Beirat soll bei Lösung helfen Weil: Demografie ist wichtigstes Thema

Unterstützung erhofft sich Ministerpräsident Stephan Weil durch einen Demografie-Beirat. Foto: dpaUnterstützung erhofft sich Ministerpräsident Stephan Weil durch einen Demografie-Beirat. Foto: dpa

Hannover. Bürgerbusse, rollende Arztpraxen oder neue Wohnmodelle in den Dörfern – solch beispielhafte Lösungsansätze für die Probleme des demografischen Wandels soll in Niedersachsen künftig ein 35-köpfiger Beirat ermitteln und für Nachahmung sorgen.

Das Gremium wurde am Montag anlässlich des ersten Demografiekongresses des Landes in Hannover installiert. Dem Gremium gehören sowohl Wissenschaftler als auch Vertreter von Wirtschaft, Gewerkschaften, Kirchen und kommunalen Spitzenverbänden an – darunter Landesbischof Ralf Meister, Hauptgeschäftsführer Heinz-Gert Schlenkermann von der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland und Privatdozent Uwe Hunger vom Institut für Migrationsforschung und interkulturelle Studien an der Universität Osnabrück.

Vorsitzender des „Zukunftsforums Niedersachsen“ ist der hannoversche Regionsdezernent Professor Axel Priebs. Er kündigte an, dass sich der Beirat künftig jährliche Schwerpunkte setzen werde; 2014 wolle man sich vorrangig den Themen Bildung und Mobilität widmen.

Diese Felder bildeten auch einen Schwerpunkt in dem Kongress, an dem rund 500 Vertreter verschiedenster Institutionen teilnahmen. Ein solcher Kongress soll nach Angaben von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) ab jetzt jedes Jahr stattfinden.

„Es gibt kein wichtigeres Thema als den demografischen Wandel“, unterstrich Weil bei der Eröffnung. Bis zum Jahr 2030 werde es in Niedersachsen gravierende Veränderungen geben: Prognosen zufolge sinke die Bevölkerung bis dahin um gut sechs Prozent; einer deutlich steigenden Zahl von alten Menschen stehe ein um 20 bis 30 Prozent schrumpfender Anteil junger Leute gegenüber. Das habe gravierende Auswirkungen auf alle Bereiche der Gesellschaft – von Bildung und Arbeit bis zu Gesundheit und Mobilität.

Weil betonte, mit Blick auf den demografischen Wandel gebe es „kein Erkenntnisdefizit, wohl aber ein Handlungsdefizit“. Hier wolle die rot-grüne Koalition ansetzen und konkrete Lösungen im Zusammenwirken mit allen Beteiligten organisieren.

Als eine Konsequenz nannte der Ministerpräsident eine noch bessere Ausbildung und Qualifizierung junger Menschen. Notwendig sei ferner, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern und das Gesundheitswesen im ländlichen Raum intakt zu halten. Gerade auch für diese Gebiete müsse Mobilität gesichert werden.

Der Beirat solle nun dabei helfen, diese Herausforderungen durch das Aufgreifen guter Lösungsansätze zu bewältigen, sagte Weil.

Ausdrücklich begrüßt wurde diese Initiative vom Verband Niedersachsen Metall. Dessen Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt erklärte, es gebe in der Tat ein Handlungsdefizit. Es sei auch richtig, beim demografischen Wandel auf mehreren Ebenen anzusetzen. „Wer nicht über seine Zukunft nachdenkt, wird keine Zukunft haben“, betonte Schmidt, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Demografieagentur der niedersächsischen Wirtschaft ist.


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