an der Geschlechtsbestimmung im Ei geforscht.


Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes lautet: „Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer 1.ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder 2.einem Wirbeltier a)aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder b)länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.“

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