15.000 Übernachtungen storniert Herbergen bekommen Lehrer-Boykott zu spüren

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Auch in der Jugendherberge am Alfsee sind bislang 250 gebuchte Übernachtungen wieder weggefallen. Foto: ArchivAuch in der Jugendherberge am Alfsee sind bislang 250 gebuchte Übernachtungen wieder weggefallen. Foto: Archiv

Osnabrück/Hannover/Bremen. Jugendherbergen in Norddeutschland verzeichnen einen Rückgang bei den Buchungen durch Schulklassen. Bislang seien rund 15000 Übernachtungen storniert worden, teilte das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) mit.

Viele niedersächsische Gymnasien würden inzwischen vollständig auf Klassenfahrten verzichten, sagte Geschäftsführer Bernd Dohn. Der Rückgang werde für die Jugendherbergen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen zur wirtschaftlichen Belastung. Mehrere Gymnasien hatten angekündigt, Klassenfahrten aus Protest gegen die geplante Anhebung der Arbeitszeit bei Lehrern zu streichen. Im Rahmen der „Zukunftsoffensive Bildung“ der Landesregierung sollen bis 2017 rund 420 Millionen Euro in das Bildungssystem investiert werden. Zur Finanzierung sollen die Lehrer eine Stunde länger arbeiten.

Schulübernachtungen machen knapp die Hälfte der Belegungszahlen in den 532 Jugendherbergen des DJH aus. Allein im DJH-Landesverband Unterweser-Ems sind bislang 6500 Stornierungen eingegangen, teilte Verbandsleiter Thorsten Richter mit. „Dazu ist eine deutliche Zurückhaltung bei den Buchungen zu verspüren“, sagte er unserer Zeitung, „das nimmt an Dynamik zu.“

Während man am Schullandheim Mentrup-Hagen oder der Jugendherberge Osnabrück bislang noch keine Auswirkungen verspürt, verzeichnete allein die Jugendherberge in Meppen bislang 800 Stornierungen. Zwei Schulen aus dem emsländischen Raum hatten ihre Buchung zurückgezogen; eine von ihnen hatte das komplette Haus für eine ganze Woche gebucht, sagt Herbergsvater Thorsten Meyer: „Das ist schon schmerzhaft.“ Diese Lücken ließen sich mit anderen Gruppen nur schwer kompensieren. Auch Borkum ist stärker betroffen: In der dortigen Herberge stiegen die Stornierungen über Nacht von 500 auf 750. In Lingen sind es 540, am Alfsee 350.

Zwar sei die Situation noch nicht existenzbedrohend – aber es handele sich um „ein ernst zu nehmendes Thema, bei dem wir sehr genau hinhören“, sagte Meyer. Die DJH-Sprecherin Gesa Hauschild ergänzte, dass pro Übernachtung im Schnitt etwa 30 Euro anfielen: „Da kommen Sie bereits auf Einbußen von 450000 Euro.“

Das Kultusministerium bedauerte am Freitag die rückläufige Auslastung der Jugendherbergen durch abgesagte Klassenfahrten. Ein Sprecher des Ministeriums erklärte, es gebe überhaupt keine Rechtfertigung dafür, Klassenfahrten an Gymnasien ausfallen zu lassen, zumal für Lehrer an integrierten Gesamtschulen mit Abiturangebot schon jetzt die erhöhte Stundentafel gelte. Das Ministerium appellierte an die Gymnasien, nicht auf Klassenfahrten als wichtige Bereicherung des Schullebens zu verzichten.(Mit epd)


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