Vernehmung im Glaeseker-Prozess Christian Wulff unter Druck im Zeugenstand

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Wiedersehen vor Gericht: Kürzlich weilte Olaf Glaeseker (rechts) im Wulff-Prozess, an diesem Monzag muss der Ex-Präsident als Zeuge aussagen. Foto: dpaWiedersehen vor Gericht: Kürzlich weilte Olaf Glaeseker (rechts) im Wulff-Prozess, an diesem Monzag muss der Ex-Präsident als Zeuge aussagen. Foto: dpa

Hannover. Es ist der wohl wichtigste Zeugenauftritt in dem Korruptionsverfahren gegen Christian Wulff und Olaf Glaeseker: Wenn der frühere Bundespräsident an diesem Montag im Prozess gegen seinen langjährigen Sprecher vernommen wird, steht für beide enorm viel auf dem Spiel.

Wulff könnte Glaeseker von dem Vorwurf entlasten, vom Eventmanager Manfred Schmidt bei der Organisation der Promitreffs Nord-Süd-Dialog bestochen worden zu sein. Die Anklage wirft dem damaligen Regierungssprecher vor, für die Veranstaltungen in den Jahren 2007 bis 2009 Sponsorengelder in Höhe von 651 000 Euro eingeworben und dafür von Schmidt mit Reisen und Urlaubsaufenthalten in dessen Domizilen am Mittelmeer belohnt worden zu sein.

Glaeseker bestreitet dies. Er versichert, nur deswegen bei der Finanzierung der Prominententreffen mitgeholfen zu haben, weil sie auf Druck von Wulff als damaligem niedersächsischen Ministerpräsidenten unbedingt ein Erfolg werden sollten. Bei den Aufenthalten in Schmidts Häusern in Spanien und Südfrankreich habe es sich lediglich um private Besuche bei einem langjährigen Freund gehandelt und nicht etwa um eine Gegenleistung dafür, dass Schmidt als Veranstalter der Nord-Süd-Dialoge unter dem Strich rund eine Million Euro Gewinn einstreichen konnte.

Wulff allerdings hat Glaeseker in einer ersten Vernehmung im Sommer 2012 eher belastet. Von einer innigen Freundschaft zwischen dem 52-Jährigen und dem Partymanager wisse er nichts, auch nicht von den Urlaubsreisen ans Mittelmeer, gab der Ex-Präsident zu verstehen. Und er ließ durchblicken, dass ihm das Ausmaß der Spendenakquise durch Glaeseker weder bekannt noch recht gewesen sei.

An dieser Version gibt es jedoch massive Zweifel. So bestätigten diverse Zeugen eine enge Freundschaft zwischen dem Ex-Sprecher und Glaeseker - und dass der frühere Präsident von Ferienaufenthalten gewusst haben muss, unterstrich sogar Wulffs erste Gattin Christiane, die zusammen mit ihrer Tochter bei solchen Urlauben mit von der Partie gewesen war.

Wulff, der im eigenen Korruptionsprozess auf einen glatten Freispruch hoffen darf, steht nun ausgerechnet im Zeugenstand stark unter Druck. Es geht um seine Glaubwürdigkeit. Die spannende Frage lautet: Beharrt der 54-Jährige auf den ursprünglichen Angaben und geht so womöglich das Risiko ein, wegen einer Falschaussage verfolgt zu werden - oder korrigiert er sich?

Glaeseker, der seinerseits kürzlich als Zeuge im Wulff-Prozess ausdrücklich auf jedwede Belastung seines früheren Chefs verzichtete, hofft nun auf „Besinnung“ beim einstigen Präsidenten. In einem Spiegel-Interview verglich er Wulffs distanzierende Aussagen mit einem Trauma wie nach einer Massenkarambolage: „Da verschiebt sich gelegentlich die Perspektive. Aber oft kommt die Erinnerung ja auch wieder“.


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