Lebhaftes Echo in Hannover Lob und Tadel für geplante Abiturreform

Will die Abiturreform: Kultusministerin Frauke Heiligenstadt. Foto: dpaWill die Abiturreform: Kultusministerin Frauke Heiligenstadt. Foto: dpa

Hannover. Ein lebhaftes Echo hat der von der Landesregierung verkündete Trend zur Rückkehr zum Abitur nach 13 Schuljahren (G9) ausgelöst.

Die Landtagsfraktionen von SPD und Grünen begrüßten am Mittwoch die Ankündigung. Der Bildungsexperte der SPD-Fraktion, Claus Peter Poppe, betonte allerdings, es dürfe nun keine Hauruck-Entscheidung geben; vielmehr müssten jetzt Details wie etwa die Option des Abiturs nach zwölf Schuljahren für besonders leistungsstarke Schüler geprüft werden.

Ina Korter von den Grünen erklärte, es sei gut, dass endlich Schluss gemacht werde mit dem Turbo-Abi. Die Rückkehr zu einem verbesserten G9 müsse aber gut vorbereitet und sauber durchgeführt werden.

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Der CDU-Bildungsexperte Kai Seefried warf Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) vor, sie agiere weiter „völlig planlos“. Er warnte vor einem „Abi light“ und der Absicht, Gesamtschulen in den Status einer ersetzenden Schule zu heben. Das laufe auf eine Schwächung aller Schulformen zugunsten der IGS hinaus.

Seefrieds FDP-Kollege Björn Försterling beklagte, Heiligenstadt lasse Schüler, Eltern und Lehrer weiter im Unklaren. Sie verzögere eine Entscheidung auch gezielt, um den Gesamtschulen im kommenden Schuljahr einen Vorteil zu verschaffen. Dabei sei es absolut möglich, schon zum Beginn des neuen Schuljahres in diesem Herbst die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren konkret einzuleiten.

In diese Kerbe schlug auch der Philologenverband in Niedersachsen. Er begrüßte zwar grundsätzlich – wie auch der Verband Bildung und Erziehung – die angepeilte Rückkehr zum G9, die nicht zuletzt einer Welle des Protestes von Eltern, Schülern und Lehrern gegen das Turbo-Abi zu verdanken sei. Verbandschef Horst Audritz forderte aber, schon zum Beginn des Schuljahres 2014/ 2015 für die jetzigen Jahrgänge 5 bis 7 den Systemwechsel zu vollziehen.

Audritz setzte sich damit in Kontrast zum Bundesvorsitzenden des Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger. Dieser warb in einem Gespräch mit unserer Zeitung für einen „weichen Übergang“ vom Turbo-Abi auf das G 9. Er würdigte aber, dass Niedersachsen aus einer mangelnden Akzeptanz des G 8 die Konsequenzen ziehen wolle.

Der Hauptgeschäftsführer von NiedersachsenMetall, Volker Schmidt, nannte es richtig, eine Wahlfreiheit für ein Abitur nach zwölf oder 13 Jahren einzuführen. Dagegen kritisierte der Arbeitgeberverband ChemieNord die Entscheidung, weil damit eine „weitere Zerfaserung des Schulbereichs“ drohe, die den Fachkräftemangel verstärken könne.


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