Türkischer Botschafter gekürt In Oldenburg regiert jetzt ein Grünkohlsultan

Von dpa

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Sag‘s mit einem Grünkohlstrauß: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD, l.) begrüßt als Gastgeber in der Berliner Landesvertretung den Oldenburger Oberbürgermeister Gerd Schwandner (r.) und die neue Majestät Hüseyin Avni Karslioglu. Foto: dpaSag‘s mit einem Grünkohlstrauß: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD, l.) begrüßt als Gastgeber in der Berliner Landesvertretung den Oldenburger Oberbürgermeister Gerd Schwandner (r.) und die neue Majestät Hüseyin Avni Karslioglu. Foto: dpa

Berlin. Grünkohlkönige gibt es viele. Die Stadt Oldenburg vergab in der Bundeshauptstadt diesen Titel jetzt sogar schon zum 57. Mal. Doch der neue Amtsinhaber will lieber Grünkohlsultan genannt werden.

Berlin. Einen Grünkohlkönig kürt im Norden und Nordwesten der Republik, also dort, wo dieses Wintergemüse zuhause ist, selbst mancher Kegel- oder Schützenverein. Doch die Stadt Oldenburg, die jedes Jahr auf der Hauptstadtbühne ihre „Kohlmajestät“ proklamiert, schreibt jetzt Geschichte. „Vielleicht ist es besser, statt von einem Grünkohlkönig von einem Grünkohlsultan zu sprechen“, sagte der neue König Hüseyin Avni Karslioglu am Montagabend nach seiner Wahl in der niedersächsischen Landesvertretung. Der Grund für diese Umbenennung: Der neue Würdenträger ist der Botschafter der Türkei in Deutschland.

Seit 1956 nutzen die Oldenburger das Grünkohlessen, um für ihre Stadt und Region zu werben. Schon als Bonn noch Bundeshauptstadt war, hatte sich das Essen als Politpromi-Treff etabliert. Nur wegen der Hochwasserkatastrophe 1962 und im Golf-Krieg 1991 fiel es aus. Kanzler, Ministerpräsidenten, Landes- und Bundesminister, Partei- und Fraktionsvorsitzende und selbst EU-Kommissare wurden schon auf den Grünkohlthron gesetzt - ein Botschafter ist ein Novum.

Die Umbenennung seines neuen Titels war wohl auch auf eine Sorge zurückzuführen: „Mehr Kopfzerbrechen als die Frage, was ich Ihnen heute sagen werde, bereitet mir die Frage, was ich morgen meinem Außenministerium sagen soll“, grübelte der Diplomat. Immerhin habe es in der über 90-jährigen Geschichte des türkischen Außenministeriums noch nie einem Botschafter gegeben, „der sich im Gastland hat zum König ernennen lassen“, sagte der 57. Oldenburger Grünkohlkönig und 1. Grünkohlsultan. „Können Sie sich vorstellen, welche Aufregung es morgen in Ankara geben wird, wenn die ersten Schlagzeilen von meiner Regentschaft eintreffen?“

Ein Grünkohlkönig aus einem muslimisch geprägten Land - das stellte die Köche an diesem Abend vor eine besondere Herausforderung. Denn eigentlich gehört Schweinefleisch in verschiedenster Form und nicht zu kleinen Mengen in den Kohl. Für die türkischen Gäste wurden jedoch vegetarische Portionen gekocht und als Alternative zu Schweinefleisch Hühnchen und Lachs serviert.

Für alle anderen rund 300 Gäste sorgten 95 Kilo Kasseler, 60 Kilo Fleischpinkel, 50 Kilo Kochmettwurst und 38 Kilo geräucherter Speck für den richtigen Geschmack und jede Menge Kalorien.

Abdanken musste an diesem Abend turnusmäßig Karslioglus Vorgänger Peter Altmaier. Im Vorjahr - noch als Bundesumweltminister - zum Kohlkönig gewählt, bekannte der heutige Kanzleramtschef: „Das war das Beste, was mir jemals passiert ist. Kaum war ich Grünkohlkönig, ging es mit meiner Karriere voran.“

Kurz darauf sei er zum Botschafter des deutschen Bieres gewählt worden. „Da ist zusammengewachsen, was zusammengehört: Grünkohl, Pinkel und Bier. Und ich glaube, ich bin der einzige Amtsinhaber, der das auch mit seiner Figur glaubwürdig zum Ausdruck gebracht hat“, sagte der CDU-Politiker unter allgemeinem Gelächter in Anspielung auf seine üppige Figur.


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